28.08.2014
FLUG REVUE

Vorfeldaufsicht am FlughafenMaßarbeit als Marshaller

Der „Marshaller“ sorgt für einen sicheren Airport-Vorfeldverkehr von Flug- und Bodenfahrzeugen.

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Zentimetergenau wird ein Airbus A320 in Düsseldorf auf seine Parkposition dirigiert. Die Piloten müssen sich auf das Augenmaß der Vorfeldaufsicht verlassen können. Foto und Copyright: Flughafen Düsseldorf  

 

Mit heulenden Triebwerken stoppt der eben gelandete Frachtjumbo seitlich der Startbahn kurz auf dem Rollweg. Per Funk melden sich die Piloten bei der Rollverkehrskontrolle an und erhalten die Rollanweisungen zu ihrer Parkposition. In einem schwarz-gelb karierten Kleinbus der Vorfeldaufsicht fährt ein Marshaller zum geplanten Jumbo-Parkplatz und überzeugt sich davon, dass Vorfeldtreppen, Bodenaggregate und sonstige Hindernisse in sicherer Entfernung parken. Jeder Rollschaden an einem Flugzeug wäre extrem teuer. Von den Gefahren, zum Beispiel aufgerissener Flugzeugtanks, ganz zu schweigen. Hier ist alles sicher, der Marshaller gibt die Parkposition frei.

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Bei sehr schlechter Sicht, unerfahrenen Cockpitbesatzungen, exotischen Parkpositionen oder auf sonstige Anfrage per Funk werden die Marshaller auch heute noch zum klassischen „Fremdenführer“. Foto und Copyright: Fraport AG  

 

Bevor es eng wird, dirigiert der Marshaller das Flugzeug mit seinen Einwink-Kellen manuell mit genau festgelegten Zeichen in die richtige Parkposition. Auf vielen Flughäfen haben optische Parkhilfen für die Piloten diese Tätigkeit im Routinebetrieb jedoch weitgehend überflüssig gemacht. In Frankfurt am Main, Deutschlands größtem Verkehrsflughafen, sind zum Beispiel schon 80 Prozent der Parkpositionen mit optischen Parkhilfen ausgestattet. Auch die eigentliche Rollführung wird heute durch ferngesteuerte Unterflurfeuer wesentlich vereinfacht: Aus dem Cockpit sehen die Piloten die von ihnen zu befahrende Route mit Abzweigungen als jeweils grün leuchtende Mittellinie vor sich. Während das Flugzeug vorfährt, gibt der Marshaller für die spätere Abrechnung bereits dessen Registrierung in das EDV-System des Flughafens ein.

Das Thema Sicherheit steht ganz oben auf der Liste seiner Aufgaben. Nicht nur das sichere Einparken, Ausparken und Rollen der Flugzeuge gehört dazu, sondern auch die Kontrolle der zahlreichen Bodenfahrzeuge. Halten sich alle Fahrer an die vorgeschriebenen Fahrstraßen und Geschwindigkeiten? Verlieren Fahrzeuge Ladung, zum Beispiel einzelne Koffer, Planen oder Spanngurte? Jeder noch so kleine Fremdkörper könnte von Triebwerken angesaugt werden und schwere Schäden verursachen.

Wie eine Verkehrspolizei überwacht der Marshaller deshalb den Fahrbetrieb auf dem Vorfeld. Tankwagen, Gepäckwagen, Flugzeugschlepper und zahlreiche oft unübersichtliche Spezialfahrzeuge sind hier in großer Zahl unterwegs. Bei schweren Verstößen darf der Marshaller sogar einzelnen Fahrern die Vorfelderlaubnis entziehen.

Wie sonst nur noch die Flughafenfeuerwehr haben die Follow-me-Wagen eine Sondererlaubnis, bei Bedarf auch quer über das Vorfeld und auf Rollwegen und Startbahnen zu fahren. Deswegen müssen sie ständig eine Funkverbindung zur Verkehrsleitung halten. Mindestens viermal am Tag fahren die Marshaller die Startbahnen ab und prüfen diese auf Schäden am Belag und auf mögliche Hinterlassenschaften von Flugzeugen, zum Beispiel auf Reifenteile.

Bei Bauarbeiten müssen auch die Fahrzeuge von Fremdfirmen sicher über das Vorfeld gebracht werden. Hier begleiten die Marshaller die Fahrt als Lotsen. Auch die Absicherung zeitweise gesperrter Rollwege wird nach Vorschrift kontrolliert.

Bei sehr schlechter Sicht, unerfahrenen Cockpitbesatzungen, exotischen Parkpositionen oder auf sonstige Anfrage per Funk werden die Marshaller auch heute noch zum klassischen „Fremdenführer“. Dann fahren sie dem Gast voraus und führen ihn auf sicherer Route zur gewünschten Position. Dabei muss der Marshaller auch berücksichtigen, wohin der orkanstarke Abgasstrahl seines „Kunden“ während des gesamten Rollvorgangs bläst.

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In Frankfurt rollt ein steter Strom von Flugzeugen von und zu den Startbahnen. Der sichere und pünktliche Rollverkehr steht im Mittelpunkt der Aufgaben der Vorfeldaufsicht. Foto und Copyright: Fraport AG  

 

„Vorfeldkontrolleur“ ist bei Fraport bereits ein eigener, interner Ausbildungsberuf. Die Bewerber benötigen einen Hauptschulabschluss und vorherige Flughafenerfahrung mit Vorfeldführerschein. Typischerweise stammen sie aus der Vorfeldabfertigung, von den Gepäckladern, aus den Werkstätten oder aus anderen Flughafenbereichen. Früher üblichere externe Bewerber werden, jedenfalls bei Fraport, nur noch in Ausnahmefällen genommen.

Die Bewerber müssen ein eigenes Auswahlverfahren durchlaufen, bei dem ihr Reaktionsvermögen und ihre Konzentrationsfähigkeit beim Computertest geprüft werden. Auch englische Sprachkenntnisse werden immer wichtiger.

Der Einsatz der „Mädchen für alles“ erfolgt nicht immer bequem im Fahrzeug und auch bei Wind und Wetter im Wechselschichtdienst. Verkehrsflughäfen arbeiten 365 Tage im Jahr, natürlich auch an Sonn- und Feiertagen. Von den rund 85 Mitarbeitern der Vorfeldaufsicht in Frankfurt, darunter zwei Frauen, sind tagsüber ständig zwölf bis 14 im Dienst. Nachts sind acht oder neun Kollegen im Einsatz. Sie haben sich den Flughafen organisatorisch in insgesamt elf Bereiche aufgeteilt.

Das Grundgehalt einer Vorfeldaufsicht beginnt bei Fraport in der Ausbildung bei 1800 Euro brutto. Nach Bestehen kommen 500 Euro hinzu. Das Jahresgehalt, inklusive aller Zulagen, bewegt sich altersabhängig bei etwa 32 000 Euro brutto. Nur wenige Vorfeldaufsichten wechseln wieder freiwillig in andere Bereiche. Aufstiegsmöglichkeiten bestehen zum Schichtleiter und zum Einsatzleiter. Wegen der Fraport-Aktivitäten im Ausland finden auch zunehmend Trainingskurse an auswärtigen Flughäfen für dortige Mitarbeiter statt.

Mehr zum Thema:
www.flugrevue.de/Sebastian Steinke


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