26.08.2015
Erschienen in: 02/ 2015 FLUG REVUE

Generation 50+Northrop Grumman E-2D Advanced Hawkeye

Auch über 50 Jahre nach der Indienststellung ist die Hawkeye von den Decks der US-Flugzeugträger nicht wegzudenken. Mit der E-2D geht gerade eine neue Generation des Frühwarnflugzeugs an Bord.

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Warum die US Navy ihre derzeit rund 60 Hawkeyes durch eine neue Hawkeye-Generation ersetzt, ist für den zuständigen Programm-Manager Captain John Lemmon klar: „Die E-2D kann kleinere Ziele über größere Distanzen über Wasser, in Küstenregionen und über Land auch bei dichtem Störhintergrund entdecken, was den Überblick und die Einsatzflexibilität erheblich steigert.“ Deshalb sollen 19,9 Milliarden Dollar (16,2 Mrd. Euro) in einem Zeitraum von über 20 Jahren in die Entwicklung und Beschaffung von 75 neu gebauten Advanced Hawkeyes investiert werden. 16 davon hat Northrop Grumman in seinem Werk in St. Augustine, Florida, bereits gebaut.

Fünf E-2D gingen bis Juli 2014 an die in Norfolk, Virginia, stationierte Carrier Airborne Early Warning Squadron 125. Nachdem auch die Ausbildung der Piloten und des Wartungspersonals abgeschlossen war und sämtliche Geräte und Ersatzteile für einen Trägereinsatz zur Verfügung standen, konnte am 10. Oktober offiziell die vorläufige Einsatzbereitschaft für die Advanced Hawkeye erklärt werden. Zu diesem Zeitpunkt waren die „Tigertails“ voll mit dem Training auf der USS „Theodore Roosevelt“ (CVN 71) beschäftigt. Mit diesem Träger wird 2015 die erste Einsatzfahrt der „Delta“-Hawkeye stattfinden. Unterdessen nahm am 20. November auch die ebenfalls in Norfolk beheimatete VAW-121 („Bluetails“) den Flugbetrieb mit der E-2D auf.

„Wir sind in einer tollen Position …, die Einsatzrichtlinien für das Flugzeug mitzuschreiben“, freut sich Leutnant Daniel Hill, der Ausbildungsoffizier der VAW-121. „Wie bei allen brandneuen Sachen wollen alle mit dabei sein.“ Und brandneu ist die E-2D, auch wenn sie sich äußerlich nicht von ihrer Vorgängerversion unterscheidet.

Vor allem hat sie ein neues Radar. Das AN/APY-9 von Lockheed Martin bietet laut Hersteller „einen Sprung von zwei Generationen“ gegenüber dem APS-145 der E-2C. Zwar rotiert das linsenförmige Radom auf dem Rumpf nach wie vor mit etwa sechs Umdrehungen pro Minute, doch dank elektronischer Strahlsteuerung ergeben sich neben der 360-Grad-Rundumsicht für die Frühwarnfunktion neue Betriebsmöglichkeiten. So kann ein Sektor unter verstärkte Beobachtung genommen werden, oder ausgewählte Ziele lassen sich mit schnellerer Auffrischrate genauer verfolgen. Das im UHF-Band arbeitende System besteht aus 18 Einzelantennen und verfügt über einen stärkeren Sender sowie über einen digitalen Empfänger, der eine bessere Rauschunterdrückung bietet.

Zur Elektronik gehören das AN/ALQ-217 für die passive Überwachung von Funksignalen und diverse Rechner, die auf der Basis zivil verfügbarer Prozessoren aufgebaut sind. Eine offene Architektur soll Modernisierungsmaßnahmen erleichtern. Um die Informationen zu bewältigen, verfügen die drei Bediener im Rumpf über große Farbbildschirme (Diagonale: 50,6 cm). Im Cockpit sind nun ebenfalls drei Farbdisplays (Diagonale: 43 cm) eingebaut. 

Dies erlaubt die Anbindung an das Radarsystem, so dass der Copilot bei Bedarf die Rolle eines vierten Bedieners übernehmen kann. Die Arbeitsbelastung kann nämlich hoch sein, zumal die Advanced Hawkeye neben der traditionellen Frühwarnrolle für den Flugzeugträgerverband auch Aufgaben wie die Koordinierung von Angriffsmissionen gegen Land- und Seeziele übernimmt. Als Knotenpunkt sammelt und verteilt sie zudem digitale Daten aller Art, um ein komplettes Bild des Einsatzraums zu erhalten. Bei der Zelle und den sonstigen Systemen nahm Northrop Grumman einige Anpassungen vor, um der gestiegenen Abflugmasse Rechnung zu tragen und den Komfort der Crew zu verbessern. Das Triebwerk T56-A-427A verfügt nun über eine digitale elektronische Steuerung.

Da sich die Einführung der E-2D bis weit nach 2020 hinziehen wird und die Dienstzeit dann bis 2040 gehen kann, sind schrittweise Modernisierungsmaßnahmen bereits eingeplant. So arbeitet Northrop Grumman an weiteren Radarverbesserungen. Von Rockwell Collins soll ein leistungsfähigerer Datenlink (Tactical Target Network) kommen, und auch das Satcom-System soll besser werden. Zudem erhielt Northrop Grumman 2013 einen Auftrag im Wert von 226 Millionen Dollar (185 Mio. Euro) für die Entwicklung eines Luftbetankungssystems. Die vorläufige Entwurfsüberprüfung wurde im September 2014 abgeschlossen. Flugversuche sind ab 2016 geplant, so dass die Einführung 2019/2020 erfolgen könnte.

Die E-2D steht also erst am Anfang ihrer Einsatzzeit – ein Umstand, der auch für mögliche Exportkunden interessant ist. Als erstes Land hat sich Japan im November 2014 für die Advanced Hawkeye entschieden. Die Mittel für die Beschaffung von vier Flugzeugen sollen ab dem Haushalt 2015 bereitgestellt werden, so dass die Lieferungen 2018 beginnen könnten. Japan hat bereits die E-2C im Dienst, was für Northrop Grumman sicher ein Vorteil gegenüber der Boeing 737 AEW&C gewesen ist. Schwieriger dürfte es in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Malaysia oder Indien werden, die ebenfalls zu den Interessenten gezählt werden.


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