11.04.2015
Erschienen in: 03/ 2014 FLUG REVUE

Versuch macht klugForschungsflugzeuge im Dienst von Luftfahrt und Umwelt

Forschungsflugzeuge und -hubschrauber erproben neue Flugverfahren, Materialien oder Technologien, sammeln Daten über unsere Umwelt, fliegen dabei entweder extrem langsam oder superschnell und wagen sich auch in höchste Höhen.

IN DIESEM ARTIKEL

Schon in der Frühzeit der Fliegerei tauchten technische Probleme auf, welche die Konstrukteure nicht am Zeichenbrett lösen konnten, und mit der stürmischen Entwicklung des Flugwesens kam der Empirie eine immer größere Rolle zu. Darunter verstehen wir eine auf Beobachtungen, gezielten Versuchen und praktischen Erfahrungen basierende wissenschaftliche Methode, aus der Schlüsse für die nächsten Entwicklungsschritte gezogen werden können. Vor allem im Deutschland der 20er und 30er Jahre erklomm so die Flugforschung bis dahin unerreichte Höhen.

Indessen zeigt sich bis heute, dass selbst in Zeiten von Großrechnern und computergesteuerter Simulationen auf den praktischen Versuch nicht verzichtet werden kann. Im Vorleben eines jeden Fluggeräts kommt einmal der Punkt, an dem die Konstrukteure wissen wollen, ob das Erdachte auch praktikabel ist, wobei wir hier nur von Teilaspekten einer Entwicklung sprechen, von neuen Materialien beispielsweise, bestimmten Konstruktionsweisen oder ganzen Baugruppen wie zum Beispiel Triebwerken. Dann schlägt die Stunde der Forschungsflugzeuge.

Typische Vertreter sind Trägerflugzeuge für die Triebwerkserprobung, in der Regel vierstrahlige Großflugzeuge, bei denen eines der Standardaggregate von dem neuen, zu testenden ersetzt wird. Manchmal wird auch  der neue Antrieb als fünfter neben den vier bewährten installiert, und meist sind in der Kabine auch gleich die Aufzeichnungs- und Auswertungsapparaturen untergebracht. Als typisches Beispiel zeigen wir auf diesen Seiten die Iljuschin IL-76 LL des Flugforschungsinstituts der russischen Luftstreitkräfte in Shukowskij bei Moskau. LL steht dabei für „Letajuschtschaja Laboratorija“ (fliegendes Laboratorium), und davon gibt es in Russland eine ganze Menge. Manche davon tragen allerdings das „LL“ nur für eine bestimmte Zeit, wie einst das Überschallflugzeug Tupolew Tu-144D (RA-77114), das von 1995 bis 1998 im Auftrag von Boeing möglichst umfangreiche Datensätze erflog, die für die Entwicklung eines künftigen US-amerikanischen Überschalljets Bedeutung haben könnten.

Während die Russen um die Zahl und Zweckbestimmung ihrer Forschungsflugzeuge nach wie vor ein großes Geheimnis machen, kann man sich – nicht zuletzt dank des Internets – über jene in anderen Ländern recht schnell ein Bild verschaffen. Allein beim Armstrong Flight Research Center der NASA (früher Dryden) auf der Edwards AFB in Kalifornien haben sich im Laufe der Jahrzehnte zahlreiche Forschungsflugzeuge in Flottenstärke in die Luft erhoben, deren Testmissionen die zivile und militärische US-Luftfahrt immer weiter gebracht haben – wenn auch nicht immer im gewünschten Sinn, aber auch eine schlechte Erfahrung ist eben auch eine Erfahrung.


WEITER ZU SEITE 2: Mars-Landeradar an einer F/A-18 und ein abgetrennter Flügel

1 | 2 | 3 |     


Weitere interessante Inhalte
Behörde zieht Konsequenzen nach Beinahe-Landung auf Rollweg FAA untersagt nächtliche Sichtfluglandungen in San Francisco

18.08.2017 - Ein nächtlicher Zwischenfall auf dem Flughafen von San Francisco vom Juli führt zu verschärften Regeln bei Nacht: Künftig sind dort Landeanflüge bei Nacht unter bestimmten Bedingungen nur mit … weiter

Airbus-Produktion in den USA Erste amerikanische A320 absolviert Erstflug

17.08.2017 - Die erste A320, die in den Produktionshallen in Alabama gefertigt wurde, hat ihren Jungfernflug erfolgreich abgeschlossen. … weiter

Benefiz-Album von easyJet Einschlafen mit dem Sound von Triebwerken

15.08.2017 - Mit "Jet Sounds" veröffentlicht die britische Niedrigpreis-Airline sowohl eine Single als auch ein ganzes Album nur mit Triebwerksgeräuschen. Das soll beim Einschlafen helfen. … weiter

Forschung an künftigen Luftfahrttechnologien Airbus gründet Innovationszentrum in China

02.08.2017 - Airbus hat im Luftfahrt-Schlüsselmarkt China ein eigenes Innovationszentrum gegründet. Bis Jahresende 2017 soll es unter der Führung des Chinesen Luo Gang den Betrieb aufnehmen. … weiter

Königlicher Empfang in Hamburg Finkenwerder Britische Royals zu Besuch bei Airbus

24.07.2017 - Während ihrer ersten offiziellen Deutschlandtour statteten Herzog William und Herzogin Kate gemeinsam mit ihren zwei Kindern dem norddeutschen Airbus-Werk einen Besuch ab. … weiter


  • Hersteller

    Lade...

  • Typ

    Bitte Hersteller auswählen!

FLUG REVUE 09/2017

FLUG REVUE
09/2017
07.08.2017

Abonnements
Digitalabo
E-Paper
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


Eurofighter: Österreich will teure Kampfjets ausmustern
G20: Gipfeltreffen der VIP-Jets
Falcon 5X: Dassaults neuer Widebody fliegt
Tiger Meet: Trainingsduell über der Bretagne
Cassini-Sonde: Nach 20 Jahren Finale am Saturn
Air Serbia: Etihad baut erfolgreich um
Erstflug am Computer: Flugzeuge im Datenstrom

Be a pilot