13.07.2015
Erschienen in: 04/ 2015 FLUG REVUE

AirbusStandort Bremen bereit für A350-Flügel

Die A350 besteht zu großen Teilen aus kohlenstofffaserverstärkten Baugruppen – so auch die Tragflächen. Die FLUG REVUE sah sich in Bremen um, welche Herausforderungen die Komplettierung der Flügel für die dortigen Spezialisten mit sich bringt.

IN DIESEM ARTIKEL

Vom schwarzen Material sieht man allerdings nicht mehr viel, wenn die Flügelkästen aus dem britischen Partnerwerk Broughton angeliefert werden. Zum größten Teil sind sie unter dem Schutzlack gar nicht von den A330-Flügeln zu unterscheiden, die ebenfalls in Bremen mit Elektrik und Hydraulik, mit Vorflügeln, Klappen und Spoilern sowie Klima- und Enteisungsanlagen ausgerüstet werden, bevor sie per Airbus-Beluga nach Toulouse zur Endmontage gelangen.

Derzeit liegen in der großen Bremer Montagehalle allerdings nur LR-Flügel, „long range“ also, die Tragflächen für die A330, die sich auf dem internationalen Markt wie geschnitten Brot verkauft. In einer kleinen Halle nebenan sind indessen schon zwei A350-Flügel aufgebockt und erhalten hier ihren letzten Schliff. An den Flügelspitzen baumeln Pappschilder mit der Aufschrift „Finnair“. „Vorserie“, sagt lakonisch Christoph Zapf, der Chef des Ganzen, dessen komplizierte Dienstbezeichnung auf der Visitenkarte ganze zwei Zeilen einnimmt. Ausruhen vor dem großen Sturm also?

„Auf keinen Fall!“, protestiert Zapf energisch und zeigt dem Besucher stolz, was sich seit dem letzten Besuch der FLUG REVUE vor genau zehn Jahren am norddeutschen Airbus-Standort verändert hat. „Damals haben wir hier die Flügel der A330/A340-Familie ausgerüstet, doch die Produktion der letzteren wurde inzwischen eingestellt. Gleichzeitig wurde für uns klar, dass wir uns auch um die nächste Long-Range-Generation kümmern würden, was eine riesige He-rausforderung an alle Mitarbeiter stellt.“

Der Umgang mit dem neuen Material ist da noch der kleinste Anspruch, dem die Bremer genügen müssen. Vor allem wurde der komplette Ablauf der Installationen neu überdacht und optimiert. Vor wenigen Jahren noch wurde an fünf Stationen jeweils ein Flügelpaar komplettiert. Waren die jeweiligen Arbeiten abgeschlossen, musste zwischen den Stationen Platz geschaffen werden und alles rückte eine Etappe weiter. Vorn ein komplettes Shipset, wie die Paare auch genannt werden, raus, hinten zwei „Rohlinge“ rein. Die Fachkräfte zogen von Anfang bis Ende mit „ihrem“ Flügel mit.

„Die Rationalisierung der Arbeitsabläufe begann bereits weit vor der Anlieferung der ersten A350-Flügel“, berichtet Christoph Zapf, und man merkt ihm den Stolz auf das Geleistete an. Er aber wehrt ab: „Vielmehr bin ich stolz auf unsere Mitarbeiter, die von Anfang an den gesamten Veränderungsprozess mit gestaltet haben. Ohne sie wären wir heute erst halb so weit“, und dann beschreibt er die veränderte Technologie, wie sie schon jetzt bei den A330-Flügeln angewendet wird.

„Das wichtigste Prinzip lautet: Ändere niemals ein bewährtes System!“, sagt er. „Wir werden auch künftig an fünf Stationen arbeiten und immer im Wechsel ein A330- und ein A350-Shipset komplettieren.“ Das ist aber auch schon alles, was noch an die alten Abläufe erinnert.


WEITER ZU SEITE 2: Warten auf Belugas

1 | 2 |     
Mehr zum Thema:
flugrevue.de/Matthias Gründer


Weitere interessante Inhalte
Restrukturierung der Airbus-Konzernspitze Enders schließt betriebsbedingte Kündigungen nicht aus

05.12.2016 - Airbus-Konzernchef Tom Enders hat im Rahmen der Umstrukturierungen betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen. … weiter

Zweistrahler wird noch vor Weihnachten geliefert Lufthansa-A350 startet zum Erstflug

29.11.2016 - Die erste A350-900 für Lufthansa ist am Dienstag in Toulouse zum Erstflug gestartet. … weiter

Gestreckte Variante des Airbus-Zweistrahlers A350-1000 hebt zum Erstflug ab

24.11.2016 - In Toulouse startete am Donnerstagvormittag der erste Prototyp des Airbus A350-1000 zu seiner Premiere in der Luft. Der Erstflug dauerte etwas mehr als vier Stunden. … weiter

Neuer Airbus-Zweistrahler Übergabe-Termin für Lufthansa-A350 steht fest

23.11.2016 - Noch vor Weihnachten erhält Lufthansa den ersten Airbus A350-900. Auch der erste Linienflug ist schon geplant. … weiter

Letzte Hürde vor dem Erstflug A350-1000 absolviert letzten Rolltest

22.11.2016 - Der erste Prototyp des Airbus A350-1000 hat am Dienstag in Toulouse seinen letzten Hochgeschwindigkeits-Startabbruchtest bestanden. Damit ist der längste Zweistrahler der Airbus-Geschichte zum … weiter


  • Hersteller

    Lade...

  • Typ

    Bitte Hersteller auswählen!

FLUG REVUE 12/2016

FLUG REVUE
12/2016
07.11.2016

Abonnements
Digitalabo
E-Paper
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- Neue Junkers F 13 fliegt
- Dreiteilung airberlin
- Flughafen Lyon
- Erprobung Pilatus PC-24
- Wonsan Air Festival
- Brennstoffzellen im Alltagstest
- Extra Raumfahrt

aerokurier iPad-App