27.04.2015
Erschienen in: 02/ 2014 FLUG REVUE

Jedes Möbel ist ein UnikatTischlerin im Completion Center von Lufthansa Technik

Kathrin Impelmann ist Tischlerin in der Möbelwerkstatt des Completion Centers von Lufthansa Technik in Hamburg. Sie verleiht Möbeln in VIP-Flugzeugen hochwertige, holzfurnierte Oberflächen – eine Arbeit, die nicht nur große Präzision, sondern auch ein gutes Vorstellungsvermögen verlangt.

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Katrin Impelmann benötigt ein gutes Auge, um die Möbelstücke mit kostbaren Furnieren zu veredeln. Dabei schafft sie nur Unikate. Foto und Copyright: Sonia Brüggemann  

 

Vogelaugenahorn, finnische Eisbirke und Robinga – wenn Kathrin Impelmann von den verschiedenen Holzfunierarten spricht, ist sie in ihrem Element. Die Tischlerin ist zusammen mit zwei Kollegen für das Furnieren der Möbel für VIP-Flugzeugkabinen zuständig. Neben dem Fachwissen über die verschiedenen Furnierarten braucht sie für ihre Arbeit auch ein sehr gutes Auge, starkes räumliches Vorstellungsvermögen und handwerkliches Geschick im Umgang mit den dünnen, oft auch kostbaren Holzblättern.

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Die Paneele werden jeweils aus mehreren Streifen oder Blättern zusammengefügt. Für eine große Schiebetür mit intensiver Maserung können es schon mal 16 einzelne Blätter sein. Foto und Copyright: Sonia Brüggemann  

 

Nach ihrer Schulausbildung entschied sich Kathrin Impelmann für eine Lehre zur Tischlerin. „Ich wollte keinen Bürojob machen, sondern einen praktischen, handwerklichen Beruf erlernen. Dass es dann die Tischlerei wurde, war eher Zufall”, erzählt sie. „Es ist sehr schön, etwas zu mit den Händen zu bauen und am Ende des Tages zu sehen, was man geschafft hat.“

Zunächst arbeitete sie weiter in ihrem Ausbildungsbetrieb und später in einer anderen Tischlerei in Hamburg. „Irgendwann wusste ich, wie es geht. Ich suchte nach neuen Herausforderungen“, blickt sie zurück. So traf es sich gut, dass Lufthansa Technik Anfang 2001 die Möbeltischlerei im VIP-Bereich ausbaute. Als Kathrin Impelmann dort anfing, entschied sie sich spontan für die Arbeit mit Furnieren. „Es hat einfach gepasst“, beschreibt sie die Begeisterung für ihren Beruf.

Möbel für VIP-Flugzeuge werden individuell nach Designplänen erstellt, in denen die Wünsche und Vorstellungen der Flugzeugbesitzer verwirklicht werden. Um Gewicht zu sparen und den Brandschutzbestimmungen zu entsprechen, werden die Möbelstücke aus leichtem und stabilem Sandwichmaterial gebaut. Jedes einzelne ist eine Maßanfertigung und ein Unikat. Mit den Holzfurnieren aus der Werkstatt von Kathrin Impelmann werden die Möbel zu edlen Einrichtungsgegenständen.

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0,6 millimeter dünn sind die fein gezeichneten Holzlagen. Maserung und Farbe müssen bei Flächen immer stimmen. Foto und Copyright: Sonia Brüggemann  

 

Das Furnier, das sie und ihre Kollegen verarbeiten, stammt von echtem Holz. Die Baumstämme sind zumeist geviertelt und dann entlang der Wuchsrichtung in 0,6 Millimeter dünne „Bretter“ geschnitten worden. Die einzelnen Blätter werden dann wieder in exakt der gleichen Reihenfolge zusammengelegt und durchnummeriert. „Mit nur wenigen Blättern Abstand kann sich die Maserung schon stark verändern. Damit ein Möbel oder ein Raum mit furnierten Möbeln harmonisch und stimmig aussieht, verwenden wir in benachbarten Bereichen möglichst nah beieinander liegende und gleichbreite Blätter“, erklärt Kathrin Impelmann.

Welche Holzoberfläche die Möbel in einem Flugzeug bekommen, entscheidet der Kunde. Der Geschmack ist dabei so unterschiedlich wie die Holzarten. Die Bandbreite ist sehr groß – es gibt helle und dunkle Hölzer, weiße, gelbe oder rote Schattierungen, mehr oder weniger stark ausgeprägte Maserungen, Augen oder Streifen. Häufig werden Muster angefertigt und die Bäume bis zur Entscheidung des Kunden beim Furnierhändler reserviert.

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Die Kunden suchen häufig das Holz persönlich aus und lassen sich den Baum reservieren. Foto und Copyright: Sonia Brüggemann  

 

Bevor die Furniere auf die Möbel geklebt werden, planen die Tischler ihre Arbeit genau. „Wir machen uns Gedanken über die Bereiche, die furniert werden sollen. Wo sind größere, zusammenhängende Flächen? Dann gleichen wir die Designplanung mit der Furnierqualität ab. Die Aufteilung erfolgt nach Maserung und Farbe – und ist manchmal auch ein wenig Geschmackssache“, erklärt Kathrin Impelmann. Die Paneele werden jeweils aus mehreren Streifen oder Blättern zusammengefügt. Für eine große Schiebetür mit intensiver Maserung können es schon mal 16 einzelne Blätter sein, die so ausgewählt und zusammengesetzt werden, dass ein harmonisches Muster entsteht. Kathrin Impelmann lacht: „Dabei mag ich Puzzlen privat gar nicht.“

Die Furnierblätter werden mit Hilfe von markanten Punkten exakt aufeinandergelegt, mit einer Stanze zugeschnitten, an den Kanten zusammengeleimt und per Heißpressverfahren auf die Flächen geklebt. Für gekrümmte Flächen verwenden die Tischler ein Vakuumpressverfahren mit einer Folie, die sich genau an die Formen anpasst. In den zehn Jahren, die Kathrin Impelmann in der Möbeltischlerei arbeitet, hat sich viel getan. Die Klebeprozesse wurden verbessert, die Arbeitsabläufe beschleunigt und neue Maschinen eingeführt. „Wir sind besser und schneller geworden“, sagt sie.

Möbel für Möbel und Paneel für Paneel entstehen Einzelstücke, die sich dank der guten Vorplanung beim Einbau ins Flugzeug zu einem stimmigen Gesamtbild fügen. Für die VIP-Kabine eines Großraumflugzeugs mit vielen Holzoberflächen verarbeiten Impelmann und ihre Kollegen mehrere Baumstämme in weniger als einen Millimeter dicken Schichten. „Wir haben keine Toleranzen, und wir stellen an uns selbst höchste Ansprüche an Handwerk und Qualität“, sagt sie. „Das gefällt mir auch so gut: selbständiges Arbeiten in absoluter Perfektion.“

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Katjana Nikoleit


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