30.04.2013
FLUG REVUE

Chronik: Jagdgeschwader 71 "Richthofen"

Am 6. Juni 1959 stellte der Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Josef Kammhuber, das Jagdgeschwader 71 in Ahlhorn offiziell in Dienst. Die ersten Canadair Sabre Mk VI waren bereits am 26. Februar 1959 auf dem von der Royal Air Force übernommenen Flugplatz gelandet.

Erster Kommodore des neuen Verbandes war Major Erich Hartmann, der erfolgreichste Jagdflieger des Zweiten Weltkriegs. Am 1. Juni 1960 erfolgte die NATO-Unterstellung. Den bis heute gültigen Traditionsnamen „Richthofen“ verlieh Bundespräsident Heinrich Lübke dem Geschwader am 21. April 1961, dem 43. Todestag des berühmten Jagdfliegers aus dem Ersten Weltkrieg, Manfred von Richthofen. Im März 1963 fand die Einheit dann eine neue Heimat in Wittmund, wo die Luftfahrt schon viele Jahre vorher eine Rolle gespielt hatte: Bei Webershausen war zunächst ein Luftschifflandeplatz der Marine namens Wittmundhafen entstanden. Am 7. November 1916 war dort mit LZ 60 das erste Luftschiff gelandet. Nach dem Krieg wurden die Einrichtungen abgerissen, 1938 der Bau eines Wehrmachtsflugplatzes begonnen. Zunächst flogen hier Heinkel He 111, später Nachtjäger vom Typ Messerschmitt Bf 110. Auch der Raketenjäger Me 163 wurde zeitweise eingesetzt. Ein US-Luftangriff am 21. März 1945 beendete die Nutzung des Fliegerhorstes. Nach Kriegsende verschwanden die Überreste, erst Ende der 50er Jahre begann der Bau des heutigen NATO-Flugplatzes. Hier landeten im Mai 1963 die ersten beiden Lockheed F-104 Starfighter. Die Sabre flog allerdings noch bis ins Jahr 1965 und absolvierte insgesamt 48829 Flugstunden. Das charakteristische Tulpenmuster an Lufteinlauf und Seitenleitwerk der Sabre, das schon die von Hartmann im Krieg geflogenen Bf 109 beim JG 52 geziert hatte, sollte auch bei der F-104 zum Einsatz kommen, wurde aber von der Luftwaffenführung nicht genehmigt.

Schon zehn Jahre nach der Ankunft der „bemannten Rakete“ kam schon der Nachfolger: Am 31. August 1973 setzten die ersten beiden McDonnell Douglas F-4F Phantom II auf der Piste in Wittmund auf. Sie dienten zunächst der Ausbildung der Techniker. Die ersten geschwadereigenen Maschinen folgten am 7. März 1974. Einige Monate später, am 19. September, fand der letzte Starfighter-Flug nach insgesamt 83182 Gesamtstunden im Verband statt. Im Jahr 1975 verließ auch die letzte, meist als Verbindungsflugzeug genutzte Lockheed T-33A den Verband. Bereits im zweiten Einsatzjahr erreichte die Phantom die Zahl von 8724 Flugstunden. Das erste Kommando zur Tiefflugausbildung verlegte im Juni 1981 nach Goose Bay, Kanada. Am 2. April 1984 übten Jets des Geschwaders auf der A29 bei Ahlhorn Starts und Landungen von der Autobahn aus.

Als erster Phantom-Verband der Luftwaffe konnte das JG 71 am 12. März 1986 die 100000. Flugstunde auf der F-4F verzeichnen. Einen besonderen Einsatz verbuchte die Alarmrotte am 26. Mai 1987, als sie eine sowjetische Tupolew „Bear“ abfing, die auf Jever und Wittmund zuhielt. Mit dem Wegfall der Zweitrolle als Jagdbombereinheit zum 1. Juli 1988 konzentrierte sich die Einheit ganz auf die Jagdfliegerei und erhielt im Juli 1993 die erste kampfwertgesteigerte Phantom in der Luftverteidigungsvariante. Seit dem 1. Juli 1995 ist das Geschwader Teil der deutschen Krisenreaktionskräfte. Zum Tag der offenen Tür aus Anlass  des 40. Jahrestages am 24. Juli 1999 kamen rund 90000 Besucher.

Einen neuer Auftrag kam einige Jahre später: Am 14. Juni 2005 nahm die Ausbildungsgruppe den Flugbetrieb in Wittmund auf, nachdem die Ausbildung von F-4-Besatzungen in Holloman, USA, geendet hatte. Wenig später begann die erste Verlegung nach Litauen im Rahmen des NATO-Air-Policing (von Juni bis Oktober 2005; zwei weitere Einsätze folgten von Juni bis September 2008 und November 2009 bis Januar 2010). Das jährliche Flugstundenpensum blieb auf hohem Niveau, 2006 wurde mit 8599 Stunden die höchste Zahl seit 1984 erreicht. Am 30. Mai 2007 erreichte das Geschwader die Gesamtzahl von 250000 Flugstunden auf der F-4F. Bis Ende 2009 betrug die Bilanz 268414 Stunden. Mit dem Spatenstich zum Bau des Simulatorgebäudes am 26. Juni 2007 begannen die ersten Infrastrukturmaßnahmen zur Einführung des Eurofighters.

Im Laufe ihrer Karriere waren die F-4F aus Wittmund immer gern gesehener Übungspartner. Neben regelmäßigen Teilnahmen an den Manövern „Frisian Flag“ in Leeuwarden oder dem Tactical Leadership Programme der NATO in Florennes, Belgien, und zuletzt im spanischen Albacete standen auch Hochwertübungen wie „Maple Flag“ in Kanada (zuletzt 2009) und „Red Flag“ in den USA (zuletzt 2003) auf dem Terminkalender. Im Jahr 2008 ging es zur Mountain Home Air Force Base nach Idaho, um den Waffenlehrerkursus aus Holloman zu unterstützen. Ein Jahr später verlegte ein Kommando nach Al Dhafra in den Vereinigten Arabischen Emiraten anlässlich des dort stattfindenden Advanced-Tactical-Leadership-Kursus. Aber auch befreundete Nationen wie die Schweiz kamen immer wieder zu Manövern nach Wittmund.



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