21.03.2015
Erschienen in: 06/ 2014 FLUG REVUE

Neues Fertigungsverfahren im TriebwerksbauTriebwerke aus dem Drucker?

Das additive Verfahren bietet bislang ungeahnte Möglichkeiten bei der Fertigung und Entwicklung von Triebwerken. MTU Aero Engines produziert die ersten Serienteile.

Blitzschnell zuckt die Laserflamme über die Arbeitsplatte. Für wenige Sekunden lässt sich im Pulverbett die Grundform des zu erstellenden Bauteils erahnen – quasi wie in einem Drucker, bis die Maschine eine neue Metallpulverschicht aufträgt. In diesem sogenannten additiven Verfahren verschmilzt ein Laser Schicht für Schicht mit einer Dicke von nur 20 bis 40 Mikrometern, bis ein fertiges Bauteil entsteht. Zuvor hat ein Computerprogramm ein 3D-Modell in entsprechende Schichten zerlegt. Als einer der ersten Triebwerkshersteller produziert MTU Aero Engines ein solches Bauteil in Serie: Ab 2015 fliegt der Getriebfan PW1100G-JM am Airbus A320neo mit im additivem Verfahren hergestellten Boroskopaugen. „Mit dem additiven Verfahren können wir die Herstellkosten im zweistelligen Prozentbereich reduzieren“, sagt MTU-Technik-Vorstand Dr. Rainer Martens. 

Bei dem aktuellen Teil handelt es sich um eine Öffnung an der Seite der Niederdruckturbine, durch die eine Boroskopkamera zur Inspektion eingeführt werden kann. „Dies ist ein relativ unkritisches Bauteil, weil unser Hauptaugenmerk zunächst auf der Etablierung der Fertigungstechnologie liegt“, erklärt Dr. Karl-Heinz Dusel, Leiter Rapid Technologies bei der MTU. Die neue Herstellungsart bietet viele Möglichkeiten, um Teile leichter und einfacher zu machen. Anfang nächsten Jahres testet die MTU einen Triebwerksdemonstrator mit einem im additiven Verfahren hergestellten Verdichterring mit integrierten Honigwaben. 

Gleichzeitig verkürzt das Verfahren laut Dr. Martens die Entwicklungsdauer neuer Antriebe. „Wir haben heute eine Entwicklungszeit von etwa zwei bis 2,5 Jahren bis zum ersten Testtriebwerk; das sollte sich auf 1,5 bis zwei Jahre reduzieren.“ In etwa zehn Jahren könnten sogenannte bionische Bauteile serienreif sein, die sich in ihrer Auslegung am biologischen Knochenbau orientieren. „Wenn man völlig frei in der Formgestaltung ist, wird die Geometrie lediglich von der Belastung des Bauteils geleitet“, sagt Dr. Martens. Solche Teile könnten bis zu 50 Prozent leichter sein. Der Ingenieur hat hohe Erwartungen an das Verfahren: „Wir glauben, dass sich  etwa ein Drittel der Bauteile eines Triebwerks auf diese Weise herstellen lässt.“ Die MTU erwägt daher sogar ein eigenes Werk. Bis es so weit ist, liegen allerdings noch einige Herausforderungen vor den Technikern. Die notwendige Prozesstabilität und die geforderten Festigkeitseigenschaften müssen sichergestellt und die Aufbauraten der Maschinen erhöht werden. Außerdem müssen sich die Unternehmen mit den Luftfahrtbehörden über die Zulassung abstimmen. 

FLUG REVUE Ausgabe 06/2014

Mehr zum Thema:
flugrevue.de/Patrick Hoeveler


Weitere interessante Inhalte
Instandhaltung von Getriebefan-Triebwerken Lufthansa Technik und MTU gründen Gemeinschaftsunternehmen

21.02.2017 - Lufthansa Technik und MTU Aero Engines haben am Montag eine Vereinbarung zur Gründung eines Joint Ventures unterzeichnet. Das neue Unternehmen soll Triebwerke der PW1000G-Familie instand halten. … weiter

PW1000G für A320neo und CSeries Pratt & Whitney liefert zu wenige Getriebefans

27.01.2017 - Der US-Triebwerkshersteller Pratt & Whitney hat 2016 das bereits gesenkte Auslieferungsziel von 150 Getriebefans verfehlt. Nur 138 der neuen Triebwerke für Airbus A320neo und Bombardier CSeries wurden … weiter

Getriebefan 2.0 Nachhaltige Triebwerke: MTU macht PW1000G-Familie effizienter

05.01.2017 - Noch sparsamer, leiser und emissionsärmer: Der Münchener Triebwerksbauer MTU Aero Engines hat neue Technologien für die PW1000G-Familie erprobt. … weiter

Airbus-Zweistrahler Lufthansa erwartet 2017 zehn A320neo

02.01.2017 - Kurz vor Jahresende hat Lufthansa ihren fünften Airbus A320neo übernommen. Das Flugzeug soll am Montag zu seiner Heimatbasis Frankfurt überführt werden. … weiter

Längstes Mitglied der neo-Familie Airbus A321neo erhält Zulassung

16.12.2016 - Die EASA hat am Donnerstag die amtliche Zulassung für die neue Generation der A321 erteilt. Damit ist die A321neo zum kommerziellen Einsatz zugelassen. … weiter


  • Hersteller

    Lade...

  • Typ

    Bitte Hersteller auswählen!

FLUG REVUE 02/2017

FLUG REVUE
02/2017
09.01.2017

Abonnements
Digitalabo
E-Paper
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- Ryanair greift Lufthansa an
- Bombardier liefert CS300
- Gulfstream G500
- Sea Lion fliegt
- Interview Astronaut Gerst
- Nachtschicht bei LH Technik

aerokurier iPad-App