09.12.2008
FLUG REVUE

9.12.2008 - TU Braunschweig TCASTU Braunschweig untersucht häufige TCAS-Alarme - Kritik von VC

Wissenschaftler der TU Braunschweig haben bei einer umfangreichen Studie Warnmeldungen von automatischen Kollisionswarngeräten (TCAS- oder auch ACAS-Alarme), das jeweilige Verkehrsumfeld und die Reaktion der Piloten untersucht.

Nach Angaben der Universität werteten die Forscher des Institut für Eisenbahnwesen und Verkehrssicherung die Daten aus mehreren Millionen Flugstunden aus.Dazu zeichneten die TU-Wissenschaftler Kollisions-Alarme seit April 2007 auf. Die Auswertung dokumentiert nicht nur die Alarme, sondern auch die Verkehrssituation und das Verhalten der Piloten. Kritik an der Untersuchung übte die Vereinigung Cockpit.

"In jedem siebten Fall wurde den Ausweichanweisungen des ACAS-Systems nicht korrekt gefolgt", so Professor Peter Form. Vom April 2007 bis August 2008 beobachteten die TU-Wissenschaftler 2,5 Millionen Flugstunden von Verkehrsflugzeugen im norddeutschen Luftraum. In diesem Zeitraum wurde durchschnittlich mehr als eine von ACAS erkannte Kollisionsdrohung pro Tag dokumentiert. "Das ist einmal am Tag zuviel", resümiert Professor Peter Form.

Seit August 2008 wurde nach Angaben der TU durch weitere Bodenstationen die Erfassung ausgedehnt. Den TU-Wissenschaftlern stehen nun fünf über ganz Deutschland verteilte Empfangsstationen zur Verfügung, die von der Firma Thales hergestellt worden. Diese Stationen in Frankfurt, Stuttgart, München und zwei in Braunschweig senden täglich Empfangsdaten von bis zu 1.000 Flugzeugen gleichzeitig nach Braunschweig. Dieses nach Einschätzung der Hochschule weltweit einmalige Netz erfasst damit wesentliche Teile des deutschen Luftraumes. Mit diesem Netz wurden seit dem 15. August 2008 bis zum 20. November 2008 an 98 Tagen bereits 510 Kollisions-Alarme registriert.

Das Forschungsprojekt des Instituts für Eisenbahnwesen und Verkehrssicherung endet im Dezember 2008. Mehrere deutsche Fluggesellschaften interessieren sich unterdessen für die Ergebnisse und erhalten die Auswertungen. Auch die Europäische Luftsicherheitsbehörde (EASA) hat bereits Interesse angemeldet. "Unsere Ergebnisse haben gezeigt, dass eine weitere Langzeitbeobachtung und eine tiefer gehende Analyse erforderlich ist", erklärte Professor Peter Form.

Eine Fortführung des ACAS-Monitoring-Projektes wird mit dem Bundeswirtschaftsministerium, der Deutschen Flugsicherung und der Firma Thales diskutiert, hieß es in einer Mitteilung der TU Braunschweig.

Die Vereinigung Cockpit (VC) kritisierte die Darstellung der Untersuchung. Bei der Studie hätten weder die Airlines noch die Sicherheitsexperten der VC mitgearbeitet. "Zum derzeitigen Zeitpunkt liegt kein abschließender Projektbericht vor. Die immer wieder veröffentlichten Zwischenstände des Projekts lassen jedoch starke Zweifel an dessen Seriosität aufkommen.", erklärte die Pilotenvereinigung. "Der Versuch der Forscher in diesem Projektstadium Öffentlichkeit zu generieren, dient nicht der Verbesserung des hohen Sicherheitsstandards des deutschen Flugverkehrs", kritisierte die VC.




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