27.07.2016
FLUG REVUE

Probleme bei A400M und A350Airbus muss 1,4 Milliarden Euro abschreiben

Hohe zusätzliche Aufwendungen belasten das Ergebnis des Airbus-Konzerns im ersten Halbjahr. Im zweiten Halbjahr müssen enorme Lieferverzögerungen bei der A320neo und der A350 aufgeholt werden.

A400M Farnborough 2016

Die A400M bleibt eine erhebliche finanzielle Belastung für den Airbus-Konzern (Foto: K. Schwarz).  

 

Trotz aller Schwierigkeiten hat die Airbus Group in ihrer am Mittwoch vorgelegten Halbjahresbilanz die Prognose für 2016 bestätigt. „Die Finanz- und Ertragslage des ersten Halbjahres spiegelt den bereits angekündigten Auslieferungsplan mit Schwerpunkt im zweiten Halbjahr wider“, sagte Chief Executive Officer Tom Enders. „Leider sehen wir uns mit neuen Belastungen bei den Programmen A400M und A350 konfrontiert. Verluste bei diesen Programmen konnten zwar durch hohe Veräußerungsgewinne aus der Anpassung des Portfolios gemindert werden, dennoch sind sie schlicht nicht hinnehmbar!“

Bei der A350 XWB ergeben sich aufgrund des beschleunigten Hochlaufs der Produktion „Herausforderungen bezüglich der Leistungsfähigkeit der Lieferkette. Dabei ist die Kabine nach wie vor das kritische Element und die Annäherung der laufenden Kosten an die Zielvorgaben verzögert sich durch ausstehende Arbeiten“, so Airbus. Deshalb war im zweiten Quartal zusätzlich zu den bisherigen Drohverlustrückstellungen eine Belastung in Höhe von € 385 Mio. zu verbuchen. Dabei ist auch eine langsamere Steigerung und Staffelung der Auslieferungen berücksichtigt.

A400M-Programm mit massiven Problemen

Im A400M-Programm wurden in der ersten Jahreshälfte 2016 fünf A400M an Kunden übergeben. Die Europäische Flugsicherungsbehörde EASA hat eine Zwischenlösung für das Propellergetriebe zertifiziert. Sobald diese ausgeliefert ist, bleiben den Luftstreitkräften mindestens 650 Flugstunden bis zur Erstinspektion der betroffenen Teile des Propellergetriebes.

Die Qualitätsprobleme mit dem Propellergetriebe wirken sich massiv auf die Auslieferungen an die Kunden aus. Das Management überprüfte daraufhin die Entwicklung des Programms und das erwartete Auftragsergebnis unter Berücksichtigung der aktuellen Auswirkungen des überarbeiteten Triebwerksprogramms und der geplanten Aufholmaßnahmen, der technischen Probleme im Zusammenhang mit der für einige Flugzeugteile verwendeten Aluminiumlegierung, der Annäherung der laufenden Kosten an die Zielvorgaben sowie der Verzögerungen, Anpassungen und Kostenüberschreitungen im Entwicklungsprogramm.

Aufgrund dieser kritischen Überprüfung, die auch eine aktualisierte Annahme für Exportaufträge während der Anlaufphase beinhaltete, verbuchte Airbus Defence and Space einen zusätzlichen Nettoaufwand von € 1.026 Mio. Geschäftsverhandlungen mit der OCCAR und den Kundennationen bezüglich des überarbeiteten Lieferplans und seiner Auswirkungen stehen noch aus. Derzeit lässt sich nicht zuverlässig einschätzen, wie das Ergebnis dieser Verhandlungen ausfallen wird. Die potenziellen Auswirkungen auf den Abschluss könnten beträchtlich sein.

Verkäufe von Firmenteilen spülen Geld in die Kasse

Der Auftragseingang der Airbus Group belief sich im ersten Halbjahr 2016 auf € 39,1 Mrd. (H1 2015: € 53,9 Mrd.), der Auftragsbestand lag zum 30. Juni 2016 bei € 978 Mrd. (Jahresende 2015: € 1.006 Mrd.). Der Auftragsbestand von Airbus Defence and Space verringerte sich aufgrund des geänderten Konsolidierungskreises um € 4,6 Mrd. Airbus verbuchte 183 Nettobestellungen für Zivilflugzeuge (H1 2015: 348 Nettobestellungen). Airbus Helicopters verbuchte 127 Nettobestellungen (H1 2015: 135 Nettobestellungen).

Der Umsatz des Konzerns lag stabil bei € 28,8 Mrd. (H1 2015: € 28,9 Mrd.). Obwohl die Zahl der Flugzeugauslieferungen auf 298 zurückging (H1 2015: 304 Auslieferungen), blieb der Umsatz der Airbus Division, unterstützt durch einen stärkeren US-Dollar-Hedging-Kurs, stabil. Der Umsatz von Airbus Helicopters sank trotz der auf 163 Hubschrauber gestiegenen Auslieferungen (H1 2015: 152 Auslieferungen) um 9 Prozent, was auf einen ungünstigen Produktmix zurückzuführen war. Der Umsatz von Airbus Defence and Space blieb weitgehend stabil.

Das Konzern-EBIT vor Einmaleffekten – die Kennzahl zur Erfassung der operativen Gewinnspanne ohne Berücksichtigung von Einmaleffekten aus Rückstellungsveränderungen für Programme und Restrukturierungen oder Währungsschwankungen – lag bei € 1.684 Mio. (H1 2015: € 1.883 Mio.). Das EBIT vor Einmaleffekten von Airbus Commercial belief sich auf € 1.270 Mio. (H1 2015: € 1.533 Mio.) und spiegelt vor allem den Auslieferungsplan mit Schwerpunkt im zweiten Halbjahr, den Rückgang der A330-Produktion und die Preisabschläge in der Umstellungsphase der A320/A330-Fertigung wider. Das EBIT vor Einmaleffekten von Airbus Defence and Space stieg um 22 Prozent auf € 325 Mio. (H1 2015: € 267 Mio.).

Neben den oben erwähnten Belastungen bei A400M und A350 XWB wurde das EBIT durch eine Negativwirkung in Höhe von € 509 Mio. aufgrund der Differenz von Dollar-Zu- und Abflüssen zu unterschiedlichen Zeitpunkten und aufgrund bilanzieller Neubewertungen, einen Nettoveräußerungsgewinn von € 1.139 Mio. im Zusammenhang mit der Gründung des Joint Ventures Airbus Safran Launchers, einen Nettoveräußerungsgewinn von € 868 Mio. im Zusammenhang mit dem Verkauf von Anteilen an Dassault Aviation und der Erfassung der im Rahmen des Umtauschanleiheprogramms verbleibenden Aktien zum beizulegenden Zeitwert, sowie einen Gesamt-Nettoveräußerungsgewinn von € 85 Mio. im Zusammenhang mit Portfoliobereinigungen bei Airbus Commercial und Airbus Defence and Space beeinflusst.



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