02.09.2008
FLUG REVUE

Beispiel Luftfahrtstandort PilotinPilotin bei Hamburg International - Katrin Burkart

Als Ergänzung zu den Beschreibungen der Berufe hat sich die Initiative Luftfahrtstandort Hamburg umgesehen, wie die Arbeit einzelner Mitarbeiter aussieht.

Mit 14 Jahren ist Katrin Burkart das erste Mal geflogen und war sofort Feuer und Flamme. Das Gefühl über den Wolken zu schweben war einfach phantastisch. Der Himmel sollte, nein musste ihr Arbeitsplatz werden, koste es was es wolle. Insgesamt 78.000 Euro investierte Katrin Burkart (25) für ihren Traum und machte einen Pilotenschein.

Der Beruf vereinte all ihre Interessen und Vorlieben: Technik, Meteorologie, Kommunikation, Englisch und natürlich die Faszination Fliegen. Seit zwei Jahren bringt sie nun für die Fluggesellschaft Hamburg International täglich rund 150 Gäste in verschiedenste europäische Urlaubsregionen."Mal ehrlich, wenn man etwas als Teenager toll findet, dann macht man das ja nicht sofort zu seinem Beruf", gibt Katrin Burkart (25) zu. "Doch seitdem ich das erste Mal geflogen bin, ein Linienflug mit meiner Mutter von Düsseldorf nach London, war ich derartig verrückt nach Flugzeugen, dass ich mir für mein Berufsleben gar nichts anderes mehr vorstellen konnte."

Also informierte sie sich nach den Jobmöglichkeiten über den Wolken. Stewardess? Das ist zwar ein beliebter Beruf für Frauen, aber nichts für die technikbegeisterte Westfälin "Im Berufsbild Pilot vereinen sich zudem all meine Vorlieben und Interessen. Mathe und Physik, aber auch Meteorologie und Englisch. Man sollte auf jeden Fall technisches Verständnis mitbringen", bemerkt sie. "Darüber hinaus hängt der Flug sehr vom Wetter ab.Ob Sonne, Regen, Gewitter oder Schnee – man muss sich immer neu darauf einstellen,die beste Bahn und den sichersten Kurs auswählen."

Die Luftverkehrssprache ist englisch.Nicht zuletzt erfordert der Beruf ausgeprägte soziale Kompetenzen, da man immer wieder mit verschiedenen Menschen zu tun hat und diese führen muss, auch bei "Turbulenzen"inner- und außerhalb des Flugzeugs. Piloten haben keine feste Crew wie es in Hollywoodfilmen immer vermittelt wird.

Obwohl Pilot längst kein typischer Männerberuf mehr ist, sitzen doch vergleichsweise wenige Frauen im Cockpit. Noch nicht einmal zehn Prozent der Piloten sind weiblich. Dabei ist der Job gerade für Frauen äußerst interessant. Es gibt viele Teilzeitmodelle.

Zudem tritt der Kraftaufwand in den Hintergrund, da moderne Flugzeuge heute hydraulisch gesteuert werden. Das heißt, bei Turbulenzen muss man,bzw. frau das Flugzeug nicht mehr mit aller Kraft halten.

Zunächst einmal gilt es aber, die schwere Hürde in die Ausbildung zu schaffen. Ihren ersten Versuch startete Katrin Burkart bei Lufthansa. Um hier einen der begehrten Ausbildungsplätze zu bekommen, musste sie in Hamburg einen Eignungstest in der psychologischen Abteilung des DLR (Deutsches Zentrum fürLuft- und Raumfahrt) absolvieren. Dieser war nicht ohne.

"Allein für Lufthansa haben wir im vergangenen Jahr 5.129 Bewerber getestet. Davon haben nur 220 alle Prüfungen bestanden und durften in Bremen ihre Ausbildung beginnen", sagt Dr. Dirk Stelling, Diplom-Psychologe und Leiter der Abteilung Cockpit.

Das Problem ist: Als Pilot muss man in allen Bereichen gut sein. Man kann einen schlechten Test nicht mit einem guten ausgleichen.Sehr zum Leidwesen von Katrin Burkart. Ihre gesundheitlichen Voraussetzungen waren hervorragend. Sogar ihre minus 1,25 Dioptrien waren kein Problem. Auch alle weiteren Prüfungen der Berufsgrunduntersuchung meisterte sie mit Bravour. "Nur die Flugnummern beim Simultan-Arbeitstest haben mich aus der Bahn geworfen. Das ist heute für mich überhaupt kein Problem mehr", stellt sie fest. Die Prüfer nannten ihr verschiedene Flugnummern,wie etwa HI 3258, die wurden verdreht und sie musste sie neu ordnen.

Für die Abiturientin brach nach der Absage eine Welt zusammen. Was nun? Sie erkundigte sich nach Alternativen. Merkte jedoch schnell, dass es für sie keine Alternativen gibt. "Ich konnte mir nichts anderes vorstellen. Fliegen war mein Traumjob. Ich musste Pilotin werden", schwor sie sich. Sie schaute sich private Flugschulen an und entschied sich für die FMG-Verkehrsfliegerschule (heute FMG - Flight Training) am Flughafen Paderborn/Lippstadt.

Ein kleiner Flughafen unweit von Dortmund. Zunächst stand viel Theorie auf dem Stundenplan, bevor sie ihre ersten Flugstunden nehmen durfte. Ihr erstes Ziel war die Privatpilotenlizenz, ihr zweites die Lizenz für Verkehrspiloten(ATPL - Airline Transport Pilot License). Die hatte sie nach eineinhalb Jahren und einer Investition von 60.000 Euro erreicht. Weitere 18.000 Euro fielen fürs so genannte TypeRating an.

Beim Type-Rating wird man auf das Fliegen eines größeren Verkehrsflugzeuges vorbereitet. Katrin Burkart lernte ein halbes Jahr bei Hapag Lloyd in Mönchengladbach und Düsseldorf auf einer Boeing. Ihre Eltern steuerten einen großen finanziellen Teil dazu bei, um den Traum ihrer einzigen Tochter zu finanzieren. "Sie haben mich immer unterstützt, auch moralisch", sagt Katrin dankbar und schmunzelt: "Sie konnten auch gar nicht anders. Ich war so Feuer und Flamme für diesen Beruf."

Ihre Initiativ-Bewerbung bei Hamburg International hatte Erfolg. Im Juli 2006 startete sie für die Fluggesellschaft ihre erste Boeing 737 nach Antalya. Dass sie 148 Passagiere und die Besatzung im Nacken hatte, konnte sie nicht aus der Ruhe bringen. "Man macht einfach die Cockpittürhinter sich zu und ist nur zu zweit. Der Kapitän links und ich rechts als Co-Pilotin.

Jeder der anfängt, startet als Co-Pilot. Das heißt jedoch nicht, dass man nur funkt, die Frequenzen einstellt und dem Kapitän zuarbeitet. "Wir wechseln uns immer ab beim Fliegen. Einer fliegt hin, der andere zurück. Einer ist der Pilot-flying, einer der Pilot-nonflying", sagt Katrin

Keine Angst vor der Verantwortung? "Natürlich ist das schon eine große Verantwortung,die man als Pilot trägt. Aber man darf nicht vergessen, bei jeder Entscheidung, die man da oben trifft, entscheidet man auch für sich und sein Leben. Und bei Gefahrensituationen will ich schließlich selbst auch heil herunterkommen."

Genauer ansehen kann sie sich die fernen Städte selten. Denn meist geht es sofort wieder zurück. Wie heute, da war sie nur eine Stunde in Antalya.Um fünf nach fünf hat sich die Crew am Airport Hamburg zum Check-in getroffen. Eine Stunde vor der offiziellen Abflugzeit.

"Wir haben uns die Flugpläne und die Wettervorhersage angeschaut und geprüft, ob es irgendwelche Besonderheiten an den Flughäfen gibt, ob zum Beispiel Bahnen gesperrt sind. Dann haben wir Kabine und Cockpit vorbereitet", berichtet Karin Burkart von ihrem "ganz normalen Alltag".

In Antalya blieb kaum Zeit, sich die Beine zu vertreten. Katrin musste fix organisieren, dass der Flieger aufgetankt wird und den Flugplan in den Bordcomputer eingeben. Eine Stunde später stiegen auch schon die nächsten Passagiere gen Hamburg ein. Da übernahm sie das Steuer.

Zum Schluss hat sie noch einen Tipp für alle parat, die Blutgeleckt haben: "Probiert es zunächst mit Segelfliegen! Das ist eine tolle und günstige Sache,um Flugluft zu schnuppern und mit dem Fliegen zu beginnen…"




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