18.08.2015
Erschienen in: 08/ 2015 FLUG REVUE

Letzte FertigungBoeing C-17A Globemaster III

Mit der Fertigstellung der letzten C-17A in Long Beach geht eine Flugzeugbau-Ära in Südkalifornien zu Ende. Der Militärtransporter selbst wird jedoch noch über Jahrzehnte Waffen und Hilfsgüter an die Brennpunkte der Welt fliegen.

IN DIESEM ARTIKEL

Die anstehende Fertigstellung der Boeing C-17A Nummer 279, „The Last One“, bedeutet nicht nur für die noch etwas über 600 Mitarbeiter im Werk Long Beach einen traurigen Abschied. Mit der 2013 angekündigten Einstellung der Produktion des Militärtransporters geht auch eine viele Jahrzehnte dauernde Ära zu Ende, in der der Großraum Los Angeles mit Firmen wie Douglas, North American oder Northrop das Zentrum des Flugzeugbaus in den USA war. Während der Kriegsproduktion in den 1940er Jahren wurde in Südkalifornien zeitweise alle sieben Minuten ein Flugzeug fertiggestellt.

Solche Zahlen sind heute natürlich illusorisch. Von der C-17 wurden in den besten Jahren 16 Maschinen ausgeliefert, und zuletzt hatte Boeing die Fertigung merklich gedrosselt. Es galt, das Programm in der Hoffnung auf weitere Exportaufträge noch länger am Leben zu halten. Das Management ging sogar so weit, nach dem Auslaufen der Produktion für die US Air Force zehn Globemaster III auf eigenes Risiko als „White Tails“ zu bauen. Letztlich war das Ende aber unvermeidlich. „Unsere Kunden in aller Welt haben sehr schwierige Haushaltslagen. Auch wenn der Wunsch nach den Fähigkeiten der C-17 hoch ist, ermöglichen die Budgets in der Zeitspanne, die es erlauben würde, die Produktion weiterzuführen, keine zusätzlichen Käufe“, musste Dennis Muilenburg einsehen. Der damalige Chef des Bereichs Verteidigung, Raumfahrt und Sicherheit verkündete daher im September 2013 die Produktionseinstellung bis Ende 2015. Das Datum wurde dann im April 2014 auf „Mitte 2015“ vorverlegt.

Ende Juni wartete noch eine C-17A auf Abnehmer. Die Problematik für das Marketing war der hohe Preis des Jet-Transporters. Schon die USAF listet ihn mit 202,3 Millionen Dollar (180 Mio. Euro, Stand 1998) auf, realistisch betrachtet dürfte er aber bei mindestens 250 Millionen Dollar liegen. Kanada nannte dieses Jahr für seine fünfte Maschine sogar 415 Millionen Can-Dollar (300 Mio. Euro), einschließlich Ersatzteilen und Geräten für die Wartung. Das konnten oder wollten sich bisher nur Großbritannien, Australien, Indien und einige Scheichs leisten.

Die Käufer bereuen ihre Wahl aber offenbar nicht, denn die Leistungen der Globemaster III überzeugen durchaus. Maximal kann die C-17A 77 520 Kilogramm aufnehmen, wobei der Frachtraum mit einem Querschnitt von 5,48 x 3,76 Metern fast Galaxy-Maße erreicht. Selbst mit 76 660 Kilogramm Nutzlast an Bord kommt der Transporter noch 4445 Kilometer weit. Dabei kann er dank der angeblasenen Spaltklappen auch auf relativ kurzen Pisten starten und landen. Selbst taktische Lufttransporteinsätze sind denkbar, genauso wie der Abwurf von Lasten und der Absprung von Fallschirmjägern. Für die Evakuierung von Verletzten gibt es spezielle Rüstsätze.

Diese Vielseitigkeit sorgt dafür, dass die C-17-Verbände schon über Jahre ein hohes Einsatztempo gehen. Eine Million Flugstunden waren im März 2006 erreicht, zwei Millionen (entsprechend zwei Milliarden Flugkilometern) im Dezember 2010, und am 5. Mai wurde der Meilenstein von drei Millionen Flugstunden gefeiert. Bei allen Militäreinsätzen der Nutzerstaaten, insbesondere in Afghanistan oder im Irak, war die Globemaster III als Lastenesel unverzichtbar. Laut Boeing erreichte die Maschine eine Verfügbarkeitsrate von 85 Prozent.

Der Transport von Panzern, Hubschraubern oder Munition ist aber nur ein Aspekt der C-17-Missionen. Auch wenn es um die Hilfeleistung bei Katastrophen aller Art geht, ist die Globemaster gefragt. Besonders hektisch ging es zum Beispiel Anfang 2011 für die No. 36 Squadron der Royal Australian Air Force zu. Zunächst mussten Hilfsflüge nach Rekordregenfällen in Queensland durchgeführt werden, bevor im Februar der Zyklon Yasi die Küste traf und zur Evakuierung eines Militärhospitals führte. Ende Februar wurden dann Rettungsteams und Ausrüstung nach Neuseeland verfrachtet, wo Christchurch von einem schweren Erdbeben getroffen worden war. Drei Tage nach dem Tsunami und der Reaktorkatastrophe in Japan waren die Crews dort im Einsatz. Unter anderem wurde eine Wasserkanone zur Kühlung der Atomreaktoren nach Yokota geflogen.

Nach den vielen Negativschlagzeilen zu Beginn des Programms, bedingt durch zahlreiche Verzögerungen, enorme Kostenüberschreitungen und technischen Problemen wie Flügelbrüchen bei Belastungstest hat sich die Globemaster III also doch noch zu einem respektablen Erfolg entwickelt. Nach bereits über 20 Dienstjahren bei der US Air Force stehen den Flugzeugen wohl noch einige Jahrzehnte im Einsatz bevor. Für Hersteller und Betreiber bedeutet dies einiges an Arbeit, um die C-17A auf dem neuesten Stand zu halten. Die Maschinen der USAF wurden zum Beispiel zwischen 2007 und März 2015 beim Warner Robins Air Logistics Complex auf den so genannten Standard Block 16 gebracht. Dabei wurden unter anderem 3000 Kabel entfernt und 7000 neue eingebaut. Außerdem ist nun ein Farbwetterradar von Honeywell (AN/APS-150) eingerüstet und ein OBIGGS-System generiert Schutzgas für die leeren Tanks.

Bei Block 17 geht es um eine Modernisierung der Beleuchtung innen und außen sowie um weitere Anpassungen der Avionik und den Einbau eines Hochfrequenz-Datenlinks. Für die RAAF baute Boeing jüngst ein Satellitenkommunikationssystem ein, das Videotelekonferenzen, E-Mail und Skype-Telefonie sowie die Übertragung von großen Bilddateien ermöglicht. So kann die Crew auf langen Flügen über Änderungen im Zielgebiet informiert werden.

„Die C-17 ist immer da, wenn sie benötigt wird, wo auch immer es hingeht. … Sie erlaubt es uns, die Kriege unseres Landes zu führen, aber auch internationale Hilfe zu leisten“, so die Bilanz von Colonel Amanda Meyers, der derzeitigen C-17-Programm-Managerin. Diese Einschätzung des „unvergleichlichen strategischen und taktischen“ Militärtransporters dürfte auch noch in 20 Jahren stimmen. 


WEITER ZU SEITE 2: Kunden

1 | 2 | 3 |     


Weitere interessante Inhalte
Die Cargo-Spezialisten Top 10: Die größten Frachtflugzeuge der Welt

09.11.2016 - Angefangen hat es in der Pionierzeit der Luftfahrt mit Briefen, heute passen riesige Generatoren und ganze Segelyachten in die Frachträume der großen Transportflugzeuge. … weiter

Transportabler Autopilot lernt aus Datenbanken DARPA schafft den Copiloten ab

19.10.2016 - Die amerikanische Rüstungsforschungsbehörde DARPA erprobt einen modularen Autopiloten, der Luftfahrzeugführer von allen Routinearbeiten im Cockpit entlasten soll, und der auch mit kompliziertesten … weiter

Schwergewichte für die Truppe Top 10: Die meistverwendeten Militärtransporter

27.04.2016 - Internationale Krisen und Hilfseinsätze zeigen immer wieder die große Bedeutung des militärischen Lufttransports. Selbst kleine Nationen leisten sich erstaunliche Transporter-Flotten. Welche Muster … weiter

Tests in Edwards AFB Widerstandsverminderung für die C-17

04.04.2016 - Die US Air Force testet Finnen an der Globemaster III, die zu einer Reduzierung des Widerstands und damit zu weniger Verbrauch führen sollen. … weiter

Heavy Airlift Wing C-17A der NATO fliegen mehr Missionen denn je

28.01.2016 - Trotz anstehender Grundüberholungen für die Globemaster III hat der HAW in Papa 2015 mehr Flüge durchgeführt als je zuvor. … weiter


  • Hersteller

    Lade...

  • Typ

    Bitte Hersteller auswählen!

FLUG REVUE 12/2016

FLUG REVUE
12/2016
07.11.2016

Abonnements
Digitalabo
E-Paper
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- Neue Junkers F 13 fliegt
- Dreiteilung airberlin
- Flughafen Lyon
- Erprobung Pilatus PC-24
- Wonsan Air Festival
- Brennstoffzellen im Alltagstest
- Extra Raumfahrt

aerokurier iPad-App