11.05.2016
Erschienen in: 05/ 2016 FLUG REVUE

BewaffnungHForce von Airbus Helicopters

Mit einem einheitlichen, aber flexiblen System will Airbus Helicopters die Bewaffnung von Modellen wie H125M, H145M und H225M vereinfachen. Das soll auch die Kosten senken.

Selbst wenn Sie zunächst nur unsere Option 0 kaufen, haben Sie schon einen Abschreckungsfaktor, denn Ihre Nachbarn wissen, dass Sie Ihre Drehflügler recht schnell in einen leichten Kampfhubschrauber verwandeln können“, wirbt Marketing-Manager Philippe Kohn für das neue HForce-System. Mit ihm will Airbus Helicopters im Bereich der bewaffneten Mehrzweckhubschrauber seine Geschäfte ausweiten und Drittanbieter verdrängen. 

Der Ansatz ist dabei einfach: Mithilfe eines leistungsstarken Zentralrechners von Rockwell Collins Deutschland (FMC-4212 mit Mehrkernprozessor und Videofähigkeiten) und der bei der Montage des Hubschraubers verlegten Verkabelung ist der Hersteller in der Lage, vielfältige Sensoren und Waffen mit viel geringerem Aufwand als bei bisherigen Einzelfalllösungen zu integrieren. „Wir haben 50 Jahre Erfahrung und können nun quasi ein Schweizer Taschenmesser anbieten“, so Kohn, der auch die modularen Ausbaumöglichkeiten besonders betont. Beschaffungen können somit flexibel den verfügbaren Budgets angepasst werden.

Für alles eine Option

Mit der Option 0 wird, wie eingangs erwähnt, die Grundlage geschaffen. Die nächste Stufe ist dann die Option 1, bei der der Pilot mit einem Helmvisier ausgerüstet wird. Er kann so MGs (12,7 mm), Kanonen (20 mm) oder ungelenkte Raketen (70 mm) einfach und präzise einsetzen. Bei der Option 2 wird auch der Copilot mit einem Helmvisier ausgestattet, und für Flüge unter schwierigen Bedingungen wird ein Sensorbehälter mit Infrarot- und TV-Kameras unter dem Bug installiert.

Die dritte Stufe  umfasst schließlich die Integration von Lenkwaffen, seien es Raketen mit Lasersuchkopf, Luft-Luft-Lenkwaffen (Mis-tral) oder Luft-Boden-Lenkflugkörper (wie Hellfire). Der Copilot wird dann fast wie in einem richtigen Kampfhubschrauber zum Bordschützen, der sich auf die Zielbekämpfung konzentriert.

Für die Waffen bedarf es natürlich auch der geeigneten, typenspezifischen Aufhängungen. Für manche Muster wie die H125M (AS355 Fennec oder AS350) oder die H225M gibt es aus früheren Programmen bereits passende Konstruktionen; bei der H145M laufen derzeit entsprechende Entwicklungen.

Als Testträger für das HForce-System wird eine H225M verwendet, die man komplett mit Sensor von Wescam, Helm­visier von Thales, 12,5-mm-MG und 70-mm-Raketen von FZ ausstattet. Der Erstflug war im Dezember 2015. Im Mai sollen die Schießversuche anlaufen, sodass bis 2017 die erste Konfiguration zertifiziert sein kann.

Acht potenzielle Kunden sind laut Kohn derzeit „stark“ an der „erschwinglichen“ Lösung interessiert, und Airbus Helicopters hofft, noch in diesem Jahr die ersten Verträge unter Dach und Fach zu bringen. Zudem gibt es zwei Länder, die bereits eines der drei Muster im Dienst haben und nun an eine Nachrüstung denken. Die ist allerdings nicht ganz simpel, denn man muss eine neue Verkabelung verlegen und Platz für den zusätzlichen Rechner finden.

FLUG REVUE Ausgabe 05/2016



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