06.06.2015
Erschienen in: 02/ 2015 FLUG REVUE

Erste Testphase auf der „Nimitz“F-35C geht an Deck

Nach vielen Verzögerungen hat die Navy-Version der Lockheed Martin F-35 Lightning II ihr erstes Trägertestprogramm offenbar mit Bravour absolviert. Derweil laufen auch andere Versuchsprogramme mit dem Stealth-Jagdbomber.

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Bevor die USS „Nimitz“ eine 17-monatige Überholungsphase beginnt, stand für den ältesten aktiven Flugzeugträger der US Navy noch eine wichtige Fahrt auf dem Plan. Anfang November diente die CVN 68 als Plattform für die erste Testphase der Lockheed Martin F-35C auf See. Der Beginn des DT-I-Programms (Developmental Test I) hatte sich wegen diverser technischer Probleme immer wieder verzögert, und es war unklar, ob wirklich beide für die Versuche vorgesehenen Prototypen bereit stehen würden. 

Ende Oktober machten sich dann die CF-03 und die CF-05 der Air Test and Evaluation Squadron 23 (VX-23) von Patuxent River in Maryland auf den Weg an die Westküste. Nach einer Zwischenstation beim Herstellerwerk in Fort Worth flogen sie am 3. November 2014 von der Marine-Corps-Basis Yuma in Arizona zur „Nimitz“, die vor der südkalifornischen Küste kreuzte. Commander Tony Wilson war es schließlich vorbehalten, um 12:18 Uhr mit der CF-03 die historische erste Landung einer F-35C auf einem Flugzeugträger zu machen. Die CF-05 mit Lt. Commander Ted Dyckman im Cockpit folgte eine Stunde später.

Schon bei den ersten Anflügen mit Durchstarten und bei der Landung lagen die Lightning II absolut stabil in der Luft und trafen genau den besten Aufsetzpunkt, bei dem der Fanghaken das dritte von vier Fangseilen erwischt. Für die Piloten war das laut Commander Wilson kein Problem, aber die ständig arbeitenden Landeklappen, Quer- und Höhenruder zeigten schon, dass die Flugsteuersoftware der F-35C einiges zu tun hatte, um den Fighter perfekt auf dem Gleitpfad zu halten. 

„Die Ingenieure, die für die Programmierung der Flugsteuerregelung zuständig sind, haben einen phänomenalen Job gemacht“, lobte Wilson. „Die F-35C bot im Endanflug ein narrensicheres Verhalten.“ Vor allem erwähnte Wilson die Integrated Direct Lift Control (IDLC), die „eine Gleitwegkontrolle wie bei keinem anderen Flugzeug ermöglicht. Auch unterdurchschnittliche Piloten können nun in der ‚Top-Hook-Rangliste‘ konkurrieren.“ IDLC ist Teil des „Delta Flight Path“ genannten Flugsteuermodus der F-35. Statt wie bisher den Gleitpfad bei fester Klappenstellung mit dem Gashebel zu korrigieren, arbeitet die F-35C mit automatischer Schubregelung und nutzt die nominell auf 15 Grad gestellten Klappen für die Kontrolle. 

Nach den ersten Landungen hatten die vier am DT I beteiligten Testpiloten „so viel Vertrauen in das Flugzeug, dass wir die Wetterminima auf die für den normalen Betrieb herabsetzten“, sagte Lt. Cmdr. Ted Dyckman. Sehr zufrieden zeigte sich die Testmannschaft auch mit einem alten Sorgenkind: Der Fanghaken, der bei ersten Tests an Land überhaupt nicht richtig funktioniert hatte, machte nach einer Umkonstruktion keine Probleme mehr. Er liegt ungünstig nahe am Hauptfahrwerk und benötigte deshalb einen stärkeren Dämpfer, der ihn besser aufs Deck drückt. Die Form des Hakens selbst ist nun spitzer.

Die Landungen am 3. November 2014 waren der Auftakt für ein umfangreiches Testprogramm. Nachdem eine kleine Panne mit der Instrumentierung behoben war, folgten am 4. November die ersten Katapultstarts. In den folgenden Tagen wurden weitere Landungen und Starts von allen vier Katapulten aus durchgeführt. Schrittweise änderte man die Parameter, um das Verhalten der F-35C bei verschiedenen Bedingungen zu testen. Zunächst wurde die Lightning II zum Beispiel mit einer Überschussgeschwindigkeit von 45 km/h katapultiert, was man dann auf 28 km/h reduzierte. Beim Start wird der Pilot durch ein automatisches Programm unterstützt, das die F-35 korrekt in der Steigflug bringt, ohne dass er die Hand am Steuerstick hat.

Neben den fliegerischen Versuchen wurde natürlich auch das Manövrieren an Deck untersucht. Dabei zeigte die F-35 ihren sehr engen Wenderadius. Schleppen und Anketten der Flugzeuge stellten die Mannschaft der „Nimitz“ offenbar vor keine Probleme. Auch Wartungsverfahren im Hangar unter Deck wurden geübt. Dazu war eine Prototypversion des ALIS-Computersystems mit an Bord. Zwei im Hangar installierte Container dienten der Testmannschaft zur Planung und Auswertung der Versuche.


WEITER ZU SEITE 2: Komplettes Programm wurde abgewickelt

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