03.07.2014
Erschienen in: 10/ 2013 FLUG REVUE

RückblickRoyal International Air Tattoo 2013 in Fairford

Auch das Fehlen der amerikanischen Streitkräfte konnte das RIAT nicht aus der Bahn werfen. In der Ausstellung gab es wie gewohnt einige Exoten, und im achtstündigen Flugprogramm reihten sich außergewöhnliche Vorführungen aneinander.

Die komplette Absage von Airshow-Beteiligungen durch die US-Streitkräfte im Frühjahr und der wachsende Spardruck bei den europäischen Luftstreitkräften ließ langjährige Air-Tattoo-Fans bange fragen, was beim traditionellen Saisonhöhepunkt in Fairford wohl zu erwarten sei. Kann das Royal International Air Tattoo bei seiner 42. Auflage noch seinem Ruf als beste militärische Airshow der Welt gerecht werden? Es konnte, denn das Team der Royal Air Force Charitable Trust Enterprises um Tim Prince hat aus der schwierigen Situation das Beste gemacht und die 130 000 Besucher vor allem mit einem spektakulären und abwechslungsreichen Flugprogramm begeistert.

Entlang der knapp zwei Kilometer langen Flightline mussten die Fans allerdings einige Lücken konstatieren – kein Wunder, fehlten doch Publikumsmagnete wie die B-52 und die B-2. Auch die langen Reihen von C-130 Hercules und F-16 Fighting Falcon wurden vermisst, und selbst „Standards“ wie die E-3A AWACS waren nicht in Fairford vertreten. Trotzdem mussten die Experten wie die Teilnehmer der FLUG REVUE-Leserreise nicht auf einige Raritäten verzichten. Wo sieht man zum Beispiel schon eine Embraer R-99B der Força Aérea Brasileira Seite an Seite mit einem EMB-145H-Frühwarnflugzeug der griechischen Luftstreitkräfte? Auch die Antonow An-2 der estischen Luftstreitkräfte gehörte zu den ausgefallenen Ausstellungsstücken.

Besonders viele Kameras klickten bei den beiden Mirage F1CR der französischen ER 2/33 aus Mont-de-Marsan und der VC10 K3 der RAF-Staffel No. 101, denn beide Typen stehen vor der Ausmusterung und waren wohl zum letzten Mal beim RIAT dabei. Viel Aufmerksamkeit erregten wie immer auch die Flugzeuge und Hubschrauber mit Sonderanstrich. Am besten gefiel der Jury beim Concours d´Élegance dabei der Tornado ECR des Aufklärungsgeschwaders 51 aus Jagel, der noch seinen „Arctic Tiger“-Anstrich von der vorangegangenen Übung in Norwegen trug. Die Marineflieger hatten mit Sea Lynx Mk 88A und P-3C Orion zwei ihrer Jubiläumsmaschinen nach Fairford gebracht. Sie führten das deutsche Kontingent an, zu dem auch eine A310 der Flugbereitschaft gehörte.

Am stärksten vertreten war jedoch das Heimatteam mit der Royal Air Force an der Spitze. Nachdem die RAF in den letzten Jahren manchmal für ihre mangelnde Präsenz beim Air Tattoo kritisiert worden war, trumpfte man diesmal groß auf und präsentierte zum Beispiel Eurofighter von allen aktuellen Einsatzstaffeln (No 1, 3, 6, XI und 29(R)). Auch ein neuer Voager-Tanker (Airbus A330 MRTT) war zu sehen, schließlich galt es, etwas positive PR für das mit Problemen behaftete Programm zu machen.

Mehr im Vordergrund als sonst standen diesmal die Oldtimer und Warbirds. Breitling
erhielt für seine Lockheed L-1049G Super Constellation einen prominenten Platz in der Mitte der Flightline eingeräumt, dazu kamen Jets wie die Gnat, die Meteor NF11 oder die Hawker Hunter. Als Überraschungsgast flog zudem eine English Electric Canberra PR9 nach Fairford ein. Die der Midair Squadron von Mike Davis gehörende Maschine mit der Kennung XH134 war erst am Freitag vor der Show im nahe gelegenen Kemble wieder in die Luft gekommen. Vorausgegangen waren etwa zwei Jahre dauernde Restaurierungsarbeiten, denn der letzte (Überführungs-)Flug des Aufklärers in RAF-Diensten datiert vom Juli 2006.

Mit der Canberra stößt eine der Ikonen der britischen Luftfahrtindustrie wieder zum
Airshow-Zirkus, dessen unbestrittener Star nach wie vor die Avro Vulcan „XH558“ ist.
Sie soll nach dem Willen des Vulcan to the Sky Trust möglichst bis Ende 2015 flugklar gehalten werden. Dies setzt allerdings voraus, dass im Laufe des Jahres Spenden von 400 000 Pfund (467 000 Euro) eingehen. Da heißt es Daumen drücken, denn der futuristische Delta-Bomber hat nichts von seiner Faszination verloren, wie seine Vorführung in Fairford einmal mehr zeigte.

Die jeweils am Vormittag fliegende Vulcan war allerdings nur einer der zahlreichen Höhepunkte des Flugprogramms, dass sich ohne große Pausen von zehn bis nach 18 Uhr hinzog. Gleich zu Beginn zeigten zum Beispiel am Samstag die niederländischen Luftstreitkräfte nicht nur Solo-Displays von F-16 Fighting Falcon und AH-64D Apache, sondern auch eine beeindruckende Formation, die beide Muster an die Grenzen ihres Flugbereichs führte.

Überhaupt waren außergewöhnliche Formationen das Markenzeichen des diesjährigen Air Tattoo. Unter dem Motto „Best of British“ flogen am Samstag die Red Arrows mit dem neuen Airbus A380 von British Airways an den Tribünen vorbei. Am Sonntag war dann die A400M Atlas als Partner der „Reds“ an der Reihe. Und natürlich mussten 70 Jahre nach dem Angriff auf die deutschen Talsperren auch die „Dambusters“ gewürdigt werden: Ein Tornado GR4 der legendären 617 Squadron der RAF flog gemeinsam mit dem damals verwendeten Lancaster-Bomber vorbei.

Um alle Höhepunkte aufzuzählen, fehlt hier der Platz. Die traditionellen Auszeichnungen des RIAT, die am Sonntagabend während einer großen Hangarparty vergeben wurden, geben aber einen guten Anhaltspunkt für die Top-Acts:

● Das PC-7-Team der Schweizer Luftwaffe unter Führung von Hauptmann Martin
Vetter erhielt für seine exakte Darbietung die höchste Auszeichnung, das „King Hussein Memorial Sword“.
● Flt Lt Jamie Norris von der Eurofighter-Einheit 29 (Reserve) Squadron der RAF
nahm die Trophäe für das beste Jet-Display in Empfang.
● Flt Lt Paul Farmer und seine Crew, die ihren Chinook-Transporthubschrauber unglaublich manövrierten wurden mit der „Sir Douglas Bader Trophy“ belohnt.
● Karl-Heinz Mai und Anthony Flynn glänzten mit ihrer A400M-Solovorführung, die
man schon von diversen Airshows kennt. Sie erhielten die „Lockheed Martin Cannestra Trophy“ für den besten ausländischen Teilnehmer.
● Das „Steedman Diplay Sword“ ging Flt Lt Andrew Fyvie-Rae für seine Vorführung
des Tucano-Trainers.
● Major Fabio De Michele von der 311. Flugversuchsstaffel der Reparto Sperimentale Volo in Italien, der den Transporter C-27J einmal mehr in Kunstflug-Qualität präsentierte war der Liebling des Publicums („As the Crow Flies Trophy“).

Insgesamt also ein gelungenes Air Tattoo bei durchweg gutem Wetter, das auch die Teilnehmer der FLUG REVUE-Leserreise begeisterte. Sie kamen aber nicht nur in Fairford auf ihre Kosten, sondern auch beim Besuch der Aviation Hall of Fame in Southampton und des RAF-Museums in Cosford. Dort konnten sie als einer der ersten Besucher das jüngst aus dem Ärmelkanal geborgene Wrack einer Dornier Do 17 in Augenschein nehmen. 2014 findet das RIAT am 12. und 13. Juli direkt vor der Farnborough Air Show statt, was zusätzliche Flugzeuge anlocken sollte. Gefeiert wird auf jeden Fall das 50jährige Jubiläum der Red Arrows.

FLUG REVUE Ausgabe 10/2013



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