30.12.2015
Erschienen in: 06/ 2014 FLUG REVUE

MeisterklasseAlenia Aermacchi M-346 Master

Mit seiner leistungsstarken und wendigen M-346 will Alenia Aermacchi künftige Piloten optimal auf die Anforderungen moderner Fighter vorbereiten. Ein integriertes Trainingssystem soll die Gesamtkosten der Ausbildung minimieren. Bisher setzen vier Länder auf das Konzept der italienischen Spezialisten.

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Die ziemlich geschrumpften Luftstreitkräfte vieler westlicher Länder benötigen zwar längst nicht mehr so viele Piloten wie noch zu Zeiten des Kalten Kriegs, doch die knappen Kassen zwingen auch im Bereich der Ausbildung zur Kostenoptimierung. „Die Kunden wollen besser ausgebildete Crews in der gleichen Trainingszeit. Sie haben auch in diesem Bereich kein Geld mehr zu verschenken“, weiß Emanuele Merlo, bei Alenia Aermacchi für das Integrierte Trainingssystem des Unternehmens zuständig. 

Ziel muss es deshalb sein, die Kosten der „Pilotenproduktion“ deutlich zu senken. Dies erfordert es aus Sicht der italienischen Spezialisten, mit möglichst preisgünstigen Flugzeugen einen möglichst großen Teil der Schulung zu absolvieren. Das nicht ganz neue Konzept des „Downloading“ sieht vor, dass die angehenden Fighterpiloten sich viele Fähigkeiten auf leichten Jets und Fortgeschrittenentrainern aneignen. Extrem teure Stunden auf Kampfflugzeugen wie Eurofighter oder F-35 können dann bei der Schulung bis zur Einsatzreife eingespart werden.

Das setzt laut Alenia Aermacchi allerdings voraus, dass die Schulflugzeuge nicht nur über modernste Avionik mit eingebauten Simulationsfunktionen für Radar und Waffeneinsatz verfügen, sondern auch bei Parametern wie Schub-Gewichts-Verhältnis, Wenderaten oder maximalem Anstellwinkel nicht zu stark gegen das Einsatzmuster abfallen. Einen direkten Umstieg von Hochleistungs-Turboprops auf Kampfjets, wie ihn die Schweiz mit der PC-21 derzeit praktiziert, ist in der Gesamtabrechnung zu teuer, finden die Italiener.

In Venegono Superiore, wo schon Jettrainer wie die MB-326 oder die MB-339 entstanden, wurde deshalb bereits Mitte der 1990er Jahre – zunächst in Kooperation mit Jakowlew– an einem neuen Hochleistungstrainer gearbeitet. Wie die Jak-130 und Chinas Hongdu L-15 setzt die M-346 auf eine kompakte Zelle und Sicherheit durch zwei Triebwerke. Die aerodynamische Auslegung erlaubt Anstellwinkel von bis zu 40 Grad und Rollraten von über 200 Grad pro Sekunde. Dank des elektronischen Steuersystems können die Flugeigenschaften variiert werden.

Die Cockpits der M-346 Master entsprechen mit drei großen Farbbildschirmen (12,7 x 12,7 cm) und Head-up-Display dem aktuellen Stand. Sogar die Nutzung eines Helmdisplays von VSI ist möglich. Eine wesentliche Eigenschaft des Trainers ist es, dem Schüler auf seinen Displays eine ganze Reihe von Systemen und Szenarien zu simulieren. Radarwarnempfänger weisen auf Bedrohungen hin. Auf einem virtuellen Radarbild lassen sich bei Abfangübungen somit diverse gegnerische Flugzeuge einspielen. Wird dann eine (nicht real vorhandene) Lenkwaffe zu deren Bekämpfung gewählt und verschossen, ist auch das Ergebnis sichtbar.

Sobald die Entwicklung in etwa einem halben Jahr abgeschlossen ist, kann die M-346 auch in Szenarien mit einem Flügelmann operieren, der am Boden im Simulator sitzt. Das Integrated Training System von Alenia Aermacchi umfasst nämlich, wie heute üblich, auch ausgefeilte Missionssimulatoren. Dazu kommen unter der Kontrolle eines Managementsystems Verfahrenstrainer und für die Theorie computergestützte Ausbildungslektionen. Besonders relevant ist aus Sicht von Alenia Aermacchi auch die Verwendung von Missionsplanungs- und Debriefingsystemen, wie sie heute bei Einsatzmustern verwendet werden.

Man hat in Venegono Superiore also viel Aufwand betrieben, um mit Lieferanten wie CAE ein überzeugendes Komplettpaket zu schnüren. Dennoch dauerte es nach dem Erstflug der M-346 im Juli 2004 seine Zeit, bis sich erste Verkaufserfolge einstellten. Dies nicht zuletzt deshalb, weil die Zelle in den folgenden Jahren noch einmal deutlich umkonstruiert wurde, um Gewicht zu sparen und die Wartung zu vereinfachen.

Natürlich musste die Aeronautica Militare Italiana die Rolle des Erstkunden übernehmen. Mit Hilfe des Industrieministeriums wurden daher im November 2009 sechs Flugzeuge (plus neun Optionen) bestellt, die als T-346 bezeichnet werden. Die ersten beiden gingen im April 2011 an die Versuchsstaffel 311. Eines musste Alenia Aermacchi nach dem Absturz eines Prototyps im Mai 2013 zurückmieten, um noch ausstehende Flugtests durchzuführen. Beim Ausbildungszentrum der italienischen Luftstreitkräfte in Lecce sollen ab Mai weitere Versuche durchgeführt werden. Mit dem ersten Kurs auf der T-346 ist Anfang 2016 zu rechnen.


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