28.02.2015
Erschienen in: 01/ 2014 FLUG REVUE

Russlands neuer Allzweck-FighterSuchoi T-50 im Testprogramm

Mit dem Erstflug der Suchoi T-50-5 Ende Oktober 2013 nahm das Testprogramm des russischen Kampfjets der fünften Generation weiter Fahrt auf. Mit Stealth-Eigenschaften, Supercruise und neuer Avionik gehört der extrem wendige Fighter zur Topklasse.

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Am 28. Oktober 2013 hob der Testpilot erster Klasse Roman Kondratjew in Komsomolsk am Amur mit dem fünften Prototyp der T-50 zum Erstflug ab. Nach 50 Minuten, in denen der Testplan ohne Probleme abgearbeitet worden war, landete die Maschine wieder auf dem Flugplatz Dzemgi des nach Juri Gagarin benannten Flugzeugwerks KnAAZ (früher KnAAPO). Wie die anderen vier T-50 machte sich auch die Nummer fünf nach einigen Überprüfungsflügen auf den Weg zum Testzentrum Schukowski bei Moskau, wo Suchoi den Hauptteil des Versuchsprogramms mit dem PAK FA (Perspektivnyj Aviatsionnyj Kompleks Frontowoj Aviazij = künftiger taktischer Kampfflugzeugkomplex) abwickelt.

Wie auch bei amerikanischen Entwicklungsprogrammen ist der Zeitplan seit dem Erstflug am 29. Januar 2010 etwas ins Rutschen geraten. Dazu trugen unter anderem Probleme mit der Struktur bei. Der erste Prototyp, T-50-1, war zum Beispiel lange am Boden, damit Verstärkungen im Flügel eingearbeitet werden konnten. Inzwischen sind laut Suchoi aber 450 Flüge geschafft. Ein sechstes Flugzeug soll 2014 fliegen.

Sorgen um die Zukunft der T-50 braucht sich Suchoi jedenfalls nicht zu machen, denn seit das Unternehmen im April 2002 für die PAK-FA-Entwicklung ausgewählt wurde, ist klar, dass Russlands Luftstreitkräfte voll auf den Entwurf setzen, um endlich auch über einen Fighter der sogenannten fünften Generation zu verfügen. PAK FA ist insofern ein Gegenstück zur amerikanischen F-22. Das Konstruktionsteam unter Führung von Alexander Davidenko setzte allerdings einige andere Schwerpunkte.

Weil die Russen keinen Jagdbomber à la F-35 haben, ist die T-50 von Anfang an für einen flexiblen Einsatz und die Bekämpfung von Luft- und Bodenzielen aller Art ausgelegt. Dies zeigt sich unter anderem in den zwei großen Waffenschächten im Rumpf (je 4,6 x 1 m), die jeweils zwei bis zu 700 kg schwere Flugkörper oder Bomben aufnehmen können. Geplant sind vier K-77M (Luft-Luft-Lenkwaffen mittlerer Reichweite von Wympel), Ch-58USchk oder Ch-36 (Lenkwaffen zur Radarbekämpfung) und Ch-38M oder KAB-250 (lasergelenkte Präzisionsbomben).

Unter den Flügelwurzeln befinden sich zudem zwei kleine Waffenschächte für Luft-Luft-Lenkwaffen mit Infrarotsuchkopf wie die K-74M2. Bei Einsätzen, die keine Stealth-Eigenschaften erfordern, können zusätzliche Waffen an vier Unterflügelstationen mitgeführt werden.

Für den präzisen Waffeneinsatz und die umfassende Übersicht über das Gefechtsfeld erhält die T-50 komplett neu entwickelte Sensoren. Das Radarsystem Sch121 von Tichimirow NIPP setzt – heute selbstverständlich – auf Antennen mit elektronischer Strahlschwenkung (AESA). In der Nase ist die Antenne des N036-1-01 installiert, die etwa 90 mal 70 Zentimeter misst und über 1552 Sende-/Empfangsmodule verfügt. Sie wird ergänzt durch zwei seitlich unter dem Cockpit montierte N036B-1-01, die je rund 400 Module erhalten. Mit ihnen wird die horizontale Abdeckung auf +/-135 Grad erhöht. Außerdem sind sie dafür gedacht, Radarkarten zu erstellen. Zu den drei X-Band-Antennen kommen noch zwei L-Band-Systeme in der Flügelvorderkante. Das Freund-Feind-Kennungssystem N036Sch Pokosnik ist integriert. Für die elektronische Kampführung ist das L402 Gimalai des KNIRTI-Instituts an Bord.

Das elektro-optische System (101KS Atoll) ist entsprechend russischer Tradition ebenfalls umfangreich. Zu ihm gehören ein IR-Sensor (101KS-V) vor dem Cockpit sowie ein IR-Störsender auf dem Rumpfrücken (101KS-O). Für die Warnung vor anfliegenden Lenkwaffen sind vier Infrarotsensoren (101KS-U/01 und 02) eingebaut. Außerdem befindet sich noch ein Zielsuchbehälter (101KS-N) in der Entwicklung.


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