03.08.2015
Erschienen in: 07/ 2015 FLUG REVUE

Triebwerk aus dem DruckerSerientriebwerke mit 3D-Druck

Das additive Fertigungsverfahren findet aufgrund seiner vielfältigen Möglichkeiten auch im Triebwerksbau zunehmend Anwendungen.

fr 07-2015 3D-Druck Triebwerk (01)

Bei der additiven Fertigung schmilzt ein Laser Metallpulver und baut so komplexe Bauteile schichtweise auf. Foto und Copyright: MTU Aero Engines  

 

Automatisch vom Computer gesteuert, schmilzt ein Laser oder Elektronenstrahl in Sekundenschnelle Metallpulver und baut so Schicht für Schicht komplexeste Bauteile auf. 

fr 07-2015 3D-Druck Triebwerk (03)

Die Getriebefan-Familie von Pratt & Whitney besitzt mehrere im additiven Verfahren hergestellte Komponenten. Foto und Copyright: Pratt & Whitney  

 

Was früher als Science-Fiction gelten konnte, ist heute in der Luft- und Raumfahrt fast schon alltäglich: Das additive Fertigungsverfahren erlaubt eine schnellere und damit günstigere Herstellung von komplizierten Teilen. Die Dicke einer Pulverschicht kann so gering wie ein Fünftel eines menschlichen Haares sein. Auf diese Art werden ganz neue Formen möglich. Ingenieure von GE Aviation haben vor kurzem sogar ein funktionsfähiges Strahltriebwerk im Miniaturformat fast komplett aus 3D-gedruckten Teilen gebaut; das Triebwerk läuft mit 33 000 Umdrehungen pro Minute.

Derzeit befinden sich die ersten Triebwerke mit additiv hergestellten Teilen in der Erprobung. So fliegt der LEAP-Antrieb von CFM mit 19 additiv produzierten Einspritzdüsen für die Brennkammer. Sie entstehen nun aus einem Teil und müssen nicht wie bisher aus 20 einzelnen Komponenten zusammengefügt werden. Für die Serienfertigung hat GE ein neues Werk in Auburn, Alabama, errichtet. Konkurrent Pratt & Whitney verwendet in der Getriebefan-Familie per Laseraufschmelzung erschaffene Leitschaufeln im Verdichter und Klammern, die mit Hilfe eines Elektronenstrahls erzeugt werden. Beim PW1100G-JM steuert MTU Aero Engines Boroskopaugen bei.

fr 07-2015 3D-Druck Triebwerk (02)

Das etwa faustgroße Teil wird in das GE90-94B nachgerüstet. Foto und Copyright: GE Aviation  

 

Auch die anderen Triebwerksunternehmen sehen viel Potenzial: Snecma baut schon Leitschaufeln im Hochdruckverdichter des Silvercrest-Antriebs ein, und Rolls-Royce will ein Gehäuse mit einem Durchmesser von 1,5 Metern in einem Trent XWB-97 im Flug erproben. Diese Komponente soll zwar nicht in Serie gehen, setzt aber neue Maßstäbe in der Größe von additiv hergestellten Einheiten. Dennoch steht diese Technologie erst am Anfang. In der Zukunft könnten auch bionische Teile nach dem Vorbild der Natur entstehen und so für noch leichtere, zugleich widerstandsfähige Antriebe sorgen.

Das additive Fertigungsverfahren beschränkt sich nicht nur auf neue Triebwerke. Vor kurzem hat GE Aviation die FAA-Zulassung für das auf diese Art hergestellte Gehäuse eines Temperatursensors im Verdichter erhalten. Das etwa faustgroße Teil wird in das GE90-94B nachgerüstet. Die Entwicklung und Zulassung erfolgte innerhalb weniger Monate. Mit dem traditionellen Gießverfahren hätte
der Prozess laut GE Jahre gedauert.

FLUG REVUE Ausgabe 07/2015



Weitere interessante Inhalte
Riesiges Trägerflugzeug Stratolaunch absolviert erste Triebwerkstests

21.09.2017 - Erstmals wurden die sechs Triebwerke des Spezialflugzeugs am Boden angelassen. Bis zum Erstflug dauert es aber noch eine Weile. … weiter

GE Aviation und Qantas App soll beim Treibstoffsparen helfen

08.09.2017 - Qantas-Piloten und der US-Technologiekonzern GE Aviation haben gemeinsam die App "FlightPulse" entwickelt. Sie informiert Piloten über ihre individuelle Performance in Sachen Treibstoffverbrauch. … weiter

Nach Flammabriss im Triebwerk Mitsubishi nimmt MRJ-Flugtests wieder auf

08.09.2017 - Nach einem Triebwerksproblem am 21. August musste die MRJ-Testflotte vorübergehend am Boden bleiben. Nun ist der Prototyp FTA-4 wieder in der Luft. … weiter

United übernimmt die jüngste 777 Boeing liefert 1500. "Triple Seven"

18.07.2017 - US-Branchenriese United hat am Montag in Everett die 1500. Boeing 777 übernommen. 1994 war United auch der erste Abnehmer einer "Triple Seven" ("Dreimal Sieben"), die für Boeing zum jahrzehntelangen … weiter

EASA und FAA ETOPS-Zertifizierung für A320neo-Antriebe

21.06.2017 - Die beiden Triebwerksoptionen für den Airbus A320neo, das PW1100G-JM von Pratt & Whitney und das Leap-1A von CFM International, haben die ETOPS-180-Zulassung erhalten. … weiter


  • Hersteller

    Lade...

  • Typ

    Bitte Hersteller auswählen!

FLUG REVUE 10/2017

FLUG REVUE
10/2017
11.09.2017

Abonnements
Digitalabo
E-Paper
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


Pleite: Ausverkauf bei airberlin
60 Jahre Sputnik: Der Beginn der Raumfahrt
Ambulanzflugzeug: Business Jets helfen im Notfall
Triebwerke-Extra: Die Kraftpakete der Zukunft
Flughafen Peking: Wachstum ohne Ende

Be a pilot