03.08.2009
FLUG REVUE

GBAS DLR BraunschweigDLR nimmt GBAS Station in Braunschweig in Betrieb

Das DLR hat am Braunschweiger Flughafen Ende Juli eine GBAS Bodenstation in Betrieb genommen. Damit sollen die Möglichkeiten satellitengestützter Präzisionsanflüge weiter erforscht werden. Zur Premiere der neuen Station steuerte eine Boeing 737-700 von Air Berlin den Airport an.

Air Berlin ist nach Angaben des DLR die erste Fluggesellschaft Europas, die in Zusammenarbeit mit der Deutschen Flugsicherung (DFS) Anflüge auf GBAS-Stationen erprobt.

"Wir freuen uns, dass wir unser neues Präzisionsanflugsystem heute für Forschungszwecke in Betrieb nehmen können", sagte Professor Dr. Dirk Kügler, Direktor des DLR-Instituts für Flugführung, im Rahmen der Demonstrationsflüge für die Flugerprobung. "Mit der GBAS-Station sichert das Institut die international führende Rolle des Forschungsflughafens, zum Beispiel bei der Erprobung emissionsarmer Anflugverfahren", sagte Kügler weiter.

Die GBAS-Station am Forschungsflughafen in Braunschweig soll in der ersten Ausbaustufe zunächst den bereits bestehenden Anflugweg des Instrumentenlandesystems (ILS) auf die Landebahn 26 nachbilden. Es handelt sich um eine experimentelle Station, die für Forschungszwecke hauptsächlich vom DLR-Institut für Flugführung genutzt wird.

Im Rahmen der Flugerprobungen erfolgte der erste Anflug auf Braunschweig als Standard-ILS-Anflug mit anschließender Landung. Bereits dieser Flug diente zur Bestimmung der Reichweite des GBAS-Signals. Nach erneutem Start folgte eine so genannte Rechtsplatzrunde mit einem weiteren Standard-ILS-Approach als Vergleichsbasis. Im Anschluss an die beiden Referenzanflüge wurden weitere Anflüge mit unterschiedlichen Konfigurationen der GBAS-Anlage durchgeführt.

Während der Demonstrationsflüge diente der ILS-Anflugweg als Referenz zur Überprüfung der Richtigkeit der ausgestrahlten GBAS-Informationen. Zusätzlich wurde durch die Flugversuche die Reichweite des Korrektursignals der Bodenstation überprüft.

Als Grundlage der GBAS-Station am Flughafen Braunschweig-Wolfsburg dient das Global Positioning System (GPS), bei dem Satellitensignale die genaue Ortsbestimmung eines GPS-Empfängers ermöglichen. Da die Leistungsfähigkeit eines GPS-Systems ohne Ergänzungssystem nicht für alle Flugphasen den Anforderungen entspricht, wurden so genannte Bodengestützte Ergänzungssysteme entwickelt.

Die GBAS-Station besteht aus drei GPS-Empfängern mit den dazugehörigen Antennen, deren Position im Vorfeld exakt vermessen wurde und dem System somit bekannt ist. Während der normalen Operation empfangen die Empfänger der GBAS-Station das GPS-Signal und ermitteln die Abweichung zwischen der vom GPS empfangenen und der tatsächlich vermessenen Position.

Über eine Very High Frequency (VHF)-Verbindung werden die so ermittelten Differenzen zweimal pro Sekunde an die mit einem Multi Mode Receiver (MMR) ausgestatteten Flugzeuge gesendet. Außerdem werden alle 30 Sekunden die für den Flugplatz zulässigen Anflugrouten (3D-Wegpunkte) an die Flugzeuge übertragen.

An Bord entsprechend ausgerüsteter Flugzeuge ermittelt der MMR die eigene Position ebenfalls mit einem GPS-Empfänger. Die von der Bodenstation ausgestrahlten Korrekturdaten werden empfangen und mit der zuvor empfangenen Soll-Position der Anflugroute verglichen.

Mit Hilfe der von der GBAS-Station erhaltenen Daten lässt sich die Position dann korrigieren. So wird bei der Positionsbestimmung eine Genauigkeit von unter einem Meter erreicht. Zusätzlich wird der Nutzer rechtzeitig durch das System gewarnt, wenn der Positionierungsfehler größer als eine vorgegebene Schranke ist.

Im Gegensatz zum herkömmlichen Instrumentenlandesystem (ILS), das nur gerade Anflüge erlaubt, können beim GBAS die Anflugrouten mittels 3D-Wegpunkten beliebig im Raum angeordnet werden. So können variable, nur durch Sicherheits- und Komfortanforderungen begrenzte Anflugrouten geflogen werden, die es unter anderem ermöglichen, geographische Besonderheiten zu berücksichtigen. Durch GBAS werden auch zukünftig zu entwickelnde, besonders steile oder gekrümmte Anflugrouten ("Steep" beziehungsweise "Curved Approaches") möglich, die zu einer wesentlichen Reduzierung des Fluglärms beitragen können.



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