13.09.2015
Erschienen in: 01/ 2013 FLUG REVUE

Begehrter Werkstoff für die Luft- und RaumfahrtSo werden aus Kohle Fasern

Bauteile aus Kohlefasern sind leicht und fest und haben deshalb seit längerem einen festen Platz im Flugzeugbau. Der Diamant ist die reinste Form des Kohlenstoffs, doch man kann aus ihm keine Fasern ziehen. Wie aber dann?

„Tatsächlich bestehen Kohlefasern aus reinem Kohlenstoff“, erklärt Dipl.-Ing. Dirk Lange von den Experten für faserverstärkte Kunststoffe Lange + Ritter in Gerlingen bei Stuttgart, „und glücklicherweise kommt dieser in der Natur noch in anderen Formen vor als nur in Diamanten. Für das von uns gewünschte Material haben sich Endlosfasern aus Polyacrylnitril (PAN) als besonders nützlich erwiesen.“ Aus dieser synthetischen Faser mit hohem C-Anteil wird ein sogenanntes „Vorgarn“ hergestellt, das unter seinem englischen Fachbegriff „Precursor“ besser bekannt ist. Jeder Precursor besteht nicht aus nur einer Faser, sondern ist ein Bündel aus vielen einzelnen, fast unsichtbaren hauchdünnen Einzelfäden, sogenannten Filamenten. Dieses Bündel wird komplett verkohlt. Das PAN wird von Chemiebetrieben geliefert, doch geht der Trend dahin, dass die Faserhersteller auch den Ausgangsstoff selbst produzieren, um sich die Ressource zu sichern.

In einem mehrstufigen Ofenprozess wird dieser bei Temperaturen von 1500 bis 2500 Grad Celsius langsam verkohlt, bis nur noch ein aus reinem Kohlenstoff bestehendes langes Kettenmolekül übrig bleibt. „Die entstehenden Fasern sind endlos, kommen von einer Spule und werden auf einer anderen Spule aufgewickelt; praktisch geht vorn weißes Garn rein und hinten kommt unter Masseverlust schwarzes Garn raus“, erläutert der Chemiker.

Dieser Prozess ist nicht ganz unproblematisch, wird doch dafür viel Energie benötigt, und auch zur umweltgerechten Entsorgung der ausgegasten, nicht benötigten Fremdstoffe muss großer Aufwand betrieben werden. Die fertige Kohlefaser als dringend benötigter High-tech-Werkstoff indessen rechtfertigt alle Bemühungen.


WEITER ZU SEITE 2: Fasern aus Pech sind extrem steif

1 | 2 | 3 | 4 |     
Mehr zum Thema:
flugrevue.de/Matthias Gründer


Weitere interessante Inhalte
Neuer Langstreckenjet Airbus A350 XWB: Die aktuellen Nutzer

27.07.2017 - Mit der A350 hat Airbus einen hochmodernen Langstreckenjet entwickelt. Bereits über 800 Flugzeuge wurden an mehr als 40 Kunden verkauft. … weiter

Übersicht Zivilflugzeug-Bestellungen im Jahr 2017

27.07.2017 - Welche Airline hat bei Airbus, Boeing, Bombardier, Embraer und Co. bestellt oder Optionen gezeichnet? Unsere Übersicht gibt Ihnen eine aktuelle Auflistung der Flugzeugbestellungen im Jahr 2017. … weiter

Jahresbilanz 2016 Etihad meldet Milliardenverlust

27.07.2017 - Etihad Airways aus Abu Dhabi meldet für ihr Geschäftsjahr 2016 einen Milliardenverlust. Die Airline ist unter anderem Großinvestor bei airberlin. … weiter

Über 21 Millionen Passagiere Emirates: 30-jähriges Deutschland-Jubiläum

27.07.2017 - Die arabische Fluggesellschaft bietet seit dem 1. August 1987 Linienflüge von und nach Deutschland an. Frankfurt war der erste deutsche Flughafen, den Emirates vor 30 Jahren ansteuerte. … weiter

Historischer Zweistrahler steht in Fortaleza Bund will "Landshut" nach Deutschland holen

27.07.2017 - Die 1977 durch eine Flugzeugentführung bekannt gewordene Boeing 737-200 "Landshut" soll aus Brasilien nach Deutschland gebracht, restauriert und ausgestellt werden. … weiter


  • Hersteller

    Lade...

  • Typ

    Bitte Hersteller auswählen!

FLUG REVUE 08/2017

FLUG REVUE
08/2017
10.07.2017

Abonnements
Digitalabo
E-Paper
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


Stratolaunch: Das größte Flugzeug der Welt
Atlanta: Der größte Flughafen der Welt
Paris Air Show: Die größte Luftfahrtschau der Welt
Transall: Abschied von Penzing


aerokurier iPad-App