29.12.2015
Erschienen in: 11/ 2014 FLUG REVUE

Mädchen für allesLockheed Martin C-130J

Die Hercules wurde schon immer für viele Aufgaben eingesetzt. Auch vom aktuellen Modell C-130J haben die US-Streitkräfte nun über ein halbes Dutzend Sonderausführungen im Einsatz.

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Mit fast 2500 gebauten Flugzeugen ist die Lockheed Martin C-130 seit sechs Jahrzehnten der Klassiker unter den Militärtransportern. Neben den routinemäßigen Frachtflügen hat die Hercules aber schon immer vielfältige Aufgaben erfüllt, von der Luftbetankung über die elektronische Aufklärung bis hin zu Kampfeinsätzen mit seitlich feuernden Kanonen. Für die verschiedenen Anforderungen der Militärs hat der Hersteller mehr als 70 Versionen des Turboprop-Musters entwickelt. Die Tradition wird auch beim aktuellen Grundmodell C-130J fortgesetzt.

Diese mit neuen Rolls-Royce-Triebwerken (AE2100D3 mit Achtblattpropeller) und aktueller Avionik (große Bildschirme und Head-up-Display im Cockpit) entwickelte Version startete am 5. April 1996 zum Erstflug, doch wegen diverser technischer Probleme verlief die Truppeneinführung zunächst zäh. So dauerte es seine Zeit, bis die amerikanischen Streitkräfte auch Sonderausführungen der „Super Hercules“ ins Beschaffungsprogramm aufnahmen. Inzwischen wurde von der J-Version aber über ein halbes Dutzend Varianten abgeleitet. Sie ersetzen nach und nach ihre in die Jahre gekommenen Vorgänger, die auf den Hercules-Baureihen E und H basieren.

AC-130J GHOSTRIDER

Die aktuellste Entwicklung betrifft die AC-130J, die als vierte Generation des „Gunship“ alternde AC-130H/U/W des Air Force Special Operations Command ersetzen soll. Ein Prototyp wurde auf der Eglin Air Force Base in Florida entsprechend ausgerüstet. Er hat am 31. Januar 2014 seinen Erstflug absolviert, der rund dreieinhalb Stunden dauerte. Eine zweite Maschine befindet sich derzeit in der Umrüstung. Nach der Truppenerprobung, die im Sommer 2015 beginnen soll, wird die Einsatzbereitschaft des Ghostrider für 2017 angestrebt. Als Erstes soll der 27th Special Operations Wing in Cannon AFB ausgerüstet werden. Derzeit ist die Beschaffung von 32 fliegenden Kanonenbooten vorgesehen, wofür Kosten von 2,4 Milliarden Dollar (1,85 Mrd. Euro) veranschlagt werden.

Technisch gesehen basiert die AC-130J auf der MC-130J Commando II. Diese ist mit dem sogenannten Precision Strike Package (PSP) ausgerüstet, das bereits für die AC-130W Stinger II entwickelt wurde. Zum PSP gehören eine Bedienkonsole, zusätzliche Funksysteme und Avionik für die Waffensteuerung. Zwei Sensorbehälter mit TV und Infrotkameras sorgen bei Tag und Nacht für den Überblick. Als Bewaffnung ist eine seitlich feuernde 30-mm-Bushmaster-Kanone eingebaut. Dazu kommen Präzisionsbomben des Typs GBU-39 (GPS-Steuerung) sowie die kleine, knapp 20 Kilogramm schwere Lenkwaffe AGM-176 Griffin von Raytheon und eventuell die Hellfire.

So ausgerüstet, soll die AC-130J für die ausdauernde Luftnahunterstützung, für die Begleitung von Konvois oder für Überwachungsaufgaben und Angriffe auf vorgeplante Ziele eingesetzt werden. Auch in besiedelten Gebieten sei der Ghostrider brauchbar, so die USAF.

EC-130J COMMANDO SOLO

Während die AC-130J noch in Entwicklung ist, steht die EC-130J bereits seit September 2004 bei der 193rd Special Operations Squadron der Pennsylvania Air National Guard im Einsatz. Sieben Commando Solo wurden beschafft. Sie sind mit großen Antennen unter den Tragflächen und am Seitenleitwerk bestückt, um auf verschiedenen Frequenzen Fernseh- und Radiosendungen abstrahlen zu können. Unter dem unverfänglichen Titel „Military Information Support Operation“ erlauben sie die psychologische Kampfführung im Einsatzgebiet, wie zum Beispiel bei der Operation in Libyen im Jahr 2011. Darüber hinaus werden die EC-130J auch für das Absetzen von Fallschirmjägern und den Lastenabwurf verwendet.

HC-130J

Bei der US-Küstenwache war die neue Hercules ab Oktober 2003 zunächst als Transporter im Einsatz. Im Februar 2008 wurde dann das erste mit einem Missionssystem ausgestattete Flugzeug übernommen. Zur Ausrüstung gehören nun zwei Bedienkonsolen hinter den Piloten, ein Sensorbehälter unter der Nase (FLIR System Star Safire III mit TV und Infrarot) und ein Seeüberwachungsradar Elta EL/M2022 unter dem Rumpf. Damit ist die HC-130J für Such- und Rettungsaufgaben ebenso gerüstet wie für Eispatrouillen oder die Suche nach Schmugglerbooten im Pazifik.

Die derzeit sechs HC-130J sind alle in Elizabeth City, North Carolina, stationiert. Drei weitere Flugzeuge wurden im Oktober 2012 bestellt. Sie sollen 2016 geliefert werden und sind für die Station in Barbers Point auf Hawaii vorgesehen. Insgesamt will die Coast Guard bis Mitte der 2020er Jahre 22 Maschinen beschaffen, um alle 23 HC-130H zu ersetzen, die noch im Dienst stehen. 

HC-130J COMBAT KING II

Ebenfalls unter der Bezeichnung HC-130J läuft eine Hercules-Version der US Air Force, die für die Rettung von abgeschossenen Crews aus dem Kampfgebiet vorgesehen ist. Dazu kann sie entweder auf unvorbereiteten Pisten landen oder als Tanker Rettungshubschrauber wie die HH-60G Pave Hawk ins Zielgebiet begleiten. Auch Lastenabwürfe sind möglich. Ihre gefährlichen Aufgaben erledigen die Combat Kings vornehmlich nachts. Deshalb sind sie unter anderem mit einem FLIR-Sensor unter der Nase ausgerüstet. Auch dem Selbstschutz wird hohe Priorität beigemessen. 

Die HC-130J startete am 29. Juli 2010 zum Erstflug. Nach dem Testprogramm bei Lockheed Martin in Marietta begannen die Lieferungen nach Davis-Monthan AFB im September 2011. Ab 2012 war die 79th Rescue Squadron einsatzbereit. Langfristig sollen etwa 75 Combat King II beschafft werden, um die   HC-130P/N zu ersetzen.


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