22.03.2015
Erschienen in: 08/ 2014 FLUG REVUE

Formel ESaab Gripen E in der Entwicklung

Nachdem die Schweizer Bevölkerung gegen die Beschaffung der Gripen E votiert hat, muss Saab nun auf einen Abschluss in Brasilien hoffen. Derweil laufen die Entwicklungsarbeiten auf Hochtouren, damit der erste Prototyp 2015 in Linköping zum Erstflug abheben kann.

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Für Saab geht das Gripen-E-Programm nach Plan weiter“, versicherte der schwedische Hersteller, nachdem beim Referendum in der Schweiz am 18. Mai die von der Regierung geplante Beschaffung des neuen Kampfflugzeugs mit 53,4 zu 46,6 Prozent der Stimmen abgelehnt worden war. Firmenchef Hakan Bushke wollte das Nein nicht als Prestigeverlust werten – ganz im Gegenteil sei die Auswahl der Gripen gegen die Rafale und den Eurofighter bedeutungsvoll gewesen.

Rückendeckung für die Gripen E gab es von der schwedischen Verteidigungsministerin Karin Enström. Sie betonte, dass der Bedarf für eine Verstärkung der Flygvapnet angesichts der Ukraine-Krise sogar gestiegen sei. Die Verteidigungskommission des Parlaments in Stockholm hatte wenige Tage vor der Schweizer Volksabstimmung empfohlen, die Beschaffung von 60 auf 70 der Kampfjets aufzustocken. Den Part des internationalen Partners im Gripen-Programm soll nun Brasilien einnehmen, das sich im Dezember 2013 für die Beschaffung von 36 Flugzeugen im Wert von etwa 3,3 Milliarden Euro entschieden hatte. Allerdings laufen hier die detaillierten Verhandlungen noch. Bei einem Besuch von Verteidigungsminister Celso Amorim in Stockholm Anfang April wurden mehrere Abkommen bezüglich der Zusammenarbeit im Militärflugzeugbereich und zum Austausch sensibler Informationen unterzeichnet.

Amorim machte bei dem Treffen mit Enström noch einmal die zentralen Forderungen des südamerikanischen Landes klar. Dies sind auf technischer Seite der unbeschränkte Technologietransfer und der Zugang zur kompletten Software, um selbst neue Waffen integrieren zu können. Wirtschaftlich gesehen geht es um einen möglichst hohen Arbeitsanteil der einheimischen Industrie und die Endmontage in Brasilien. Außerdem will Brasilien das Recht, die Gripen in Südamerika und in anderen Entwicklungsländern, zu denen man gute Beziehungen pflegt, verkaufen zu dürfen.

Geplant ist außerdem, der Forca Aérea Brasileira im ersten Quartal 2016 aus schwedischen Beständen sechs Gripen C/D leihweise zur Verfügung zu stellen, weitere vier Maschinen sollen ein Jahr später folgen. In diesem Zusammenhang werden Piloten und Techniker teils in Schweden ausgebildet, so dass sie schon vor der Einführung der neuen Gripen E Erfahrung sammeln können. Es gibt also viele Wünsche der Brasilianer, doch Saab ist zuversichtlich, bis Ende des Jahres oder spätestens Anfang 2015 den Kontrakt unter Dach und Fach zu haben.

Unabhängig davon laufen in Linköping die Entwicklungsarbeiten an der Gripen E mit Hochdruck weiter. Saab baut dabei auf den Arbeiten auf, die seit 2006 im Rahmen des Gripen-Demo-Programms durchgeführt wurden. Seit Mai 2008 hat der Hersteller einen fliegenden Demonstrator (Doppelsitzer 39-7) im Betrieb, mit dem schrittweise bereits eine ganze Reihe von Modifikationen und neuen Systemen der nächsten Gripen-Generation getestet wurden.

Zu den wesentlichen Verbesserungen zählt das Radar Raven ES-05 von Selex ES. Mit seiner AESA-Antenne, die aus rund 1000 Sende-/Empfangsmodulen besteht, ist eine verzugslose Strahlschwenkung möglich. Um einen großen Bereich abzudecken, lässt sich die 30 Grad schräg gestellte Antenne um die Flugzeuglängsachse drehen und kann damit zum Beispiel seitlich zehn Grad nach hinten sehen. Eine Zielverfolgung ist so auch dann noch machbar, wenn die Gripen nach einem Lenkwaffenschuss schon abdreht.


WEITER ZU SEITE 2: Radar wird durch Infrarotsensor ergänzt

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