Lufthansa und Turkish Airlines gegen die Konkurrenz vom Golf
Eine enge Zusammenarbeit von Lufthansa und Turkish Airlines wurde in dieser Woche wahrscheinlicher. Ankara sei für eine Partnerschaft mit Lufthansa "wärmstens gestimmt", verbreitete der türkische Finanzminister Mehmet Simsek.
Der türkische Staat verwaltet 49 Prozent der Aktien von Turkish Airlines. Auch Lufthansa hält mehr von einer vertieften Kooperation mit dem türkischen Star Alliance-Partner als es der Konzern derzeit zugibt.
Seit Jahren bereitet die zunehmende Abwanderung von Passagieren an die Transit-Flughäfen am Golf den Frankfurtern Kopfschmerzen. Der jüngste Beitritt von Qatar Airways in die Allianz oneworld, das Dreiecksbündnis aus Etihad Airways, Air France-KLM und Air Berlin sowie die Kooperation von Qantas und Emirates erhöhen den Handlungsdruck auf Lufthansa-Chef Christoph Franz zusätzlich.
In Istanbul könnte für Lufthansa und ihre Partner die Antwort liegen, denn an der Grenze von Europa und Asien will die Türkei den größten Airport der Welt bauen.
Knapp über 37 Millionen Passagiere zählte der Turkish Airlines-Hub Istanbul Atatürk im vergangenen Jahr. Sabia Gökcen, der zweite Flughafen im Großraum Istanbul, kam 2011 auf 12,7 Millionen Passagiere.
Der im Norden Istanbuls geplante neue Airport soll im Jahr 2016 bereits mit einer Anfangskapazität von 90 Millionen Passagieren öffnen. In späteren Ausbauphasen soll der Flughafen auf bis zu 150 Millionen Passagiere erweitert werden. Nach einer zweijährigen Standortsuche gab die türkische Regierung das Projekt vor wenigen Wochen in die Ausschreibung.
Das neue Drehkreuz wird eine noch günstigere geographische Lage für den Sprung nach Asien bieten als die Flughäfen von Dubai, Abu Dhabi und Doha. Im Verbund mit Turkish Airlines und United Continental könnte Lufthansa in Istanbul erhebliche Passagierströme am Golf vorbeileiten. Eine Aufnahme von Turkish Airlines in das Verkehrsbündnis Atlantic Plus-Plus von Lufthansa und United Continental soll bereits Gegenstand der aktuellen Verhandlungen sein.
Die Phase des Kennenlernens können die potenziellen Partner in den Gesprächen überspringen. Über Star Alliance und den gemeinsam betriebenen Urlaubsflieger SunExpress sind Lufthansa und Turkish Airlines bereits bestens miteinander vertraut.
Auch wirtschaftlich sind beide Fluggesellschaften gesund. Sowohl Lufthansa als auch Turkish Airlines arbeiten profitabel - in den ersten neun Monaten verdiente Turkish Airlines im operativen Geschäft 470 Millionen Euro, Lufthansa 628 Millionen Euro. In den vergangenen fünf Jahren hat Turkish Airlines die Zahl ihrer Passagiere auf 32,6 Millionen verdoppelt. Lufthansa knackte im vergangenen Jahr erstmals die Marke von 100,0 Millionen Reisenden.
Die Bündelung von Passagieren und gemeinsamer Stärke an einem neuen Megadrehkreuz in Istanbul ist das Ass im Ärmel von Christoph Franz und Turkish Airlines-Chef Temel Kotil gegen die Konkurrenz vom Golf. Sie werden es nicht mehr lange im Ärmel lassen.
aero.de / Dennis Dahlenburg 23.11.2012
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