12.08.2015
Erschienen in: 08/ 2015 FLUG REVUE

Airbus-FertigungNeue A320-Endmontage in den USA

Mit der neuen A320-Endmontage in Mobile, Alabama, will Airbus, wie schon in Tianjin in China, mehr Marktanteile in einem Schlüsselmarkt erobern.

IN DIESEM ARTIKEL

Das ist, als wenn man als Kind seinen gesamten Wunschzettel zu Weihnachten erfüllt kriegt“, strahlte Mobiles Bürgermeister Sandy Stimpson beim festlichen Empfang des ersten A320-„Shipsets“ am Hafen seiner Stadt Ende Juni über die geglückte Ansiedlung von Airbus. Schon vor Jahren hatte Mobile vergeblich Anläufe genommen, erst die Boeing-787-Endmontage und dann die Endmontage des einst für die USAF geplanten A330-Tankers für den strukturschwachen Süden der USA zu gewinnen.

Wie ein riesiger Modellbausatz werden die weitgehend komplettierten A320 oder A321, bestehend aus vorderem Rumpf, hinterem Rumpf, den beiden Flügeln und den drei Leitwerksflossen, künftig aus Hamburg per Schiff zur Endmontage nach Mobile in Alabama geliefert. Den Anfang machte MSN6512, eine A321ceo für die amerikanische Airline jetBlue. Schon in fünf Wochen folgt der nächste Rumpf, diesmal für American, danach Flugzeuge für Spirit und Delta. Im zweiten Quartal 2016 wird das erste Flugzeug aus Alabama geliefert. 16 sind für das Gesamtjahr 2016 geplant. 2017 werden dann schon 32 Flugzeuge am Golf von Mexiko endmontiert, bevor das Werk seine volle Rate mit vier Flugzeugen im Monat erreicht. Technisch gesehen wären später sogar bis zu acht Endmontagen monatlich möglich.

225 amerikanische Mitarbeiter hat Airbus derzeit in Alabama. Mit zeitweilig entsandten Airbus-Experten aus Europa sind hier rund 300 Personen im Einsatz. Bis zu 1000 Mitarbeiter sollen es einmal werden. Die Mehrzahl der Mitarbeiter stammt aus dem Großraum Mobile, ein Drittel sind Militärveteranen, oft Mechaniker von Luftwaffe, Küstenwache, Marines, Heeres-  oder Marinefliegern, die eine solide technische Ausbildung mitbringen. Über 15 000 Bewerber meldeten sich auf die Ausschreibung von Airbus. Seitens der Stadt wurden sie in mehrwöchigen, handwerklich-technischen Vorbereitungskursen ausgesiebt, bevor nur die besten Bewerber zu Airbus zur endgültigen Auswahl vorgelassen wurden – ein hier auch bei Automobilfirmen und Werften übliches Verfahren. Anschließend schulte Airbus die neuen Mitarbeiter in mehrmonatigen Kursen in Hamburg für ihre neuen Aufgaben.

Wie schon das Airbus-Endmontagewerk in Tianjin sind die neuen Anlagen in Mobile – auf der zum Gewerbepark umgebauten, früheren Luftwaffenbasis „Brookley Aeroplex“ – strikt nach dem Vorbild der Hamburger A320-Endmontagehalle 9 aufgebaut. Hier allerdings ist die „Halle 9“ auch für schwere Hurricanes zertifiziert. Wegen der hohen Ähnlichkeit mit dem Hamburger Komplex darf Airbus auch die vorhandene EASA-Zulassung „Production Operation Approval“ (POA) für Mobile mit nutzen und brauchte nur noch eine Anerkennung der FAA. Die hier gebauten A320 und A321 entsprechen bis ins Detail europäischen oder chinesischen Flugzeugen. Kein Wunder, denn die Endmontage macht nur rund fünf Prozent des Wertes eines Flugzeugs aus, wenn man, wie bei Airbus, weitgehend in Europa gebaute, komplettierte und getestete Sektionen nur noch zusammenfügen muss. Dagegen liegt der Wertanteil amerikanischer Zulieferungen, darunter Systeme, Avionik und Triebwerke, bei Airbus-Flugzeugen schon heute bei bis zu 42 Prozent.


WEITER ZU SEITE 2: Stadt und Region hoffen auf weitere Investoren

1 | 2 |     
Mehr zum Thema:
www.flugrevue.de/Sebastian Steinke


Weitere interessante Inhalte
A321 für American Airlines Airbus liefert fünftes Flugzeug aus Alabama

14.03.2017 - Die neue US-Endmontagelinie von Airbus in Mobile hat ihr fünftes Flugzeug in diesem Jahr an American Airlines ausgeliefert. … weiter

Flugzeugstrukturen für Airbus und Bombardier RUAG eröffnet Werk in Ungarn

02.03.2017 - Der Schweizer Technologiekonzern RUAG baut seine Produktionskapazitäten im Bereich Flugzeugstrukturbau aus. Im ungarischen Eger wurde ein neuer Fertigungsstandort eingeweiht. … weiter

Triebwerkshersteller aus München MTU will Invesitionsphase 2017 abschließen

23.02.2017 - MTU Aero Engines steigerte im vergangenen Geschäftsjahr erneut Umsatz und Gewinn. Nach großen Investitionen in neue Programme in den vergangenen Jahren will das Unternehmen in die Konsolidierung … weiter

A380-Prototyp für Le Bourget Airbus gibt seltene Prototypen an Museen

07.02.2017 - Airbus hat eine Reihe seltener Prototypen ausgemustert und will sie an Luftfahrtmuseen abgeben. Darunter ist erstmals auch ein Airbus A380. … weiter

Endmontagewerk Tianjin Airbus baut A320neo auch in China

03.02.2017 - Ab diesem Sommer baut Airbus die neue A320neo auch in China. Bisher hatte die chinesische Endmontagelinie des europäischen Herstellers in Tianjin lediglich die A320 als "ceo" mit herkömmlichen … weiter


  • Hersteller

    Lade...

  • Typ

    Bitte Hersteller auswählen!

FLUG REVUE 04/2017

FLUG REVUE
04/2017
06.03.2017

Abonnements
Digitalabo
E-Paper
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


"Neue" MiG-35 vorgestellt
Probleme beim BER
Iran Air erhält Airbus
Wirbelschleppen - die gefährliche Schönheit
SpaceShipTwo wieder im Flugtest
Bombardie-Flaggschiff Global 7000

aerokurier iPad-App