31.03.2014
Erschienen in: 07/ 2011 FLUG REVUE

Ausbildung von Luftwaffen-Technikern in KaufbeurenKnow-how für drei Generationen

Egal ob Phantom, Tornado oder Eurofighter: Jeder Techniker eines Kampfflugzeuges erhielt seine Ausbildung bei der Technischen Schule der Luftwaffe 1 in Kaufbeuren. Gerade beim Eurofighter bieten sich einzigartige Möglichkeiten, die jedoch die Praxis nicht ersetzen können.

Eurofighter Kaufbeuren Ausbildung

Die Schüler in Kaufbeuren arbeiten an echten Eurofightern. Foto und Copyright: Patrick Hoeveler  

 

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Ein letzter Blick auf die Kraftstoffanzeige auf dem rechten Bildschirm, dann drückt der Techniker die Taste mit der Aufschrift „APU“. Hinten beginnt die Hilfsgasturbine des Eurofighters aufzuheulen. Die Geräusche kommen jedoch nur aus dem Lautsprecher, denn der angehende Wart sitzt in einem Cockpittrainer des Kampfflugzeugs. Der Knopfdruck dauert nur eine Sekunde, und doch erfordert er eine theoretische Ausbildung von zwei Tagen. Alltag an der Technischen Schule der Luftwaffe 1 (TSLw) in Kaufbeuren im Allgäu. Seit 1957 findet hier die Ausbildung des technischen Personals für die deutschen Kampfflugzeuge statt. Das Grundprinzip ist bei allen Jets gleich, doch beim Eurofighter sind die Trainingsmöglichkeiten im Vergleich zu den früheren Flugzeuggenerationen enorm.

So erlaubt der einem Flugsimulator ähnliche Maintenance Simulator Trainer (MST) das Üben von Bremsläufen und anderen komplexen Verfahren. In mehreren Hörsälen erfolgt die theoretische Ausbildung an sogenannten Desktop-Trainern (DTT). Hier können sich die Lehrgangsteilnehmer auf die Praxis vorbereiten. Jeder Arbeitsplatz verfügt über drei Bildschirme sowie einen Steuerknüppel und Schubhebel, beispielsweise für das Nachstellen von Triebwerksläufen. Auf den Monitoren erscheinen detaillierte Arbeitsanweisungen für die verschiedenen Wartungsvorgänge einschließlich animierter 3-D-Grafiken sowie die technische Dokumentation des Eurofighters. Letztere ist komplett digital, ein technisches Handbuch in Papierform gibt es nicht mehr. Entwickelt haben sie, wie die Ausbildungsmittel auch, die vier Partnernationen. Daraus ergibt sich eine weitere Herausforderung: Alles ist in Englisch.

Daher musste die Schule den Ausbildungsablauf entsprechend anpassen. Wird ein Kandidat beispielsweise für die Avionikausbildung auf dem Eurofighter ausgewählt, durchläuft er einen zwei bis drei Monate dauernden Grundlagenlehrgang in Elektrotechnik an der TSLw 1. Dann muss er eine Englischausbildung an den Sprachenschulen der Bundeswehr absolvieren. Hinzu kommt ein achtwöchiger Kurs in sogenanntem technisch-logistischem Englisch in Kaufbeuren. Anschließend fächert sich der Ablauf in die entsprechenden Fachrichtungen auf. Grundsätzlich wird in zwei Bereiche aufgeteilt: Mechaniker und Avioniker.

Bei den Avionikern gehören Hochfrequenztechnik, Rechen- sowie Navigationssysteme, Flugregelung und Luftfahrzeugausrüstung zu den verschiedenen Lehrgangsarten. Normalerweise beträgt die Größe der Klasse acht Schüler. Rund zwölf Teilnehmer weisen in der Regel die Kurse bei den Mechanikern auf, da meist mehr Warte benötigt werden. Hier gibt es die Bereiche „line mechanic“, also alle Wartungsarbeiten inklusive Triebwerk im normalen Flugbetrieb, sowie Waffen- und Rettungssystemmechaniker.


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flugrevue.de/Patrick Hoeveler


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