26.10.2015
Erschienen in: 10/ 2015 FLUG REVUE

Erfolgreiche BilanzRolls-Royce in der Luftfahrtforschung

Vor 20 Jahren hat die Bundesregierung das Luftfahrtforschungsprogramm (LuFo) ins Leben gerufen und Partnern wie Rolls-Royce wichtige Innovationen ermöglicht.

IN DIESEM ARTIKEL

Das Luftfahrtforschungsprogramm der Bundesregierung (LuFo) hat eine entscheidende Bedeutung für die Entwicklung von Rolls-Royce Deutschland. „Wir sind extrem dankbar dafür, weil wir in den vergangenen 20 Jahren Themen unterbringen konnten, die uns später für die Produktentwicklung geholfen haben“, sagt Ulrich Wenger, Head of Engineering & Technology, Rolls-Royce Deutschland. „LuFo ist für uns entscheidend, weil wir eine Reihe von Technologien für die Zukunft entwickeln müssen.“ Im Vordergrund steht die Verwendbarkeit in neuen Produkten, die in der Industrie anhand des von der NASA eingeführten TRL-Systems (Technology Readyness Level) bewertet werden. „Wir bewegen uns im Technologiereifegrad zwischen 3 und 6, während die Produktentwickler im Level 7 bis 9 tätig sind. Da die Projekte, die wir durchführen, noch eine Reihe von Jahren von der Einführung entfernt sind, bleiben wir auf die Förderung angewiesen, weil diese Entwicklungen sehr teuer sind.“

Die LuFo-Förderquote beträgt 50 Prozent, das heißt, die Bundesregierung ersetzt die Hälfte der Aufwendungen der beteiligten Firmen und Institutionen. Bis dato haben die Partner wie MTU Aero Engines und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mehr als 300 Millionen Euro investiert.
Rolls-Royce Deutschland (vormals BMW-Rolls-Royce) konzentrierte sich von Anfang an auf die Entwicklung von Kerntriebwerken. „Dabei legen wir unser Hauptaugenmerk auf eine schadstoffarme Brennkammer sowie auf effiziente Verdichter und Turbinen. Mit Hilfe der LuFo-Mittel konnten wir Komponenten verbessern, die wir in der ersten Auslegung für die BR700-Familie vorgesehen hatten“, erklärt Wenger.

Im Rahmen des E3E-Programms (Efficiency, Environment, Economy) testeten die Ingenieure ein Kerntriebwerk auf dem Höhenprüfstand der Universität in Stuttgart. Dieses bestand aus einem neunstufigen Verdichter, einer schadstoffarmen Brennkammer und einer deckbandlosen, zweistufigen Hochdruckturbine.

„Hier konnten wir das Druckverhältnis des Verdichters erhöhen, die Stufenzahl reduzieren und die Emissionen der Brennkammer verringern. Besonders entscheidend war die Einführung der Blisks. Diese integriert hergestellten Scheiben-Schaufel-Kombinationen sind heute Standard im BR725, im TP400-D6 und auch in neuen Anwendungen, über die wir nachdenken. In Großbritannien sind sie in das Trent XWB und das Trent 1000-TEN eingeflossen. Diese Blisks und die Technologie zur Auslegung und Fertigung aller Blisks wurden im Rahmen des LuFo entwickelt. Heute stellen wir alle zivilen Blisks, die Rolls-Royce verwendet, in Deutschland her.“

Im Rahmen des LuFo V will sich Rolls-Royce Deutschland auf die Lärmreduzierung im Bereich der Gondel, auf die Installation am Flugzeug sowie auf Untersetzungsgetriebe für Großtriebwerke konzentrieren. Derzeit läuft die Entwicklung eines Getriebes, das 2016 auf dem neuen Prüfstand in Dahlewitz erprobt werden soll. Das neu gegründete Gemeinschaftsunternehmen mit Liebherr Aerospace fertigt bereits erste Teile.

Ein Ende der LuFo-Erfolgsgeschichte scheint nicht in Sicht: „Im Moment planen wir ein neues Demo-Kerntriebwerk, um damit verschiedene Hochtemperatur-Technologien zu erproben.“

Von den Projekten und Fortschritten, die durch das LuFo ermöglicht wurden, profitiert der Standort Deutschland. „Hier können wir sehr gut zeigen, dass im Lauf der Jahre immer mehr Arbeiten, die wir hier durchführen, sowohl Triebwerken zugute kommen, die hier gebaut werden, als auch solchen in Großbritannien gefertigten.

So führte die Blisk-Fertigung dazu, dass in Oberursel Spezialarbeitsplätze entstanden sind, die wir für den Gesamtkonzern nutzen, sodass die Wertschöpfung tatsächlich in Deutschland stattfindet und die Förderung in diesem Sinne effektiv war.“


WEITER ZU SEITE 2: 20 Jahre Partner

1 | 2 |     
Mehr Infos zu:
Mehr zum Thema:
Patrick Hoeveler


Weitere interessante Inhalte
Rolls-Royce Zukunftstriebwerk vor den ersten Tests

19.06.2017 - Der britische Hersteller hat in Bristol einen Demonstrator seines Advance-Triebwerks fertiggestellt. Damit will Rolls-Royce demnächst die Erprobung neuer Technologien beginnen. … weiter

Rolls-Royce, P&WC & Co. Triebwerke für Business Jets: Kleine Kraftpakete

18.06.2017 - Vor allem in der Top-Klasse der Geschäftsreiseflugzeuge dominierten jahrelang Turbofan-Triebwerke von Rolls-Royce. Mit neuen Technologien erobern nun auch andere Hersteller den lukrativen Markt. … weiter

Neuer Rolls-Royce-Antrieb für Airbus A330neo Erste Trent 7000 sind auf dem Weg nach Toulouse

16.06.2017 - Der britische Hersteller Rolls-Royce hat die ersten Trent-7000-Triebwerke für die A330neo fertiggestellt und verschickt. … weiter

Rolls-Royce Produktionsstart des Trent XWB in Dahlewitz

14.06.2017 - Rolls-Royce hat am Mittwoch offiziell die neue Montagelinie für Trent-XWB-Triebwerke in Dahlewitz eröffnet. … weiter

Airlines Aircraft Availability Centre Rolls-Royce eröffnet neues Monitoring-Zentrum

08.06.2017 - Im britischen Derby sammelt und wertet der britische Hersteller Rolls-Royce künftig große Mengen an Triebwerksdaten aus. Das soll den Flugbetrieb der Kunden-Airlines effizienter machen. … weiter


  • Hersteller

    Lade...

  • Typ

    Bitte Hersteller auswählen!

FLUG REVUE 09/2017

FLUG REVUE
09/2017
07.08.2017

Abonnements
Digitalabo
E-Paper
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


Eurofighter: Österreich will teure Kampfjets ausmustern
G20: Gipfeltreffen der VIP-Jets
Falcon 5X: Dassaults neuer Widebody fliegt
Tiger Meet: Trainingsduell über der Bretagne
Cassini-Sonde: Nach 20 Jahren Finale am Saturn
Air Serbia: Etihad baut erfolgreich um
Erstflug am Computer: Flugzeuge im Datenstrom

Be a pilot