16.08.2015
Erschienen in: 12/ 2014 FLUG REVUE

Weltweit unterwegsBell Boeing V-22 Osprey

Einsätze der Bell Boeing V-22 in Afghanistan, Asien oder Afrika gehören inzwischen zur Routine. Es gibt aber immer noch Kritik an Kosten und Wartungsaufwand des Kipprotormusters.

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Selbst die berühmte Präsidentenstaffel HMX-1 des US Marine Corps in Quantico ist inzwischen mit einem Dutzend MV-22B Osprey ausgerüstet. Die traditionell dunkelgrün lackierten Transportmaschinen werden allerdings nicht vom Präsidenten genutzt, sondern übernehmen Unterstützungsaufgaben für die Begleitmannschaft oder nehmen Journalisten mit. Insgesamt haben rund 275 Ospreys die Endmontagelinie im texanischen Amarillo verlassen.

25 Jahre nach dem Erstflug am 29. März 1989 ist das Kipprotormuster also endlich ein wesentlicher Bestandteil der Luftfahrzeugflotte des Marine Corps und entsprechend weltweit im Einsatz. Nach der ersten, noch vorsichtigen Verlegung in den Irak fliegt die MV-22 seit Jahren in Afghanistan. Zunächst hatte sie hier ihre üblichen Aufgaben wie den Materialtransport oder die Verlegung von Kampftruppen erledigt. Seit Herbst 2013, nachdem eigentlich längst der Abzug geplant war, wird die Osprey auf Anweisung von Verteidigungsminister Chuck Hagel nun ausschließlich als Rettungshubschrauber verwendet. Die Marine Medium Tiltrotor Squadron 261 (VMM-261) aus New River, North Carolina, bereitete sich dafür speziell vor. Eingesetzt werden die MV-22 von Camp Bastion aus bei Notfällen, die mehr als 65 Kilometer entfernt sind. Dabei soll der Kipprotor seinen Geschwindigkeitsvorteil gegenüber Helikoptern ausspielen und während des laufenden Truppenabzugs eine gute Abdeckung der Regionalkommandos Süd und West sicherstellen.

Weitreichende Rettungsmissionen im Kampfgebiet sind auch die Spezialität der CV-22B des Air Force Special Operations Command. So flogen drei Ospreys der 8th Special Operations Squadron zum Beispiel am 21. Dezember 2013 über 1450 Kilometer nonstop nach Bor im Südsudan, um US-Mitarbeiter eines UN-Stützpunkts zu evakuieren.

Als sie nach einer Erkundungsrunde zum Landeanflug ansetzten, gerieten sie allerdings in heftiges Feuer von schweren MGs und Granatwerfern und mussten die Aktion abbrechen. Mit vier Verwundeten an Bord, beschädigter Hydraulik und Löchern in den Kraftstofftanks schafften es die Crews nach mehreren Luftbetankungen bis ins etwa 750 Kilometer entfernte Entebbe. Dort wurden 119 Einschusslöcher gezählt. Die USAF vergab für diese Mission den Mackay-Preis 2013 für den „verdienstvollsten Flug“ des Jahres.

Von Uganda aus waren die CV-22B ab dem Frühjahr dann wieder im Einsatz, um die Truppen der Afrikanischen Union bei der Bekämpfung der LRA-Rebellen in der Zentralafrikanischen Republik und der Demokratischen Republik Kongo zu unterstützen. Bereits zuvor waren Ospreys für Übungen zum Beispiel in Marokko aktiv. Während der Übung „African Lion“ im April 2012 kam es  zum ersten tödlichen Unfall einer MV-22 nach über einem Jahrzehnt im Einsatz.

Neben den Kampfeinsätzen hat das Marine Corps seine MV-22 auch für humanitäre Missionen bereitgestellt, beispielsweise während des Taifuns Haiyan über den Philippinen im November 2013. Danach verlegten 14 Ospreys von ihrer Basis Futenma auf Okinawa nonstop 1660 Kilometer in die Nähe von Manila. In den ersten zehn Tagen hatten sie knapp 300 Tonnen Hilfsgüter transportiert. 


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