01.10.2013
FLUG REVUE

Embraer Fly by wire TechnikEmbraer - Fly-by-wire-Technik

Embraer hat seine beiden Business-Jet-Modelle Legacy 500 und 450 mit Fly-by-Wire-Steuerung ausgestattet. Die digitale Technik findest sich sonst bei wesentlich teueren Flugzeugen.

Embraer hat mit der Legacy 500 und der 450 zwei Flugzeuge mit Fly-by-Wire-Steuerung auf den Markt gebracht. In dieser Kategorie ist diese Art der Steuerung höchst ungewöhnlich. Man muss unter den aktuellen Business Jets eine Weile suchen, um auf Flugzeuge mit umfassender Fly-by-Wire-Steuerung (FBW) zu stoßen: Es ist die Falcon 7X, die ebenfalls mit Hilfe dieser Technik die Fluglage in allen drei Ebenen kontrolliert, also Höhenruder, Seitenruder und Querruder sowie Störklappen. Das Dassault-Spitzenmodell kostet allerdings etwa 52 Millionen Dollar – mehr als doppelt so viel. Auch die neue G650 fliegt mit umfassender FBW-Technik, die Gulfstream kostet sogar etwa 65 Millionen Dollar.

In ihrer Kategorie der „Super-Midsize“-Business Jets hat die knapp 20 Millionen Dollar teure Legacy mit der Technik ein Alleinstellungsmerkmal.
Embraer nutzt die Technik bei den Regionalverkehrsflugzeugen ERJ 170 und 190. Die digitale Steuerungstechnik der E-Jets ist allerdings weniger komplex als diejenige der neuen Legacys.
Embraer hat sich bei der FBW-Steuerung für die technologisch anspruchsvolle Bauweise mit geschlossenem Regelkreis („Closed Loop“) entschieden, die das Flugzeug sets innerhalb seiner Grenzen hält.  Der Flugzeughersteller sieht eine Reihe von Vorteilen in der FBW-Technik, angefangen bei der Gewichtsersparnis. Denn die Struktur muss nicht ganz so massiv gebaut sein, da sie dank der FBW-Schutzmechanismen keinen übermäßig hohen Belastungen ausgesetzt wird.

Für die Flugleistungen bedeutet dies, dass die Piloten  näher an den Limits fliegen können, ohne ein Sicherheitsrisiko einzugehen.
Das computergestützte Flugregelungssystem hält das Flugzeug stets innerhalb seiner Betriebsgrenzen, es verfügt dafür über diverse Mittel wie zum Beispiel den „Angle of Attack”-Begrenzer, der den Anstellwinkel kontrolliert. Daher sind die bekannten Warnfunktionen am Steuerknüppel bei beginnendem Strömungsabriss (Stick Shaker, Stick Pusher) entbehrlich. Dies erlaubt der Legacy niedrigere Anflug- und Startgeschwindigkeiten.
Das System entlastet die Piloten auch sehr wirkungsvoll im Fall eines einseitigen Triebwerksausfalls, so dass sie mit optimaler Leistung weiterfliegen können.
Oder im Fall eines schlagartig notwendigen Steigflugs, etwa um eine Geländekollision zu verhindern, erzielt das Flugzeug unter dem Schutz von FBW die bestmögliche Steigleistung. 

Auch die Passagiere bekommen die wohltätige Wirkung der FBW-Technik zu spüren: Sie steuert das Flugzeug zum Beispiel weitaus geschmeidiger durch Turbulenzen. Auch alle Konfigurationswechsel, zum Beispiel Wechsel der Klappenstellungen, fallen dank FBW sanfter aus.

Auf der Höhe der Zeit ist selbstverständlich auch die Cockpitelektronik. Embraer hat sich für das „Pro Line Fusion“-System von Rockwell Collins entschieden, das auch Bombardier für den Learjet 85 und Gulfstream für die G280 ausgewählt hat. Den Piloten werden vier 15-Zoll-Bildschirme in T-Anordnung zur Verfügung stehen und allerlei Leckerbissen wie Synthetic Vision , Head-up Guidance und Enhanced Vision (künstliche Sichtverstärkung).

Alles in allem ist die Legacy ein Flugzeug, das die Mitbewerber aufgrund ihrer herausragenden technischen Ausstattung sehr ernst nehmen müssen. Für Cessna war bereits das Erscheinen der Phenom 100 und Phenom 300 eine bittere Pille. Der Erfolg der beiden Embraer-Modelle ging spürbar zu Lasten der CJ1+ und der CJ4. Die Entscheidung, eine verbesserte Version der Citation Sovereign auf den Markt zu bringen, erfolgte sicherlich auch mit Blick auf die kommende Legacy.

Gulfstream wird das Schicksal des neuen Embraer-Business-Jets ebenfalls sehr genau beobachten, denn er stellt eine Gefahr für die G150 dar. Die Legacy ist zwar vier Millionen Dollar teurer, punktet aber mit der Kabinengröße und der Fly-by-Wire-Technik.

Und dann ist da ja auch noch die Legacy 450, die ab 2015 mitmischen wird. Sie hat den gleichen Rumpfdurchmesser wie die Legacy 500 und macht ebenfalls durch erlesene Technik auf sich aufmerksam.
Kein Zweifel: Embraer will mit den beiden neuen Legacys ähnlich erfolgreich sein wie mit den beiden Phenoms. Die beiden Flugzeuge bringen alles mit, um aus diesem Wunsch Realität werden zu lassen. 



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