10.12.2014
FLUG REVUE

RettungshubschrauberpilotRetter aus der Luft: Besonnenheit ist gefragt

Mindestens 1000 Stunden Flugerfahrung müssen Bewerber mitbringen, wenn sie vorn rechts im Cockpit eines Rettungshubschraubers sitzen wollen. Bei dem anspruchsvollen Pilotenjob kommt es nicht darauf an spektakulär zu fliegen sondern souverän und verantwortungsbewusst.

DRF Luftrettung EC135 Verkehrsunfall

Schnelle Hilfe: ein DRF-Rettungshubschrauber vom Typ EC135 landet auf der Autobahn nach einem schweren Verkehrsunfall. Foto und ©: DRF Luftrettung  

 

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Die zweimotorigen Rettungshelikopter - in Deutschland sind es die Muster EC135, BK117, EC145 von Eurocopter und die Bell 412 (bei der DRF wird letztere jetzt sukzessive von der EC145 T2 abgelöst) - gibt es in Gelb, Rot-weiß oder Orange. Die Farben repräsentieren die drei größten Luftrettungsorganisationen in Deutschland. Gelb steht für die ADAC-Luftrettung, Rot-Weiß für die DRF Luftrettung und Orange für das Bundesamt für Bevölkerungshilfe und Katastrophenschutz (Innenministerium), in dessen Auftrag Piloten der Bundespolizei die Helikopter bedienen.

Nahezu überall, wo sich Rettungshubschrauber im Einsatz befinden, sind sie hoch geschätzt; nicht nur, weil Helikopter unter Luftfahrtenthusiasten generell recht beliebt sind, sondern weil auch ihren Piloten ein ganz besonderer Ruf vorauseilt. Rettungshubschrauberpiloten sind souverän, besonnen, verantwortungsbewusst. Der Beruf ist hoch angesehen. Abenteurer, die spektakuläre Showeinlagen fliegen, wird man in einem modernen Rettungshelikopter nicht finden.

Wer den langen Weg ins Cockpit eines Rettungshubschraubers geschafft hat, trägt große Führungsverantwortung und muss nicht selten blitzschnell abwägen zwischen medizinischer Notwendigkeit und der Sicherheit für Team und Patienten. So gehen beispielsweise bei der Auswahl eines sicheren Landeareals die Meinungen von Rettungsarzt und Pilot oft auseinander. Auf der einen Seite steht das Anliegen, so schnell und so dicht wie nur möglich beim Patienten zu landen, auf der anderen Seite steht die Flugsicherheit als oberstes Gebot für den Piloten, denn er allein trägt die Verantwortung an Bord, seine Entscheidung ist letztlich bindend.

Ruhe bewahren, auch wenn Eile geboten ist. Richtige Prioritäten setzen, auch wenn erst nach dem dritten Vollkreis über der Unfallstelle das sichere Landefeld gefunden ist. Sich souverän durchsetzen und sich auf keine Kompromisse einlassen. Das sind Eigenschaften, die ein Rettungshubschrauberpilot unbedingt mitbringen muss.

ADAC-Luftrettung und DRF Luftrettung unterhalten in Deutschland derzeit 64 Luftrettungszentren (ADAC: 35, DRF: 29). Bis vor wenigen Jahren rekrutierten beide Organisationen ihren Nachwuchs aus den Reihen ehemaliger Bundeswehr- und Polizeipiloten. Damit war schon bei der Einstellung gewährleistet, dass der Kandidat auch ausreichende Erfahrung im Tiefflug, bei grenzwertigen, kritischen Wetterverhältnissen und bei Landungen in unbekanntem Terrain mitbringen würde.

Heute finden ADAC und DRF ihren Nachwuchs mangels militärischen Angebots auch auf dem freien Markt bei kommerziellen Flugschulen oder Helikopterunternehmen. Der Bedarf liegt derzeit bei jährlich rund zwei Dutzend neuer Piloten, wobei die Unternehmen unterschiedliche Einstiegsbedingungen für ihre Kapitäne und Copiloten haben. So fordert die in München beheimatete ADAC-Luftrettung neben mindestens 1000 Flugstunden als verantwortlicher Pilot (davon mindestens 500 als Copilot in der Luftrettung oder in vergleichbaren Einsatzspektren) auch einen psychologischen Eignungstest durch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Die DRF Luftrettung (Hauptsitz: Filderstadt) verzichtet auf den DLR-Test, verlangt aber mindestens 1500 Flugstunden, 1000 davon auf Turbinenmustern.


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