14.01.2016
Erschienen in: 01/ 2016 FLUG REVUE

Delta-BomberAvro Vulcan nimmt Abschied

Die Ikone der britischen Luftfahrtindustrie beeindruckte auch in ihrer letzten Saison zahllose Zuschauer. Die „XH558“ war der Topstar jeder Airshow. Künftig soll der einzigartige Delta-Bomber im Mittelpunkt einer „Luftfahrtakademie“ auf dem Robin Hood Airport in Doncaster stehen.

fr 01-2016 Avro Vulcan (02)

Die Avro Vulcan war auch in ihrem letzten Jahr noch Star jeder Airshow. Foto und Copyright: Crown Copyright  

 

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Selbst hartgesottenen Flugtag-Besuchern stockte der Atem, als Kev Rumens beim Royal International Air Tattoo in Fairford die Vulcan sofort nach dem Abheben in eine Rechtskurve zwang – so tief, dass die Spitze des rechten Deltaflügels fast den Boden zu berühren schien. Auch der Rest der Vorführung mit den extremen Steigflügen, den Schräglagen von teils über 90 Grad und den im Kontrast dazu eingestreuten leisen Vorbeiflug beeindruckte.

„Wir sind immer im zulässigen Flugbereich geblieben“, versicherte Martin Withers, Chefpilot und Einsatzleiter des „Vulcan to the Sky Trust“. Jene, die die Vulcan in den 1980er und 1990er Jahren im Dienst der Royal Air Force gesehen haben, werden bestätigen, dass die zivil betriebene „XH558“ vergleichsweise zahm vorgeführt wurde. Dies nicht zuletzt deshalb, weil die Restlebensdauer der Zelle und der Triebwerke immer im Auge bleiben musste. Am Ende war die mehr als 60 Jahre alte Maschine zehn Prozent länger in der Luft als jede andere der einst 136 gebauten Vulcan-Bomber.

Nach der bejubelten Rückkehr in die Luft im Oktober 2007 hatte die Stiftung  „Vulcan to the Sky“ als neuer Eigner des letzten britischen V-Bombers auf 250 Flugstunden gehofft – eine Zahl, die deutlich übertroffen wurde. Möglich wurde dies bei aller eigenen technischen Expertise des Wartungsteams der Vulcan Operating Company nur durch die Unterstützung zahlreicher Firmen der britischen Luftfahrtindustrie. Eine zentrale Rolle spielten dabei BAE Systems als Rechtsnachfolger des Herstellers Avro, Rolls-Royce als Hersteller der Olympus-Triebwerke (ursprünglich von Bristol) und Marshall Aerospace als gesamtverantwortlicher Ansprechpartner der Zulassungsbehörde CAA (Civil Aviation Authority).

„Marshall Aerospace schrieb der Stiftung im April 2013 mit dem Vorschlag, die Flüge Ende 2015 einzustellen“, bedauert Dr. Robert Pleming, Chef von Vulcan to the Sky. „Wir … arbeiteten mit Unterstützung von Rolls-Royce daran, wie man die Triebwerkslebensdauer als Schlüsselfaktor verlängern könnte. Im Januar 2015 schrieb uns Marshall Aerospace erneut, um nochmals klarzustellen, dass ihre Unterstützung und die von BAE Systems und Rolls-Royce Ende 2015 enden würde”, erzählt Pleming.

So blieb dem Vulcan to the Sky-Team nichts anderes übrig, als für eine unvergessliche Abschiedssaison des Deltaflüglers zu sorgen. Über 30 Airshows standen auf der Liste, von den üblichen Auftritten auf den großen Flugtagen wie dem Royal International Air Tattoo bis hin zu speziellen Touren quer übers Land. Unter dem Motto „Salute the V-Force“ wurden am 27. und 28. Juni zum Beispiel alle Orte in Großbritannien überflogen, an denen noch ein kompletter Bomber der Typen Vulcan, Victor oder Valiant zu sehen ist.

Der letzte Auftritt auf einem Flugtag war am 4. Oktober bei der auf dem Grasplatz in Old Warden angesiedelten Shuttleworth Collection. Diesen Termin hatte man zusätzlich ins Programm genommen, weil auch hier der „Vulcan Effect“ gewirkt hatte: Der erste Besuch über Old Warden am 5. Juli hatte dazu geführt, dass zum ersten Mal alle Tickets einer Veranstaltung der Shuttleworth Collection schon im Vorverkauf restlos weggingen.

Nach Old Warden folgten noch zwei  Touren über Großbritannien. Am 10. Oktober wurden Orte wie Samlesbury und Woodford (BAE-Werke) oder Derby (Sitz von Rolls-Royce) überflogen, während es am 11. Oktober Richtung Süden ging. Auch hier warteten tausende von Zuschauern auf die Überflüge in Farnborough, Filton, Cardiff oder Bruntingthorpe.


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