29.04.2010
FLUG REVUE

DLR Aschejäger IslandVulkanasche: DLR Falcon macht Forschungsflug in Island

Das DLR-Forschungsflugzeug "Falcon 20E" ist unterwegs nach Island, zum Ursprung des Geschehens. Dort wollen die Wissenschaftler direkt in der Nähe des Vulkans Eyjafjallajökull Messdaten sammeln.

Nach Angaben des DLR erfolgte der Auftrag durch das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) und die isländische Flugsicherungsbehörde ISAVIA (Icelandic Civil Aviation Administration) in Zusammenarbeit mit dem DLR.

"Die Bitte der isländischen Kollegen um Messflüge über Island ist ein absoluter Vertrauensbeweis in die Arbeit des DLR und deren Ergebnisse", erklärte Professor Johann-Dietrich Wörner, Vorstandsvorsitzender des DLR.

"In ihrer langjährigen Geschichte hat die DLR-Falcon viele Einsätze absolviert, über Wüsten und Ozeanen, auch über dem Dschungel. Die aktuellen Flüge sind wegen ihrer besonderen Bedeutung für den Flugverkehr von großer Wichtigkeit", so Wörner weiter.

Die Falcon startete in Oberpfaffenhofen um 14.02 Uhr und befindet sich auf dem Weg nach Edinburgh. Nach einem Tankstopp nimmt der Aschewolke-Jäger Kurs auf Island. Die Landung ist für den Nachmittag geplant - bei klaren Sichtverhältnissen hat die Crew die Option, bereits erste Messungen durchzuführen. Die eigentliche Mission jedoch ist mit zwei Messflügen für Freitag und Samstag angesetzt. Die Rückkehr nach Oberpfaffenhofen erfolgt nach Angaben des DLR schließlich am Sonntag oder Montag, abhängig von der Wetterlage.

Der erneute Einsatz der Falcon dient sowohl der Lagebeurteilung in Island als auch zur Absicherung der Vorhersagen für den Luftverkehr in Deutschland und Mitteleuropa. Zudem werden damit Eingangsdaten für die Forschung gewonnen. Für die ISAVIA ist es von Interesse, zu klären, ob die derzeitigen Sperrungen des isländischen Luftraumes berechtigt sind. Die wissenschaftlichen Interessen hingegen sind vielfältig. Missionsleiter und DLR-Wissenschaftler Dr. Oliver Reitebuch hebt dabei einen Aspekt hervor: "Dieser Messflug ist etwas Besonderes, weil wir zum ersten Mal die Quellstärke des Vulkans erfassen können – also die Masse an Asche, die der Vulkan pro Tag ausspuckt. Mit den Messergebnissen über die Höhe und Breite der Vulkanwolke können die Prognosen zur Verbreitung von Aschewolken verbessert werden."

Neben Dr. Reitebuch gehören die DLR-Wissenschaftler Dr. Bernadett Weinzierl und Michael Lichtenstern, Bordmechaniker Alexander Wolf sowie die DLR-Piloten Steffen Gemsa und Roland Welser zur Besatzung der Falcon.

Die Messungen werden südlich von Island erfolgen: "Wir wollen die Aschewolke zunächst mit dem Fernerkundungsinstrument LIDAR in einer Flughöhe von acht bis neun Kilometern von oben sondieren. Die Messungen von Partikeln aus der Aschewolke gehen wir dann in einem sicheren Flugbereich an", skizziert Missionsleiter Reitebuch den geplanten Ablauf. Die DLR-Crew wird schließlich versuchen, den Rückflug dazu zu nutzen, die Ausweitung der Aschewolke über Irland und England weiter zu verfolgen.

Die Instrumentierung der Falcon bleibt, bis auf zwei Ergänzungen, unverändert: Im Einsatz sind das Fernerkundungsinstrument LIDAR (Light Detection And Ranging) zur Erstellung von Konzentrationsprofilen der Aschepartikel, das Aerosol in-situ Instrumentensystem zur Vermessung der Staubpartikel in der Aschewolke und die Spurengasmessgeräte zur Beobachtung atmosphärischer Veränderungen. Für die neue Mission wird das Flugzeug mit zwei weiteren Geräten ausgestattet. Das Laboratoire de Météorologie Physique der Université Blaise Pascal in Clermont-Ferrand (Frankreich) stellt eine weitere Sonde zur Messung der sehr großen Aschepartikel zur Verfügung, die nur in der Nähe des Vulkans in der Luft erwartet werden. Zudem stellt das Institut für Angewandte Geowissenschaften der Technischen Universität Darmstadt den sogenannten Riesenpartikelsammler zur Verfügung, der unter dem rechten Flügel der Falcon montiert ist. Während des Fluges fährt ein Rohr aus dem Gerät und sammelt mit Hilfe einer Messplatte, auf die die Partikel prallen und kleben bleiben, die Aschepartikel ein. Die entnommenen Aerosol-Proben werden nach der Landung im Labor insbesondere auf ihre chemische Zusammensetzung untersucht.




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