19.09.2016
Erschienen in: 09/ 2016 FLUG REVUE

Berufe in der LuftfahrtPilot in der Business Aviation

Von ständig neuen Flug­häfen bis hin zum persönlichen Service für die Fluggäste – sie leben die Abwechslung: Piloten von Business Jets.

fr-09-2016-Die Geschaeftsflieger

Michael Schafstein von DC Aviation. Foto und Copyright: Max Kühnl  

 

Gerade eben ist er aus Schanghai zurückgekommen, zuvor hatte er einen eiligen Geschäftskunden nach London gebracht: Michael Schafstein ist Kapitän auf einer Gulf­stream G550 beim Executive-Jet-Anbieter DC Aviation in Stuttgart. Seit 20 Jahren fliegt er in der Business Aviation. Was er an seinem Job am meisten mag? „Die Abwechslung“, sagt Schafstein. Und ohne zu zögern fügt er hinzu: „Es ist einfach kein einziger Flug wie der andere.“ Das stehe dann doch im Gegensatz zur Arbeit regulärer Linienpiloten.

Während DC Aviation mit ihren 26 Flugzeugen jedes Jahr zu etwa 600 unterschiedlichen Flughäfen unterwegs sind, ist es bei einer kommerziellen Airline mit einer größeren Flotte etwa die Hälfte. So hat Schafstein auch schon fast jeden Winkel dieser Erde selbst angesteuert – lediglich im Pazifik und Südamerika befinden sich noch ein paar weiße Flecken auf seiner persönlichen Landkarte. „Und auch wenn man in die Metropolen wie Los Angeles fliegt, sieht man meist nicht den großen internationalen Flughafen, sondern einen exklusiveren“, erzählt Schafstein.

Während Linienpiloten häufig dieselbe Strecke befliegen, muss er sich vor den meisten Flügen im Selbststudium mit den Begebenheiten auf der Route und am Zielort vertraut machen. „Deshalb ist für uns ein noch höheres Maß an Eigenverantwortung gefragt“, erklärt Schafstein. Stolpersteine gibt es genug: Der Luftraum über dem Nordatlantik hat besondere Regeln, in Russland wird das metrische System für Höhenangaben genutzt, und nach einem Start in Taiwan darf chinesisches Territorium nicht überflogen werden. Dann gibt es noch sogenannte „Special“-Airports, für die gar ein eigenes Training notwendig ist, wie beispielsweise London-City, wo der Anflugpfad besonders steil ist. Hier wird die Besatzung vor dem Flug im Simulator entsprechend geschult.

Neben diesen Aufgaben sind die Piloten der Business Jets auch ein Stück weit Dienstleister für die Kunden: Während Linienpiloten ihre Passagiere meist kaum sehen und sich der Kontakt auf die Begrüßungsansage beschränkt, ist für Schafstein und seine Kollegen kundenorientiertes Denken gefragt. So wird der Gast persönlich und mit Handschlag an der Limousine begrüßt, und es kann vorkommen, dass der Pilot den Koffer seines Fluggastes zum Flugzeug trägt.

Auch bei den Bodenabläufen steht der Pilot viel mehr in der Verantwortung. An den meisten Flughäfen arbeitet man mit einer Fremdfirma zusammen – gerade in Asien oder Afrika läuft das nicht immer reibungslos. „Da ist manchmal schon das Improvisationstalent gefragt“, sagt Schafstein.

Um als Pilot in der Business Aviation zu arbeiten, sind neben den erforderlichen kommerziellen Pilotenlizenzen (CPL oder ATPL) und der entsprechenden Flugerfahrung auch Soft Skills gefragt. Eine Typenberechtigung auf dem entsprechenden Muster ist meist ebenfalls von Vorteil. Die Gehälter sind von Firma zu Firma unterschiedlich und weichen teilweise stark vom Standard in der kommerziellen Fliegerei ab, sodass hier keine verbindliche Aussage getroffen werden kann. Bei DC Aviation geht es im aktiven Einsatz zweimal im Jahr in den Simulator, wo die Piloten für sämtliche Notfälle und besondere Situationen sensibilisiert und trainiert werden. Hinzu kommt ein jährlicher Checkflug während des täglichen Einsatzes im Flugzeug. 

Flexibilität muss ebenso vorhanden sein: Neben der typischen Bereitschaft zu Wochenend- und Nachtarbeit steht die Destination im Plan meist nicht zwingend fest. „Da wir auch Flüge mit wenigen Stunden Vorlaufzeit anbieten, wissen wir im Voraus meist nur, dass wir zu einem bestimmten Zeitraum Dienst haben“, erklärt Schafstein. Das Flugziel wird dann häufig kurzfristig am Telefon bekannt gegeben. Dann heißt es für Michael Schafstein wieder: Koffer packen und die Abwechslung erleben.

FLUG REUVE Ausgabe 09/2016

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Maximilian Kühnl


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