21.04.2011
FLUG REVUE

BDLI sieht gute Ergebnisse für 2010 aber Probleme im Rüstungsbereich

Die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie konnte 2010 in allen Segmenten Zuwächse erzielen. Das Wachstum betrug 4,5%, der Gesamtumsatz erreichte mit 24,7 Mrd. Euro einen neuen Höchstwert (Vorjahr: 23,6 Mrd. Euro). Allerdings sind die Branchensegmente trotz des insgesamt guten Ergebnisses unterschiedlich zu bewerten.

Laut Branchenverband BDLI verzeichneten die Beschäftigtenzahlen 2010 ein leichtes Plus von 1,8% und liegen nun bei rund 95.400. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung blieben 2010 mit rund 17% des Branchenumsatzes auf dem hohen Niveau der Vorjahre. Der Exportanteil betrug – gemessen am Umsatz der Gesamtbranche - im vergangenen Jahr rund 68% und blieb damit im Vergleich zu 2009 ebenfalls unverändert hoch.

Die Zivilluftfahrt konnte 2010 durch eine Markterholung und steigende Bestell- und Auslieferungszahlen ein erneutes Wachstum erzielen. Stark wachsend zeigte sich 2010 auch die Raumfahrtindustrie, die in zahlreichen Programmen erfolgreich war.

Die Ausrüstungs-, Werkstoff- und Komponentenhersteller in der Luftfahrt konnten von einer positiven Marktentwicklung noch nicht im selben Maß profitieren wie die Systemhersteller. Den Triebwerksherstellern gelang es, Verluste in militärischen Geschäftsfeldern teilweise durch das positive Klima im zivilen Marktsegment auszugleichen.

In der wehrtechnischen Luft- und Raumfahrt überdeckten gute, teilweise durch Einmaleffekte bedingte Ergebnisse das Risiko eines unmittelbar drohenden Verlusts der Existenzfähigkeit. BDLI-Präsident Dr. Thomas Enders sagte anlässlich der Präsentation der aktuellen Branchenzahlen: „Vor der militärischen Luftfahrtindustrie jedoch liegen stürmische Zeiten, da ohne langfristige Konzepte für die Entwicklung, Beschaffung und Nutzung fliegender Waffensysteme der Bundeswehr in Deutschland ein dauerhafter Verlust von Technologiekompetenz und hochqualifizierten Arbeitsplätzen droht“.

Für die nationale Luft- und Raumfahrtindustrie bleibt die zivile Luftfahrt mit rund 65% größter Umsatz- und Beschäftigungsträger. Der Umsatz des Segments konnte im Vergleich zum Vorjahr um 3,2% auf ein Volumen von 16,1 Mrd. Euro gesteigert werden.

„Das Anheben der Produktionsraten bei fast allen Airbus-Programmen sowie die Entwicklung und Serienvorbereitung der Programme A350 XWB und A320neo werden zu einem weiteren Wachstum und zur Schaffung neuer Arbeitsplätze beitragen. Damit ergeben sich für die zivile Luftfahrtindustrie eine gute Perspektive für 2011 und die Folgejahre. Gleichzeitig stehen diese Programme jedoch unter großem Zeitdruck und müssen ohne Verzug erfolgreich fortgeführt werden. Für die beteiligten Unternehmen ergeben sich die Herausforderungen, in ausreichendem Maß qualifizierte Fachkräfte zu rekrutieren und den Hochlauf in der globalen Lieferkette sicherzustellen“, kommentierte Enders die Perspektive der zivilen Luftfahrtindustrie.

Die Raumfahrt erwies sich 2010 einmal mehr als sehr stabiles Geschäftsfeld. Die deutschen Raumfahrtunternehmen profitierten in erster Linie von der Erteilung neuer Aufträge in den Bereichen Erdbeobachtung, Kommunikation und Navigation. Der Umsatz dieses Industriesegments konnte um 6,7% auf rund 2,1 Mrd. Euro gesteigert werden und entspricht damit 8,5% des Branchenumsatzes.

Die wehrtechnische Luft- und Raumfahrtindustrie konnte ihren Umsatz um 7,2% auf ein Volumen von 6,5 Mrd. Euro steigern. Damit stammte 2010 rund ein Viertel des Branchenumsatzes (26,2%) aus diesem Segment, das damit gleichzeitig das größte der drei deutschen Rüstungssegmente ist. Rund 22.600 Mitarbeiter waren 2010 in diesem Branchenzweig beschäftigt, was einem Beschäftigungszuwachs von 6,3% im Vorjahresvergleich entspricht.

Dieses positive Ergebnis kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Bundeswehrreform, Budgetreduktionen und ein zeitweiliger Beauftragungsstopp für manche BDLI-Mitgliedsunternehmen 2010 bereits gravierende Folgen hatten. Einige hoch spezialisierte Zulieferer und Ausrüster mit einem Fokus auf das Verteidigungsgeschäft meldeten an Ihren Standorten Kurzarbeit an oder verloren Stammpersonal.

Die kurz- bis mittelfristige Perspektive der deutschen militärischen Luftfahrtindustrie ist laut BDLI kritisch. Die Bundeswehr steht derzeit mitten in der weitreichendsten Reform ihrer Geschichte. Sie ist gleichzeitig wichtigster Kunde, wodurch der Industriezweig der militärischen Luftfahrt von allen Struktur- und Haushaltsentscheidungen unmittelbar betroffen und abhängig ist.




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