03.03.2015
Erschienen in: 09/ 2014 FLUG REVUE

Mehr Leistung und weniger VerbrauchNeue Turboprop-Triebwerke

Obwohl noch kein 90-sitziger Turboprop entwickelt wird, arbeiten die Hersteller schon an entsprechenden Triebwerken, die mehr Leistung und weniger Verbrauch aufweisen sollen.

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Gewehr bei Fuß stehen die Triebwerkshersteller, um Turboprop-Antriebe für Flugzeuge in der Größenklasse von 90 Passagieren zu liefern. Besonders ehrgeizig geht GE Aviation zu Werke: „GE war in der Vergangenheit auf diesem Gebiet nicht allzu sehr aktiv. Vor fünf Jahren gab es eine Entscheidung, dies zu ändern und aggressiv auf den Markt zu gehen, um Pratt & Whitney Anteile abzunehmen“, sagt Milan Slapak, Turboprop-Manager bei GE, im Gespräch mit der FLUG REVUE. Das Unternehmen begann mit dem Kauf des tschechischen Herstellers Walter und überarbeitete das bewährte M601 zur H80-Familie. Zwei neuere und stärkere Triebwerke im mittleren Leistungsbereich befinden sich bereits in der Entwicklung. Auch für das obere Ende (3700 bis 5200 Kilowatt) hat man Pläne und führte im vergangenen Jahr eine Marktstudie mit Betreibern von Regionalflugzeugen durch. „Dies vermittelte uns eine gute Perspektive bis zum Jahr 2032. Es wird eine große Welle von Außerdienststellungen geben, die 2018 beginnt und ihren Höhepunkt um 2019/2020 erreicht. Das wäre ein idealer Zeitpunkt für die Indienststellung eines neuen Regional-Turboprops.“ 

Oben auf der Wunschliste der Betreiber stehen ein günstiger Anschaffungspreis und ein geringerer Treibstoffverbrauch. GE geht von einem neuen Muster für rund 90 Passagiere aus: „Alle Parameter zeigen: Wir brauchen ein größeres Flugzeug. Unser Triebwerk wäre für eine Maschine mit unter 60 Sitzen viel zu stark.“ Wichtig ist laut Slapak auch die Steigleistung: „Die ideale Reiseflughöhe beträgt 7600 Meter. Die Frage ist, wie schnell man dorthin kommt. Die Geschwindigkeit eines Turboprops der nächsten Generation wird wachsen. 600 km/h sind leicht machbar; mehr wäre möglich, aber für einen Turboprop nicht wirklich notwendig, da man sonst Konzessionen beim Verbrauch machen müsste.“ Seiner Meinung nach wird die durchschnittliche Streckenlänge von 370 auf bis zu 650 Kilometer wachsen. 

GE bietet eine Ableitung des GE38-Wellenleistungstriebwerks der Sikorsky CH-53K an, das bereits 4300 Stunden auf dem Prüfstand absolviert hat und in diesem Jahr seine Qualifizierung abschließen soll. Das CPX38 genannte Projekt ließe sich mit dem Hinzufügen eines Propellergetriebes relativ schnell umsetzen und würde eine Leistung von 5200 Kilowatt liefern. Später verfügbar wäre ein Antrieb auf der Basis des FATE-Demonstrators (Future Afford-able Turbine Engine), den GE für die US Army entwickelt und der 2015 erprobt werden soll. Hier kämen im additiven Verfahren hergestellte Teile und Komponenten aus faserverstärkten Keramiken (CMC) zum Einsatz. Außerdem wollen die Ingenieure das Verdichterdruckverhältnis weiter steigern sowie Dichtungen und Kühlung verbessern. Trotz einer hohen Leistung von bis zu 7500 Kilowatt wäre gemäß Slapak eine Reduzierung des Treibstoffverbrauchs um 20 Prozent oder mehr möglich. 


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