20.01.2010
FLUG REVUE

A400M: Airbus zieht positive Flugtestbilanz

Bei sieben Flügen war die A400M bisher 30 Stunden in der Luft. Derzeit erhält der erste Prototyp in Sevilla zusätzliche Ausrüstung, bevor die Versuche Mitte Februar weiter gehen.

Während in Deutschland das Handelsblatt heute mit einer Titelgeschichte unter der Überschrift „Prüfer werfen EADS Missmanagement vor“ die Diskussionen um die Fortsetzung des Programms weiter anheizte, zog Airbus Military am Mittwoch eine erste Bilanz der bisherigen Flugerprobung.

Bisher habe man in in sieben Flügen 30 h 20 min Flugzeit erreicht, erklärte Fernando Alonso, Chef der Airbus-Flugtestabteilung vor Fachjournalisten in Toulouse. Das sei zwar etwas weniger als in einem normalen Vierwochen-Zeitraum geplant, aber angesichts der Weihnachtsfeiertage und des extrem schlechten Wetters in Sevilla (erstmals Schnee seit vielen Jahrzehnten) durchaus zufriedenstellend.

Man habe den Flugbereich inzwischen von der Überziehwarnung bis zur normalen Manövergeschwindigkeit von 300 kts (555 km/h) und in eine Höhe von Flight Level 340 (10350 m) eröffnet, ergänzte Ed Strongman, Cheftestpilot für Militärprogramme. Fünf Piloten saßen bereits am Steuer des Militärtransporters, darunter auch der Karl-Heinz Mai aus Deutschland. Dieser zeigte sich im Gespräch mit der FLUG REVUE sehr angetan vom einfachen Handling und der Wendigkeit des 130-Tonners. Mai lobte vor allem das Head-up-Display (Blickfelddarstellungsgerät), das exzellent als primäre Anzeige genutzt werden könne.

Laut Alonso und Strongman sind bisher keine gravierenden Probleme aufgetreten, die eine zügige weitere Flugerprobung erschweren könnten. Kleinigkeiten wie zu enge Warnlimits bei den Sensoren für den statischen Druck würden in den ohnehin geplanten Softwareupdates behoben. Auch beim FADEC (Triebwerkssteuerung) seien die Einstellungen generell gut, aber hier liegt noch einige Arbeit bezüglich der Feinabstimmung zum Beispiel bei den Propellerstellungen am Boden vor den Testteams.

Die bei den ersten Rollversuchen aufgetretene Überhitzung im hinteren Bereich der Triebwerksgondeln habe man durch eine kleine Änderung der Verkleidung offenbar behoben, so Strongman. Die Temperaturreserven bei ungünstigen Bedingungen seien nun sehr viel größer.

Was leichte Vibrationen beim Ausfahren des Bugrads und Strömungsablösungen an der Hauptfahrwerksverkleidung betrifft werde man noch einige Tests machen, aber man habe einige Möglichkeiten, die Probleme zu lösen, ist sich Strongman sicher.

Bei der nun laufenden Umrüstphase werden einige Änderungen an der Softwar integriert, so dass man auch die Frachtür öffnen kann. Dazu kommen einige Strukturarbeiten und die Installation von Hilfsraketen im Heck. Mit ihnen kann man die A400M bei Überziehversuchen im Notfall wieder zurück in die Horizontallage bringen.

Die MSN 1 soll Mitte Februar wieder in den Flugtest gehen und dann wohl bald nach Toulouse überführt werden. Ihren Platz in Sevilla nimmt dann MSN 2 ein, die in der dritten Februarwoche an die Flugtestabteilung übergeben werden soll. Der Erstflug ist für März geplant.



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