09.02.2015
Erschienen in: 08/ 2014 FLUG REVUE

Berufe in der LuftfahrtBedarf an Ingenieuren geht zurück

Alle zwei Jahre führt der Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) eine Umfrage zur Arbeitsmarktsituation in Deutschland durch. Im Jahr 2014 gab es überraschende Ergebnisse.

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Ingenieure werden nicht nur in der Entwicklung und Konstruktion gebraucht, sondern auch bei Tests und in der Produktion von Luftfahrtgeräten. Foto und Copyright: MTU Aerospace  

 

Die Luft- und Raumfahrt boomt, besonders das zivile Segment. Airbus, Boeing, Bombardier und Embraer sitzen auf Auftragsbüchern für ihre Verkehrsflugzeuge, die niemals zuvor so prall gefüllt waren. Eigentlich müssten nicht nur die Flugzeughersteller, sondern auch die Zulieferer und Service-Unternehmen händeringend Facharbeiter und Ingenieure suchen. Aber diese Situation scheint sich derzeit zu ändern.

Mit dem stürmischen Aufbau der Ingenieurs- und Fachar­beiterkapazitäten in der Luft- und Raumfahrtindustrie in den vergangenen Jahren in Deutschland wird es in den nächsten Jahren nicht weitergehen, lautet das Ergebnis einer Umfrage, die der Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) im Vorfeld der ILA Berlin Air Show durchgeführt hat. 59 Unternehmen haben an der Befragung teilgenommen. Sie beschäftigen derzeit über 101 000 Mitarbeiter, darunter 24,35 Prozent Frauen. Während 2013 noch 2389 Ingenieure von diesen Firmen eingestellt worden sind, so planen diese für 2014 nur noch 973 Neueinstellungen und 875 Neueinstellungen im Jahr 2015. „Der Bedarf an Ingenieuren geht kontinuierlich nach unten“, sagte Dr. Thomas Ehm, der die Arbeitsgruppe beim BDLI leitet, bei der Vorstellung der Studie in Berlin.

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Nur fünf Prozent der Unternehmen haben Schwierigkeiten ihren Bedarf an qualifizierten Ingenieuren zu decken. Foto und Copyright: Airbus  

 

Allerdings ist das Bild in der Branche nicht einheitlich. 30 der befragten Unternehmen planen auch 2014 einen Aufbau ihrer Ingenieurskapazitäten, 25 planen keine Veränderung, während drei Firmen sogar Kapazitäten abbauen wollen. Sehr große Schwierigkeiten, ihren Bedarf an qualifizierten Ingenieuren zu decken, haben nach der Umfrage nur noch fünf Unternehmen.

Der BDLI hat in die Befragung nicht nur Mitgliedsunternehmen eingebunden, sondern auch Firmen, die nicht Verbandsmitglied sind. Zum 31. Dezember 2013 waren in den Mitgliedsunternehmen des BDLI 105 500 Mitarbeiter beschäftigt, dies war ein Anstieg von 4,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 70 Prozent der Beschäftigten arbeiten in der zivilen Luftfahrt, 22 Prozent im Bereich Verteidigung und Sicherheit und die restlichen acht Prozent in der Raumfahrt.

Der rückläufige Bedarf an Ingenieuren liegt vor allem daran, dass die großen Entwicklungsprogramme wie Airbus A350 und Airbus A400M abgeschlossen sind. Komplett neue Programme, an denen Tausende von Konstrukteuren arbeiten müssen, sind derzeit nicht in Sicht, weder in der zivilen noch in der militärischen Luftfahrt. Ob es jemals einen bemannten Nachfolger für den Eurofighter geben wird, steht in den Sternen. 

In der Raumfahrt ist der Bedarf aufgrund der langfristigen Programmdauer weniger zyklischen Schwankungen unterworfen, sodass sich in diesem Segment der Bedarf an Ingenieuren in den nächsten Jahren auf dem heutigen Niveau bewegen dürfte.

Dieser rückläufige Bedarf bedeutet allerdings nicht, dass überhaupt keine neuen Mitarbeiter eingestellt werden. Normale Altersabgänge und eine natürliche Fluktuation bieten auch in Zukunft immer wieder Jobchancen für diese Berufsgruppe. Dies weiß auch die Branche und fördert ihren potenziellen Nachwuchs durch Praktika, Werkstudentenstellen, Traineeprogramme und Duale Studiengänge. 

95 Prozent der befragten Unternehmen gaben bei der BDLI-Umfrage an, dass sie Praktika anbieten, immerhin über die Hälfte der Firmen bietet duale Studiengänge an, und rund ein Viertel der befragten Firmen stellte auch Trainees ein. 

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Die großen Entwicklungsprogramme sind derzeit fast alle abgeschlossen. Foto und Copyright: Airbus  

 

2013 haben die an der BDLI-Umfrage beteiligten Unternehmen 968 Auszubildende eingestellt, in 2014 liegt die Zahl mit 717 deutlich darunter. Dieses Niveau soll aber in den nächsten Jahren gehalten werden.

Die Nachwuchsförderung wird auch durch Betreuung von akademischen Arbeiten sichergestellt. 84,7 Prozent der vom BDLI befragten Firmen gaben an, dass sie Bachelorarbeiten betreuen, 81,4 Prozent betreuen auch noch Diplomarbeiten und 76,6 Prozent betreuen Masterarbeiten. 

Dass sich der Schritt zu einer Beschäftigung in der Luft- und Raumfahrt lohnt, zeigt ein weiteres Ergebnis der BDLI-Befragung: Demnach liegt das durchschnittliche Einstiegsgehalt für Ingenieure zwischen 41 000 und 50 000 Euro, während es sich bei Facharbeitern zwischen 31 000 und 35 000 Euro eingependelt hat. 

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Volker K. Thomalla



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