06.06.2015
Erschienen in: 09/ 2014 FLUG REVUE

Britanniens neuer StolzFlugzeugträger Queen Elizabeth

Auf der Werft im schottischen Rosyth ist der bisher größte Flugzeugträger Großbritanniens in der Ausrüstungsphase. Königin Elisabeth II. höchstselbst taufte das Schiff auf den Namen ihrer berühmten Vorgängerin.

fr 09-2014 Flugzeugträger Queen-Elizabeth (01)

Am 17. Juli 2014 wurde die „Queen Elizabeth“ aus dem Dock bugsiert. Die Aus­rüstung geht am Kai weiter. Foto und Copyright: Carrier Alliance  

 

fr 09-2014 Flugzeugträger Queen-Elizabeth (02)

Erstmals nach 15 Jahren taufte die Königin am 4. Juli 2014 wieder ein britisches Kriegsschiff. Foto und Copyright: Carrier Alliance  

 

Statt mit der üblichen Flasche Champagner wurde die HMS „Queen Elizabeth“ (R08) am 4. Juli 2014 mit feinstem schottischen Whisky aus der Bowmore Distillery getauft – schließlich liegt die Rosyth-Werft am Firth of Forth nahe Edinburgh. Bei der Feier mit etwa 3500 Gästen gab es Vorbeiflüge der Red Arrows und von aktuellen Navy-Hubschraubern. Die F-35B Lightning II war als Modell auf dem Deck des Trägers vertreten. Die „Queen Elizabeth“ und das Schwesterschiff „Prince of Wales“ (R09) werden von der Aircraft Carrier Alliance gebaut, an der Firmen wie BAE Systems, Thales UK und Babcock Marine beteiligt sind. Einzelne Blocks der Träger entstehen bei sechs Werften in Brikenhead, Devon, Govan, Portsmouth, Tyne and Wear und in Rosyth. Insgesamt sichert das derzeit mit 6,2 Milliarden Pfund (7,8 Mrd. Euro) veranschlagte Programm laut Verteidigungsministerium 8000 Arbeitsplätze bei über 100 britischen Firmen.

fr 09-2014 Flugzeugträger Queen-Elizabeth (03)

Als Kampfjets werden F-35B von den neuen Trägern fliegen. Foto und Copyright: BAE Systems  

 

Die neuen Flugzeugträger sind mit einer Verdrängung von 65 000 Tonnen und einer Länge von 280 Metern sowie einer Deckbreite von 73 Metern deutlich größer als die Invincible Class oder die HMS „Ocean“, die derzeit als einziger Hubschrauberträger im Dienst ist. Ausgestattet sind sie mit zwei Rolls-Royce-Gasturbinen (MT30, basierend auf dem Trent 800), kombiniert mit fünf Großdieseln des finnischen Herstellers Wärtsilä. Zusammen produzieren die Aggregate 114,6 Megawatt Leistung. Für den Vortrieb sind zwei von Elektromotoren angetriebene Schrauben installiert. Die  Höchstgeschwindigkeit soll 46 km/h (25 Knoten) betragen. Die Reichweite der „Queen Elizabeth“ wird mit 10 000 Meilen (18 500 Kilometer) angegeben.

Damit sollen die neuen Träger in der Lage sein, weltweit für Großbritannien Stärke zu zeigen. Flexible Einsatzmöglichkeiten von der Katastrophenhilfe bis hin zu Militärschlägen einige hundert Kilometer von der Küste entfernt geben nach Ansicht der Royal Navy der Regierung in London neue Handlungsmöglichkeiten. Als Werkzeug der Machtprojektion dienen dabei Lockheed Martin F-35B Lightning II, von denen im Normalfall etwa ein Dutzend an Bord sein dürften. Dazu kommt ein Mix aus Merlin-Hubschraubern für U-Boot-Jagd und Schiffsbekämpfung sowie als Plattform für ein Luftraumüberwachungsradar. 

fr 09-2014 Flugzeugträger Queen-Elizabeth (04)

Zwei Aufzüge führen zum Hangar unter Deck. Vorn die Startrampe. Foto und Copyright: Carrier Alliance  

 

Für die Kampfjets und Hubschrauber steht ein 180 Meter langer und 9 Meter hoher Hangar unter Deck zur Verfügung. Der Einsatz wird von der hinteren Brücke aus gesteuert, denn erstmals sind Schiffsführung und Luftfahrzeugeinsatz getrennt untergebracht. Für die F-35B wird die Royal Navy spezielle Einsatzverfahren mit dem Start über eine Rampe und eine rollende Kurzlandung entwickeln. Beides dient dazu, die Waffenlast zu erhöhen.

Die Flugtests mit der F-35B werden voraussichtlich Ende 2018 beginnen. Davor absolviert die „Queen Elizabeth“ ab Ende 2016 ihre Versuchsfahrten. Die Einsatzbereitschaft soll 2020 erreicht werden, so die Royal Navy. Die „Prince of Wales“ könnte zwei Jahre danach folgen. Momentan allerdings ist geplant, den zweiten Träger aus Kostengründen einzumotten und als Reserve vorzuhalten.

FLUG REVUE Ausgabe 09/2014



Weitere interessante Inhalte
USAF genehmigt Modifikationen Keine Restriktionen mehr beim F-35-Schleudersitz

17.05.2017 - Nach Modifikationen am Martin-Baker-Schleudersitz dürfen nun auch Piloten, die weniger als 62 Kilogramm wiegen, wieder die F-35 fliegen. … weiter

Leonardo-Werk in Cameri Roll-out der ersten F-35B für Italien

08.05.2017 - In Cameri hat Leonardo die erste F-35B-Version für die italienischen Luftstreitkräfte fertig gestellt. Sie soll im November geliefert werden. … weiter

US Air Force F-35A besuchen Estland

26.04.2017 - Die erstmals nach Europa verlegten F-35A Lightning II der USAF haben am Dienstag einen Blitzbesuch auf der Luftwaffenbasis Ämari absolviert. … weiter

Erste Übungsverlegung nach Europa F-35A landen in Lakenheath

18.04.2017 - Die US Air Force hat erstmals ihre neuen F-35A nach Übersee verlegt. Die Stealth-Fighter trafen am Samstag in RAF Lakenheath ein. … weiter

Luke AFB Erster Japaner fliegt F-35A

14.02.2017 - Beim F-35-Ausbildungszentrum auf der Luke AFB hat der erste japanische Pilot seinen ersten Flug auf der Lightning II absolviert. … weiter


  • Hersteller

    Lade...

  • Typ

    Bitte Hersteller auswählen!

FLUG REVUE 06/2017

FLUG REVUE
06/2017
08.05.2017

Abonnements
Digitalabo
E-Paper
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


Ryanair: Billig-Gigant in der Offensive
Kabinendesign: Wie eng sitzen wir morgen?
Marinehubschrauber: Die Alleskönner für den Bordeinsatz
US Navy: Teststaffel in Pax River
Raumtransporter: So kommt lebenswichtige Fracht zur ISS
Hightech-Triebwerke: Power für Business Jets

aerokurier iPad-App