10.04.2015
Erschienen in: 03/ 2015 FLUG REVUE

GroßinvestitionWunstorf wird für die A400M ausgebaut

Für die A400M hat die Luftwaffe ihr derzeit größtes Infrastrukturprojekt aufgelegt. Wunstorf wird einer der modernsten Militärflugplätze in Europa und Zentrum für die Ausbildung auf dem neuen Transporter.

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Eine Instandsetzungshalle ist bereits fertig. Sie ist 125 Meter lang und 26 Meter hoch. Zwei A400M passen hinein. Foto und Copyright: Luftwaffe/Breuer  

 

Dass die Einführung des Airbus A400M auch erhebliche Veränderungen für den seit 1958 von der Luftwaffe genutzten Fliegerhorst Wunstorf bringen würde, war von Anfang an klar, schließlich ist der neue Transporter um einiges größer als die Transall. Nach der Konzentration auf einen Standort müssen alle 40 deutschen Maschinen beim hier stationierten Lufttransportgeschwader 62 untergebracht werden. Dazu kam die Entscheidung für ein international genutztes Ausbildungszentrum, das künftig das Herzstück des am Steinhuder Meer gelegenen Platzes bilden wird. In Summe kam so das größte Infrastrukturprojekt der Luftwaffe ins Rollen, in das bis Anfang der 2020er Jahre voraussichtlich um die 400 Millionen Euro investiert werden.

Seit dem ersten Spatenstich zur Erneuerung der Start- und Landebahn am 4. September 2009 hat das zuständige Staatliche Baumanagement Weser-Leine alle Hände voll zu tun, 19 Maßnahmen auf dem 450 Hektar großen Platz teils parallel abzuwickeln, ohne den mit der Transall weiterlaufenden Flugbetrieb allzu sehr einzuschränken. Ziel war es dabei, bis November 2014 den Erstflugbetrieb der A400M in Wunstorf zu gewährleisten. Man sei dabei „voll im Zeit- und Kostenrahmen“, versicherte Bau­gruppenleiter Holger Mißfelder im Gespräch mit der FLUG REVUE. Das Gesicht des Platzes hat sich seit unserem letzten Besuch in der Tat deutlich verändert.

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Ein neues Staffelgebäude wurde ebenfalls errichtet. Hier finden die Crews moderne Ausrüstung für die Flugvorbereitung. Auch der Wetterdienst ist hier untergebracht. Foto und Copyright: Luftwaffe/Breuer  

 

Im Nordosten der Bahn steht nun das aus drei Gebäuden bestehende, 36 Millionen Euro teure Ausbildungszentrum mit zusammen annähernd 12 000 Quadratmetern Nutzfläche. Es beherbergt unter anderem zwei Flugsimulatoren, der erste traf im Juli 2014 ein. Auch der Frachtraumtrainer, in dem die Beladung geübt wird, ist schon da. Daneben steht die Halle für ein Ausbildungs-Luftfahrzeug mit den entsprechenden Nebenräumen und Hörsälen. Hier werden entsprechend dem deutsch-französischen Übereinkommen vom 30. September 2013 die Wartungstechniker der A400M geschult. Die Piloten absolvieren ihre Grundlagenausbildung auf dem Muster, während die taktische Fortbildung in Orléans stattfindet.

In der Nordwestecke des Platzes wurde ab August 2012 eine große Instandsetzungshalle mit zwei Dockplätzen gebaut. Sie kostet 23,6 Millionen Euro und besteht aus einem verkleideten Stahlträgergerüst mit einem direkt hinten angebauten zweigeschossigen Massivbau, in dem die Werkstätten, Büros und Sozialräume untergebracht sind. Ein zweiter Bauabschnitt mit zwei weiteren Plätzen ist geplant.

Direkt daneben ist derzeit die Wasch- und Wartungshalle im Bau, sie wird  mit 11000 Quadratmetern das größte Gebäude auf dem Flugplatz Wunstorf sein. Drei A400M passen hi-nein. Etwa 220 Mitarbeiter werden hier im Schichtbetrieb tätig sein. Sie verfügen über entsprechende Büro- und Technikräume. Das mit 36 Millionen Euro veranschlagte Gebäude soll Ende 2016 fertig werden.

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Die Wartungs- und Waschhalle wird das größte Gebäude auf dem Fliegerhorst sein. Drei A400M finden hier Platz. Die Fertigstellung ist Ende 2016. Foto und Copyright: Luftwaffe/Breuer  

 

Vor den Hallen liegt die in vier Bauabschnitten erweiterte Abstellfläche (Kostenpunkt: 43 Millionen Euro). Bestehende Flächen wurden abgefräst und neu betoniert. Neu sind auch die Versorgungspunkt-Schächte, in denen die Stromversorgung, die mobilen Luftentfeuchter und die Computeranschlüsse für die Direktversorgung der A400M untergebracht sind.

Wie eingangs erwähnt, wurde die Ost-West-Bahn komplett abgetragen und neu betoniert. Bei dieser Gelegenheit wurde die 08/26 um etwa 650 Meter auf 2500 Meter verlängert. In der Zeit bis zur Wiederinbetriebnahme im November 2012 musste der Flugbetrieb über die nach Südwesten ausgerichtete 03/21 abgewickelt werden, was die Anwohner in Wunstorf stärker belastete. Die Kosten für die Bahn belaufen sich auf 71 Millionen Euro.

Neben der Errichtung großer neuer Gebäude standen auch einige kleinere notwendige Maßnahmen an. So hat die Feuerwehr Anfang 2013 ein neues, sechs Millionen Euro teures Gebäude bezogen, das Platz für neun neue Einsatzfahrzeuge bietet. Die 72 Flugplatz-Feuerwehrkräfte arbeiten hier im Schichtdienst.

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Das Ausbildungszentrum besteht aus drei Gebäuden. In der großen Halle dient eine A400M als Übungsobjekt. Davor liegt der Enteisungsplatz. Foto und Copyright: Luftwaffe/Breuer  

 

Bessere Arbeitsplätze gibt es auch für die Piloten und das Unterstützungspersonal der beiden fliegenden Staffeln. Der zweigeschossige Bau (Kosten: 9,7 Millionen Euro) wurde im Juli 2014 an die Nutzer übergeben. Neben Büroräumen verfügt das „Liegeplatzgebäude“ über Besprechungs-, Unterrichts- und Kartenräume sowie Räume für das Personal des Aeronautical Information Service und des Wetterdienstes.

Um den Frachtumschlag zu vereinfachen, erhält Wunstorf noch einen neuen Logistikbereich. Er wird am Westrand des Fliegerhorstes platziert, so dass für Anlieferungen das Gelände nicht befahren werden muss. Auch Passagiere sollen hier abgefertigt werden. Der Komplex wird aus drei Gebäudeteilen bestehen, die zusammen eine Fläche von 2000 Quadratmetern haben. Baubeginn soll im Juli 2015 sein, die Fertigstellung ist für Dezember 2016 geplant.

Zählt man noch die Sanierung von Unterkunftsgebäuden, die Modernisierung der IT-Netze wie auch der Wärmeversorgung und der Entwässerung hinzu, wird Wunstorf nach Abschluss aller Arbeiten bestens für seine Rolle als einziger Standort für die A400M in Deutschland gerüstet sein. Der Platz wird seine wirtschaftliche Bedeutung für die Region noch steigern. Darüber sei man in den umliegenden Gemeinden froh, sagte Oberstleutnant Christian John, stellvertretender Kommodore des Lufttransportgeschwaders 62.

FLUG REVUE Ausgabe 03/2015



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