16.10.2014
Erschienen in: 10/ 2011 FLUG REVUE

Schnittstelle zwischen Wissenschaft und FlugbetriebBerufsbild Flugversuchsingenieur

Ob Flugphysik, Aerodynamik, Avionik, Steuerung oder Kabinentechnik – wenn es um die erstmalige fliegerische Erprobung neuer wissenschaftlicher Ideen und Messverfahren geht, laufen die Fäden bei den Flugversuchsingenieuren zusammen.

Flugversuchsingenieure Kabine DLR

Flugversuchsingenieure in einem Testflugzeug. Foto und Copyright: DLR/Kruszewski  

 

IN DIESEM ARTIKEL

Während es bei Flugzeugherstellern eher um Entwicklung, Zulassung und Verbesserung eines kommerziell möglichst erfolgreichen Produktes geht, steht bei Institutionen wie dem DLR ein breites Spektrum von der Grundlagenforschung bis hin zur Industriekooperation auf dem Programm der Versuchsingenieure.
„Wir sind die Schnittstelle zwischen Wissenschaft und fliegerischer Umsetzung“, erklärt Oliver Brieger, Flugversuchsingenieur und technischer Leiter der Einrichtung Flugexperimente beim DLR. Je nach Idee der Wissenschaftler aus den einzelnen Fachrichtungen ist dabei viel Fingerspitzengefühl, Flexibilität und Überzeugungskraft gefordert. „Sensoren kann man nicht an jede Stelle des Flugzeuges positionieren oder eine schwere Messsonde außerhalb der zugelassenen Schwerpunktslagen befestigen“, erzählt Brieger. Schließlich muss bei allem Forscherdrang der Flug für Testpiloten, Ingenieure und Wissenschaftler an Bord sicher bleiben.

Der berufliche Hintergrund bei den Ingenieuren im Flugversuch ist so vielfältig wie die Forschungsprogramme: „Oft erfolgt schon während des Studiums die Spezialisierung auf bestimmte Aspekte wie Flugsteuerung, Avionik, Flugsicherung“, erklärt Michael Preß, Flugversuchsingenieur beim DLR-Forschungszentrum in Braunschweig. „Dabei hat mir die Versuchsfliegerei immer mehr Spaß gemacht, und so bin ich da reingerutscht“, erklärt er.

Angehende Flugversuchsingenieure und Testpiloten durchlaufen gemeinsam, nach abgeschlossenem natur- oder ingenieurwissenschaftlichem Hochschulstudium, eine umfangreiche Zusatzausbildung an einer der wenigen Testpilotenschulen in den Vereinigten Staaten, Frankreich oder Großbritannien. „Da geht es zunächst um die Grundlagen der Testabläufe bei Propellerflugzeug, Jet oder Hubschrauber, aber ebenso die Testabläufe einzelner Systeme“, erzählt Brieger vom Verlauf der Ausbildung, die je nach Ausrichtung und angestrebter Qualifikation zwischen drei und zwölf Monaten dauert.

Im Flugversuch gibt es zwei Schwerpunkte: Einerseits wird bei neuen Flächenflugzeugen oder Hubschraubern erprobt, ob sie sich so verhalten, wie vom Konstruktionsteam errechnet. Das sind vor allem die grundlegenden Parameter der Flugeigenschaften und Flugleistungen. So wird nach dem Erstflug Schritt für Schritt die so genannte Flight Envelope erflogen. Diese gibt Geschwindigkeits- und Höhenlimits an. Aus diesen Versuchsreihen stammen meist auch die spektakulären Fotos oder Fernsehbilder von Testpiloten und Ingenieuren in orangen Overalls mit Helm und Fallschirm auf dem Rücken. Im Verlauf des Erprobungsprogramms werden auch alle Subsysteme getestet. Auf Basis dieser Erprobungsflüge wird das Fluggerät schließlich durch die Behörden zertifiziert und für den kommerziellen oder militärischen Einsatz zugelassen.

Den zweiten Schwerpunkt bilden die Kontrolle und Weiterentwicklung von Fluggerät, das bereits im Betrieb ist. „Da geht es zum Beispiel darum, ob ein Flugzeug seine Verbrauchswerte einhält, die einem Kunden zugesagt wurden“, sagt Oliver Brieger. Hier liegt ein besonderes Augenmerk bei den Herstellern. Weiteres großes Aufgabenfeld ist die Weiterentwicklung von Fluggerät: „Das sind zum Beispiel Projekte wie Brennstoffzellen-Einsatz oder neue Konzepte für die Kabinenbelüftung“, beschreibt Michael Preß zwei Projekte mit dem Airbus A320 ATRA.


WEITER ZU SEITE 2: Flugtests

1 | 2 |     
Mehr zum Thema:
Heiko Stolzke/flugrevue.de/Patrick Hoeveler



  • Hersteller

    Lade...

  • Typ

    Bitte Hersteller auswählen!

FLUG REVUE 12/2016

FLUG REVUE
12/2016
07.11.2016

Abonnements
Digitalabo
E-Paper
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- Neue Junkers F 13 fliegt
- Dreiteilung airberlin
- Flughafen Lyon
- Erprobung Pilatus PC-24
- Wonsan Air Festival
- Brennstoffzellen im Alltagstest
- Extra Raumfahrt

aerokurier iPad-App