30.03.2015
Erschienen in: 04/ 2013 FLUG REVUE

VertrauenspersonFliegerarzt

Piloten müssen, um fliegen zu dürfen, gesund sein. Gut, das müssen Autofahrer auch, aber die können bei einem Schwäche- oder Müdigkeitsanfall schnell mal am Straßenrand anhalten. Bei den Fliegern indessen kommt die dritte Dimension hinzu, und das erfordert bestimmte Voraussetzungen.

Fliegerarzt Medical Flugtauglichkeitsuntersuchung

Der Fliegerarzt ist selbst Pilot und kennt die Probleme der Probanden. Foto und Copyright: DLR  

 

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Alle Piloten, egal ob sie das Fliegen als Hobby oder als Beruf betreiben, benötigen als eine wichtige Bedingung für die Erteilung ihrer Fluglizenz ein medizinisches Tauglichkeitszeugnis. In der Fliegersprache Englisch wird dieses als „Medical Certificate“ bezeichnet, weshalb es unter den Piloten einfach nur „Medical“ heißt. Dieses Dokument darf nur von einem Flugmedizinischen Sachverständigen ausgestellt werden, allgemein als Fliegerarzt bekannt, nachdem der angehende Luftfahrzeugführer eine entsprechende Tauglichkeitsuntersuchung absolviert hat. Übrigens müssen in Deutschland auch Fluglotsen und Flugbegleiter diese Tauglichkeit nachweisen; die zeitlich begrenzte Gültigkeit richtet sich nach dem Lebensalter des Piloten.

Ab dem 8. April 2013 gelten auch in der Bundesrepublik die entsprechenden Bestimmungen der Europäischen Agentur für Flugsicherheit. Ab diesem Zeitpunkt müssen beispielsweise Privatpiloten bis zum Alter von 40 Jahren alle fünf Jahre zum Fliegerarzt, ab dem 50. Lebensjahr sogar jährlich. Bei nachgewiesener Tauglichkeit gibt es dafür das Medical der Klasse 2. Für die Klasse 1 sind die Bedingungen entsprechend schärfer.

Die betroffenen Piloten sind nicht sehr glücklich über diese Regelung und schimpfen lautstark über die „ausufernde Bürokratie“, zumal die Untersuchung nicht ganz billig ist und nicht von den Krankenkassen übernommen wird. Auch verweisen sie darauf, dass das Medical für Segelflieger in Großbritannien zum Beispiel jeder Hausarzt ausstellen darf, während in den USA gar keines erforderlich ist. Befürworter der Bestimmungen hingegen argumentieren damit, dass es lange in der Schweiz auch kein Medical für Segelflieger gab, dieses aber nach steigenden Unfallzahlen im Jahr 2008 wieder eingeführt wurde, zumindest für Flieger ab dem 60. Lebensjahr.

Warum aber darf ein Medical nicht auch vom Hausarzt ausgestellt werden, warum darf das nur ein Fliegerarzt machen? „Der Mensch ist ja nicht in der Luft geboren, sondern bewegt sich üblicherweise in einer zweidimensionalen Welt durch das Leben“, erläutert Götz Kluge, Leiter des Bereichs Operationelle Medizin am Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin des DLR in Köln-Porz. „Die meisten Flugunfälle passieren deshalb dann, wenn sich Piloten im dreidimensionalen Raum geirrt haben.“

Aus diesem Grund müssen Fliegerärzte in Deutschland auch selbst einen Flugschein mit Praxis im Cockpit nachweisen, denn nur dann können sie die Arbeitsbedingungen von Piloten richtig einschätzen. „Zudem muss ein Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Pilot bestehen“, sagt Götz Kluge, „denn schließlich bin ich ja nicht dazu da, den Flieger vom Fliegen abzuhalten, sondern dafür zu sorgen, dass er möglichst lange fliegen kann.“

Seit 2003 gilt in Deutschland, dass man Facharzt sein und Kurse in der Flugmedizin absolviert haben muss, bevor man Privatpiloten begutachten und Medicals der Klasse 2 ausstellen darf. Nach drei Jahren Praxis in diesem Bereich, Weiterbildungen bei der Ärztekammer und Erwerb der Anerkennung als Flugmediziner kann man dann schließlich Sachverständiger für die Klasse 1 werden.


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Matthias Gründer



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