14.11.2016
Erschienen in: 11/ 2016 FLUG REVUE

VIP-InterviewMark Hiller, Recaro Aircraft Seating

Mark Hiller ist seit April 2012 Vorsitzender der Geschäftsführung bei Recaro Aircraft Seating, seit 2014 ist er zudem Gesellschafter des Sitzherstellers in Schwäbisch Hall. Im Interview spricht der promovierte Wirtschaftsingenieur über den Spagat zwischen Komfort und Effizienz sowie über die Sitze der Zukunft.

fr 11-2016-VIP-Interview-Recaro

„Die Frage ist: Wie viel ist der Fluggast bereit zu zahlen?“ Foto und Copyright: Recaro  

 

Herr Hiller, für wen entwerfen Sie in erster Linie Flugzeugsitze: für die Airlines oder die Passagiere?

Wir nehmen natürlich das Feedback der Fluggäste auf und machen auch Tests mit Passagieren. Unterm Strich kann man sagen, dass beide Gruppen wichtig sind. Am Ende entscheiden allerdings die Fluggesellschaften, sie sind unsere direkten Kunden.

Wie lässt sich der Passagierkomfort in der Economy-Klasse mit dem Wunsch vieler Airlines nach einer dichteren Bestuhlung vereinbaren?

Es ist natürlich ein Kompromiss zwischen Komfort und Bestuhlungsdichte. Die Frage ist aber auch: Wie viel ist der Fluggast bereit zu zahlen? Meiner Ansicht nach geht es deshalb mehr darum, die Vielfalt in der Kabine zu unterstützen – beispielsweise mit dem Angebot im Premium-Economy-Bereich. Wir sehen auch den Bedarf für eine Business-Plus-Klasse. Es gibt bei uns auch Überlegungen über variable Sitze, die sich zum Beispiel verschieben lassen, wenn ein Flugzeug nicht voll ausgelastet ist.

Welche Trends beeinflussen das Sitzdesign der Zukunft?

Einer der wesentlichen Trends ist die Digitalisierung. Das stellen wir zum Beispiel in der Business Class dar. Bauteile können künftig mit Sensoren ausgestattet werden. Für die Crew bieten sich dadurch Erleichterungen: Auf einem Display kann abgelesen werden, wie sich die Sitze verhalten oder ob sie in der richtigen Position sind. Der Passagier wird durch eine App seinen Sitz personalisieren können und so Position, Heizung, Lüftung und Beleuchtung mit seinem Mobilgerät steuern. Angedacht ist auch, medizinische Funktionen in den Sitz zu integrieren. Auch in der Economy-Klasse beeinflusst die Digita­lisierung das Sitzdesign. Beispielsweise integrieren wir Halterungen für mobile Geräte in die Rückenlehne.

Flugzeugsitze werden immer leichter. Wo sehen Sie noch Potenziale im Leichtbau?

Über neue Materialien ist noch einiges möglich: beispielsweise Rückenlehnen aus Kohlefaser, dünne Schaumstoffauflagen mit Bespannung anstatt Kissen. Auch eine bessere Integration von Bordunterhaltungssystemen kann Gewicht einsparen. 

Nach Boeing ist auch Airbus mit Airspace in das Kabinendesign eingestiegen. Wie ist das aus Sicht eines Flugzeugsitz-Herstellers zu bewerten?

Ich kann das verstehen. Zuletzt sind einige neue Flugzeuge wie der Airbus A350 XWB oder die A320neo auf den Markt gekommen, mit der Boeing 737 MAX kommt bald noch ein weiterer Typ dazu. Nun haben die Flugzeughersteller eben wieder mehr Kapazität, um ihren Fokus verstärkt auf die Kabine zu legen. 

Welche Bedeutung haben Supplier-Furnished-Equipment-Sitze, also Sitze, die direkt ab Werk beim Flugzeughersteller angeboten werden, für Recaro?

Supplier Furnished Equipment (SFE) ist wegen der kurzen Lieferzeiten und wegen der Standardisierung vor allem für kleinere Kunden und Leasinggesellschaften interessant. Für uns als Marktführer im Bereich Single Aisle ist das eine große Chance. Für die Langstrecke hingegen ist das Konzept aufgrund der höheren Komplexität nicht geeignet. Bisher wird nur der Sitztyp 3530 Swift für den Airbus A320 als SFE angeboten. Wir werden aber weitere Produkte und Features nachlegen. Was genau, lasse ich noch offen.

FLUG REVUE Ausgabe 11/2016

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Ulrike Ebner



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