05.03.2012
FLUG REVUE

Der Markt für automatisierte Werkzeuge im Flugzeugstrukturbau steht vor Einbruch

Bis 2020 erwarten Experten einen deutlichen Einbruch des Marktes für automatisierte Werkzeuge im Flugzeugstrukturbau um 73 Prozent, so eine Studie von Roland Berger. Zudem verlagert sich die Nachfrage in neue Märkte wie China oder Russland; hier sind vor allem schlüsselfertige, kostengünstige Lösungen gefragt.

Großprogramme in der zivilen Luftfahrt, wie der Airbus A350 XWB oder Boeings 787 Dreamliner, aber auch Investitionen im militärischen Segment wie die Lockheed Martin F-35, haben das Marktvolumen für automatisierte Werkzeuge im Flugzeugstrukturbau in den letzten Jahren auf einen neuen Höchststand gebracht. Rund 1,1 Milliarden Dollar umfasste der weltweite Markt im Jahr 2010 – für 2012 wird sogar ein Volumen von 1,4 Milliarden Dollar prognostiziert.  Das entspricht einem Wachstum von 83 Prozent seit 2006.

"Der Markt für automatisierte Werkzeuge im Flugzeugstrukturbau hat gerade ein Rekordniveau erreicht. Doch der Schein trügt, denn die langfristigen Aussichten sind nicht so optimistisch", warnt Manfred Hader, Partner von Roland Berger Strategy Consultants. "Die Hersteller müssen daher neue Strategien entwickeln, um auch langfristig am Markt bestehen zu können."

Die mittelfristigen Prognosen sehen anders aus: Ab 2015 erwarten die Roland Berger-Experten einen negativen Trend. Zwar würden neue Programme wie die COMAC C919 aus China oder der Irkut MS-21 aus Russland den Abschwung zunächst abschwächen. Doch bis 2020 wird der weltweite Markt aufgrund fehlender Anschlussprogramme um mehr als 70 Prozent auf ein Gesamtvolumen von rund 400 Millionen Dollar einbrechen.

Wachstum werden die Zulieferer der Luftfahrtindustrie vor allem in neuen Märkten suchen müssen – allen voran China, Indien und Russland. Für die Hersteller von automatisierten Werkzeugen im Flugzeugstrukturbau stellen die neuen Wachstumsmärkte eine wichtige Chance dar, sind aber gleichzeitig mit neuen Herausforderungen verbunden: "Die Kunden wollen schlüsselfertige Lösungen aus einer Hand, die kostengünstig und zuverlässig sind. Gefragt ist daher lokale Lösungskompetenz, denn den Kunden fehlt oft noch eigenes Know-how", sagt Sindram.

In den kommenden Jahren müssen sich die Hersteller zudem auf die steigende Nachfrage nach Service-Angeboten einstellen. Ein Bereich, der bislang eher unterschätzt wurde. So hatte die Branche im Jahr 2010 lediglich 140 Millionen Dollar mit Service-Produkten erwirtschaftet. Das entspricht gerade mal 13 Prozent des Gesamtmarktes dieser Industrie. Im Vergleich erreichte das Neugeschäft in der Endmontage ein Volumen von 400 Millionen Dollar, im Bereich der Modulmontage rund 300 Millionen Dollar und in der Sub-Modulmontage 270 Millionen Dollar.




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