04.07.2014
Erschienen in: 10/ 2013 FLUG REVUE

Grenzenlose ErfahrungenStudieren und Arbeiten bei einem Aerospace-Unternehmen im Ausland

Eine Karriere in der Luft- und Raumfahrt hat viele positive Seiten. In kaum einer anderen Industrie hat man beispielsweise die Möglichkeit, in so vielen unterschiedlichen Ländern zu arbeiten. Internationale Kooperationen bei wichtigen Projekten bieten viele Chancen, neue Städte kennenzulernen und dort für einige Zeit zu leben.

Berufe Airbus Helicopters Mitarbeiter Werkbank

Airbus Helicopters hat eigene Produktionsstandorte in Deutschland, frankreich und Spanien. Foto und Copyright: EADS  

 

Es gibt kaum eine Branche, die internationaler aufgestellt ist als die Luft- und Raumfahrtindustrie. In allen großen Wirtschaftsnationen gibt es Aerospace-Unternehmen, die attraktive Arbeitsplätze bieten. Da bedeutende Flugzeugprojekte im Gegensatz zu früher heute nicht mehr von einem nationalen Unternehmen allein realisiert werden können, kooperieren bei vielen Projekten Unternehmen miteinander, die auf anderen Feldern als Wettbewerber gegeneinander antreten. Die Engine Alliance ist ein Beispiel dafür. Die beiden Triebwerkshersteller GE Aviation und Pratt & Whitney hatten gemeinsam das Joint Venture Engine Alliance gegründet, um ein Triebwerk für den Airbus A380 zu entwickeln und zu produzieren. Auf allen anderen Feldern sind beide Unternehmen erbitterte Konkurrenten.

Durch solche Kooperationen, die in der Luft- und Raumfahrt natürlich auch über Länder- und Kontinentalgrenzen hinwegreichen, bieten sich Mitarbeitern Chancen, international tätig zu werden und in anderen Ländern zu leben und zu arbeiten.

Die Luft- und Raumfahrtindustrie hat in anderen Ländern zum Teil eine volkswirtschaftlich viel größere Bedeutung als in Deutschland. In Frankreich arbeiten nach Angaben des Aerospace-Industrieverbandes GIFAS über 300 000 Menschen in der Luft- und Raumfahrtindustrie. In Deutschland sind es nach Angaben des Industrieverbandes BDLI gerade einmal ein Drittel dieser Zahl.

Berufe Mitarbeiter Testlabor Cassidian

Testlabor von Airbus Defence and Space in Toulouse. Englisch ist Pflichtsprache im Unternehmen. Foto und Copyright: EADS  

 

Es gibt auch Jobs in der Luft- und Raumfahrtindustrie, bei denen man regelmäßig für mehrere Monate ins Ausland muss. Ingenieure, die im Auftrag von Airlines den Bau von Verkehrsflugzeugen begleiten, Raumfahrt-Ingenieure, die die Integration einer Nutzlast vor dem Start einer Trägerrakete überprüfen oder Konstrukteure, die im Rahmen einer Kooperation Systeme eines neuen Business Jets konstruieren, sind Beispiele für solche Tätigkeiten. Menschen, die eine internationale Karriere in der Luft- und Raumfahrt anstreben, müssen dabei nicht zwangsläufig bei einem der großen Konzerne wie EADS, Airbus, Boeing, Bombardier, Lockheed Martin, Northrop Grumman Corporation oder Dassault angestellt sein. Auch Mittelständler haben heute Produktionsstätten und Entwicklungskapazitäten im Ausland. Erst im Dezember 2012 hat beispielsweise der Sitzhersteller Recaro Aircraft Seating aus Schwäbisch Hall im chinesischen Quingdao mit dem Bau eines neuen Werks begonnen. Ende 2013 sollen dort die ersten Sitze entstehen. In Fort Worth, Texas, produziert Recaro Aircraft Seating schon länger. Auch andere mittelständische Unternehmen haben mit Erfolg Produktionsstätten im Ausland aufgebaut und beschäftigen dort auch Mitarbeiter aus ihrem Heimatland.

Wer eine internationale Laufbahn in der Luft- und Raumfahrtindustrie anstrebt, sollte bereits während der Schul- und Hochschulausbildung die Grundlagen dafür legen und darauf achten, dass er sich neben den für den Job benötigten Fachkenntnissen auch englische Sprachkenntnisse aneignet. Englisch ist bei fast allen internationalen Aerospace-Kooperationen die Standardsprache. In Spanien und Frankreich ist es zudem hilfreich, mindestens Grundkenntnisse in der nationalen Sprache zu haben.

Ein mehrmonatiger Auslandsaufenthalt im Rahmen eines Schüleraustausches oder vor der Aufnahme eines Studiums ist in mehrfacher Hinsicht hilfreich: Einerseits kann man seine Sprachkenntnisse vertiefen, andererseits weiß man nach einem mehrmonatigem Aufenthalt in einem anderen Land, ob ein (Berufs-)leben im Ausland überhaupt etwas für einen ist oder nicht. Denn neben Sprachbarrieren sind auch kulturelle Unterschiede beim Leben und Arbeiten im Ausland zu bedenken. Nicht jeder, der ein Land vielleicht aus dem Urlaub kennt, fühlt sich in dem Land auch im Alltag wohl.

Berufe Astrium Techniker

Manche Jobs gibt es nur in bestimmten Ländern. Wer sich dafür bewirbt, muss umziehen. Hier ein Astrium-Techniker. Foto und Copyright: EADS  

 

Schon während des Studiums kann man seine Fühler im Rahmen eines Studienaustausches beziehungsweise eines Auslandssemesters in Richtung des Landes ausstrecken, in dem man später einmal arbeiten möchte. Allerdings ist es heute schwerer als in der Vergangenheit, während eines Studiums ein Auslandssemester zu absolvieren.

Einige Aerospace-Unternehmen suchen aktiv junge Menschen für ein Praktika im Ausland. Airbus gehört zu diesen Unternehmen. Das Programm VIE (Volunteer for International Experience) steht Kandidaten offen, die gerade ihr Studium beendet haben und aus der Europäischen Union, Norwegen, Island oder Liechtenstein kommen. Die angebotenen Praktika sind bezahlt und auf die Dauer von einem oder zwei Jahren begrenzt. Auch Boeing bietet im Rahmen seinens „Internship & Co-ops“ bezeichneten Programms die Möglichkeit an, Praktika zu absolvieren. Allerdings muss man sich frühzeitig bewerben, damit die Einwanderungsbehörden Zeit haben, eine (begrenzte) Arbeitserlaubnis zu erteilen. Eine Garantie, dass man eine Arbeitserlaubnis erhält, gibt es aber nicht.

Egal, ob man mehrere Monate oder mehrere Jahre im Ausland tätig ist: Arbeiten in einem internationalen Team an einem Standort im Ausland ist immer eine bereichernde Erfahrung. Man kommt in der Regel durch einen Auslandaufenthalt beruflich weiter und kann Kontakte aufbauen, die einem im späteren beruflichen Leben helfen.



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