06.12.2014
Erschienen in: 02/ 2013 FLUG REVUE

„Gefahr!“ oder doch „Viel Lärm um nichts?“Die Sache mit der Kabinenluft

Am 19. Dezember 2010 meldete eine A319 von Germanwings eine Luftnotlage wegen starker Gerüche im Cockpit. Wie gefährlich ist die Zapfluft für Besatzung und Passagiere tatsächlich?

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Was wirklich während des Fluges 4U-753 kurz vor der Landung in Köln-Bonn geschah, ist noch immer unklar, denn die Informationen widersprechen sich. Schon die Tatsache, dass die ganze Angelegenheit erst zwei Jahre später bekannt wurde, die Medien sich darauf stürzten und die Lufthansa zu einer speziellen Pressekonferenz gezwungen wurde, sorgte für mehr Fragen als Antworten.

Vor geladenen Journalisten beschrieb der Kapitän der Maschine einen süßlichen, stark verbrannten Geruch, der zuerst zu einem Kribbeln in Händen und Füßen geführt hätte. Nach dem routinemäßigen Aufsetzen der Sauerstoffmaske jedoch seien beide Piloten wieder Herren ihrer Sinne gewesen und hätten die Maschine normal zum Boden bringen können. Soweit die Darstellung der Fluggesellschaft, dem aber ein Zwischenbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) entgegensteht. Vor der Behörde, welche die ganze Sache als Schwere Störung einstufte, hätten die Piloten ihren Zustand als „surrealistisch und wie in einem Traum“ beschrieben, und eine Tageszeitung veröffentlichte gar die angeblich von den Piloten verfassten Berichte. Danach habe sich der Kapitän „während des gesamten Anfluges“ (!) körperlich sehr schlecht gefühlt und an der Obergrenze seiner Fähigkeiten gearbeitet, und der Copilot wird gar mit dramatischen Hilferufen zitiert. Angeblich hatten beide unmittelbar nach der Landung eine Sauerstoffsättigung von „deutlich unter 80 Prozent“, eine Behauptung, der die Lufthansa sofort vehement widersprach.

Andererseits wurde eingeräumt, dass die Verunreinigung der Kabinenluft durchaus möglich gewesen und im konkreten Falle möglicherweise auf angesaugtes Enteisungsmittel zurückzuführen sei. Das betroffene Flugzeug jedenfalls ging danach wieder in den Flugdienst und zeigte keine Auffälligkeiten mehr.

Was hat man nun von der ganzen Geschichte zu halten? Ein Einzelfall war der störende Geruch jedenfalls ganz sicher nicht, wenn er auch möglicherweise von den Medien dramatischer dargestellt worden ist, als er tatsächlich war. Verunreinigungen in der Kabinenluft, die von den Beteiligten fast immer als Geruch nach Öl beschrieben werden, gab es bei verschiedenen Airlines schon öfter, und dass die Mitglieder der Pilotenvereinigung Cockpit das Problem anders sehen als die Verantwortlichen der Airlines, ist auch verständlich. Natürlich ist es die Aufgabe der Vorgesetzten, sich um die Gesundheit ihrer Crews zu sorgen, aber wenn plötzlich solche Dinge passieren, würde das die Stilllegung einer ganzen Flotte von Flugzeugen des entsprechenden Typs bedeuten.


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flugrevue.de/Matthias Gründer


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