01.12.2015
Erschienen in: 02/ 2011 FLUG REVUE

Berufe in der LuftfahrtBundespolizei an deutschen Flughäfen

Man sieht sie bei der Pass- und der Gepäckkontrolle, hin und wieder auch als Streife im Flughafengebäude. Die meiste Zeit ihrer spannenden Arbeit absolvieren die Bundespolizisten aber eher unauffällig und unbemerkt von den eiligen Reisenden.

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Die Fachaufsicht der mit der Personen und Gepäckkontrolle beauftragten Mitarbeiter gehört zur täglichen Dienstpflicht. Foto und Copyright: Bundespolizeiinspektion Flughafen Köln/Bonn  

 

Die Aufgaben der Angehörigen der Bundespolizei sind vielfältig (siehe Kasten), aber wie kann man hier einsteigen? „Man bewirbt sich wie anderswo auch“, sagt Polizeioberkommissarin Britta Gansen von der Bundespolizeiinspektion am Flughafen Köln/Bonn. „Das kann man direkt bei uns oder jeder anderen Bundespolizeidienststelle auch tun, aber ebenso im Internet, wo man viele wertvolle Hinweise findet.“
Bewerben kann man sich für den mittleren, den gehobenen oder den höheren Polizeivollzugsdienst, und bevor man über die polizeispezifischen Begriffe stolpert, erläutert Britta Gansen die Einstellungsvoraussetzungen: „Bei der Polizei gibt es keine Wachtmeister mehr, weshalb sich jeder Inte­ressent, der mindestens 16 und höchstens 24 Jahre alt ist, einen Real­schulabschluss oder einen Hauptschulabschluss mit anerkannter Berufsausbildung hat, sofort für den mittleren Dienst bewerben kann.“

Voraussetzungen (die übrigens auch für die anderen Laufbahnen gelten) sind die deutsche Staatsangehörigkeit oder die eines EU-Mitgliedstaates und die Gewähr, jederzeit für die freiheitlich-demokratische Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes einzutreten. Man darf keine Vorstrafen haben und muss in geordneten wirtschaftlichen Verhältnissen leben.

Die Bewerbungsunterlagen werden geprüft, und wenn alle Voraussetzungen stimmen, erhält der Bewerber eine Einladung zum zwei Tage dauernden „Eignungsauswahlverfahren“ an einer Ausbildungseinrichtung der Bundespolizeiakademie. Hier gibt es eine schriftliche Prüfung, polizeiärztliche Untersuchung, einen Sporttest und ein abschließendes Vorstellungsgespräch. „Die Anwärter müssen eine Mindestgröße haben, dürfen keine sichtbaren Tätowierungen oder Piercings tragen und müssen schwimmen können“, ergänzt die Oberkommissarin die Anforderungen, „sie müssen charakterlich und geistig für den Polizeivollzugsdienst geeignet sein, die Fahrerlaubnis Stufe B haben und bereit sein zur bundesweiten Verwendung.“

Das ist schon ziemlich anspruchsvoll, und längst nicht jeder Bewerber schafft bereits diese Hürden. Wenn aber doch, beginnt dann die zweieinhalbjährige Ausbildung an einem der Aus- und Fortbildungszentren der Bundespolizei (bei jeder Direktion eines jeden Bundeslandes ist ein solches Zentrum angesiedelt), die auch Praktika in verschiedenen Dienststellen einschließt. Mit der Einstellung wird man in das Beamtenverhältnis auf Widerruf berufen und zum Polizeimeisteranwärter respektive zur Polizeimeisteranwärterin ernannt.

Bundespolizist ist ein krisensicherer Beruf

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Bei besonderen Sicherheitslagen kommen auch gepanzerte Fahrzeuge zum Einsatz. Foto und Copyright: Bundespolizeiinspektion Flughafen Köln/Bonn  

 

„Die Ausbildung gliedert sich in drei Abschnitte“, erklärt Britta Gansen: „Nach der zwölfmonatigen Grundausbildung mit anschließender Zwischenprüfung folgt ein weiteres Jahr der Fachausbildung mit den bereits erwähnten Praktika. Den Abschluss bildet ein halbes Jahr Laufbahnlehrgang mit der Laufbahnprüfung.“ Gelehrt werden zum Beispiel Staats- und Verfassungsrecht oder Einsatzrecht, Psychologie, Polizeidienstkunde, Kriminalistik, aber auch Deutsch und Englisch, um nur einige zu nennen. „Englisch braucht man einfach, weil Bundespolizisten viel mit Ausländern zu tun haben“, sagt die junge Frau, die selbst die komplette Ausbildung durchlaufen hat, „und Deutsch für den Papierkram.“ Berichte, Anzeigen, Meldungen und Ähnliches gehören nämlich zum Alltag der Polizisten.

Die praktische Ausbildung indessen schließt Polizeitechnik ein, den Zwangsmitteleinsatz, Erste Hilfe und natürlich Dienstsport. Hat man das alles geschafft und die Prüfungen bestanden, beginnt eine sogenannte, üblicherweise zwei Jahre dauernde Standzeit mit dem Einsatz in einer Bundespolizeiabteilung oder einer Einsatzhundertschaft.

Danach ist die Übernahme von einzelpolizeilichen Tätigkeiten möglich, also zum Beispiel der Dienst am Flughafen. Dafür kann man sich bewerben, aber auch eine weitere Spezialausbildung für den späteren Einsatz als Fachkraft absolvieren. So kann man Waffenspezialist werden, Polizeiflieger, Fahrer von Polizeipanzerwagen, IT-Experte und vieles andere mehr.

„Wer die Ausbildung geschafft hat, bleibt bis zur Pensionierung Bundespolizist“, gibt die Oberkommissarin zu bedenken. „Das ist ein krisensicherer Beruf, aber man muss sich darüber im Klaren sein, dass man nicht zwischendurch aussteigen kann.“ Im mittleren Dienst kann man Polizeihauptmeister werden und hat dann vier Sterne auf den Schulterklappen.

Und im gehobenen Dienst? Da muss man das Abitur oder die Fachhochschulreife besitzen und darf höchstens 31 Jahre alt sein. Das Eignungsauswahlverfahren dauert doppelt so lange wie bei den Bewerbern für den mittleren Dienst und ist im Inhalt der ersten Hälfte gleich. Bei den nächsten zwei Tagen an der Bundespolizeiakademie in Lübeck allerdings geht’s richtig zur Sache, mit einem ausgiebigen Sporttest und vor allem einem mündlichen Teil im Assessment-Center. „Dafür habe ich beispielsweise extra eine Tageszeitung abonniert“, erinnert sich Britta Gansen, „und diese regelrecht studiert.“ Wer sich in der nationalen und internationalen Tagespolitik nicht auskennt, hat keine Chance, Kommissar zu werden. Zusätzlich muss man Demokratieverständnis mitbringen, Leistungsbereitschaft und Zivilcourage zeigen, sowie Team- und Kommunikationsfähigkeit nachweisen.

Die Ausbildung dauert üblicherweise drei Jahre; bei Bewerbern, die bereits Praxis aus dem mittleren Dienst haben und die Voraussetzungen mitbringen, sind es zwei Jahre. Für den höheren Polizeivollzugsdienst (also als Beamter mit goldenen Sternen auf den Schulterstücken) kann man sich auch bewerben, doch muss man dafür ein abgeschlossenes Hochschulstudium nachweisen.

Wie man sieht, sind die Bundespolizisten, denen wir als Passagiere am Flughafen begegnen, umfassend ausgebildet. Und dennoch bemerken wir ihre Arbeit kaum, wenn man bedenkt, dass allein am Flughafen Köln/Bonn in jeder Schicht rund 100 Beamte Dienst tun. Mit unaufdringlicher Präsenz sorgen sie für unsere Sicherheit.

FLUG REVUE Ausgabe 02/2011

Mehr zum Thema:
flugrevue.de/Matthias Gründer



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