09.11.2016
Erschienen in: 11/ 2016 FLUG REVUE

Berufe in der LuftfahrtDispatcher in der Business Aviation

Sie müssen einen Flug von Anfang bis Ende durchgeplant haben, bevor es in die Luft geht: die Dispatcher. Doch in der Business Aviation gehört noch viel mehr dazu.

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Die Ausbildung von Piloten und Dispatchern ähneln sich sehr. Foto und Copyright: Max Kühnl  

 

Während Privatpiloten für ihren sonntäglichen Ausflug eine genaue Flugplanung selbst erstellen müssen, wird diese komplexe Aufgabe in der kommerziellen Luftfahrt von Flugdienstberatern, auch Dispatcher genannt, übernommen. Für die Erstellung eines Flugplanes müssen viele Parameter berücksichtigt werden: Neben aktuellen Windverhältnissen, der Verfügbarkeit von Luftstraßen, temporären Auflagen und Überflugrechten muss auch immer die Leistung des Flugzeugs einkalkuliert werden. Kein Wunder also, dass sich die Ausbildung von Piloten und Dispatchern sehr ähneln.

Bis vor einigen Jahren mussten künftige Dispatcher den gesamten Theorieunterricht einer Verkehrspilotenausbildung inklusive Prüfung durchlaufen. Darauf folgte der praktische Teil in einem Dispatch-Büro in einem Flugbetrieb. „Vor einigen Jahren wurde dieses Programm jedoch angepasst“, erklärt Gerd Kümmel, Postholder Ground Operations beim Stuttgarter Executive-Anbieter DC Aviation. Jetzt werden drei Monate Theorie absolviert, in denen Fächer wie Navigation, Meteorologie, Luftrecht und Performance auf dem Programm stehen. Dieser Unterricht wird an einer Flugschule absolviert, in Deutschland stammt der Großteil der Absolventen von Lufthansa Flight Training. Ein dreimonatiger Einsatz im Flugbetrieb schließt sich an, bei dem unter Aufsicht eines lizenzierten Flugdienstberaters bereits Flugpläne erstellt werden. Einer dieser Ausbildungspartner ist DC Aviation. Am Ende dieser sechs Monate erhält der Dispatcher seine Lizenz. Die Ausbildungskosten müssen selbst getragen werden und belaufen sich auf etwa 18 000 Euro.

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Gerd Kümmel ist Postholder Ground Operations bei DC Aviation. Foto und Copyright: DC Aviation  

 

Nach Erhalt der Flugdienstberaterlizenz erfolgt der Einsatz im Schichtbetrieb. Da die Flugzeuge jeden Tag rund um die Uhr in der Luft sind, muss auch das Operations Control Center (OCC) stets besetzt sein. Während bei vielen Fluggesellschaften für einen Linienflug meist mehrere Standardrouten im System hinterlegt sind, die entsprechend der aktuellen Winddaten ausgesucht werden, sieht diese Aufgabe bei DC Aviation deutlich anders aus. Da das Unternehmen 500 verschiedene Flughäfen im Jahr anfliegt, gibt es kaum Standardrouten.

Das reine Kalkulieren eines Flugplanes nimmt etwa 30 Minuten in Anspruch. Unterstützt wird der Flugdienstberater von einem Computerprogramm, das nach den aktuellen Bedingungen einen ersten Routenvorschlag berechnet.

Danach beginnt die Arbeit des Dispatchers: Er passt den Flugplan an sämtliche Gegebenheiten an, berücksichtigt beispielsweise die Wettervorhersage oder eventuelle Überflugverbote. Dabei berechnet er auch die optimale Flughöhe und überprüft das Wetter an allen Ausweichflughäfen entlang der Flugroute. Ist einer von ihnen geschlossen, kann dies eine massive Routenänderung nach sich ziehen. Dann wird der Flugplan an die Flugsicherung weitergegeben, damit auch sie über den Flug und dessen Routenführung informiert ist.

Anschließend wird für die Piloten ein Briefing-Paket erstellt, das neben dem eigentlichen Flugplan noch verschiedene Wetterkarten sowie Informationen zu Flughäfen und Routen enthält. Sitzt die Crew gerade irgendwo auf der Welt und bereitet ihren Rückflug vor, bekommt sie dieses Paket per E-Mail zugeschickt.

Diese rein operative Aufgabe wird bei DC Aviation von je zwei Dispatchern erledigt. Drei weitere werden rotierend als „Supporter“ eingesetzt. Sie kümmern sich um sämtliche zusätzliche Belange rund um den Flug. Wird der Kunde mit einer Limousine abgeholt, wird das Catering an einer Außenstation bestellt. Brauchen die Piloten ein Hotel? In der Nacht wird diese Aufgabe sowie die der Crew-Einsatzplanung von den beiden Plan-Dispatchern mit übernommen. Angehende Flugdienstberater müssen sich daher viel Wissen aus den anderen Bereichen aneignen und über ein gutes Verständnis von Naturwissenschaften und Technik verfügen.

Darüber hinaus sind eine gewisse Stressresistenz und die Bereitschaft zur Schicht- und Wochenendarbeit unabdingbar. Eingestellt wird in der Regel erst nach Erhalt der Lizenz. Die Vergütung liegt bei etwa 50 000 Euro Jahresgehalt, hinzu kommen entsprechende Zulagen für Nacht- und Wochenenddienste.

FLUG REVUE Ausgabe 11/2016




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