17.06.2015
Erschienen in: 06/ 2015 FLUG REVUE

VIP-InterviewGeneralleutnant Karl Müllner im Gespräch

Generalleutnant Karl Müllner führt die Luftwaffe seit Mai 2012. Er durchlief eine typische Karriere als Kampfflugzeugpilot (Ausbildung auf der F-4F Phantom), mit dem Höhepunkt als Kommodore des Jagdgeschwaders 74. Im Verteidigungsministerium kümmerte er sich um Militärpolitik und Rüstungskontrolle.

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Generalleutnant Müllner: "Wir müssen Fähigkeitslücken schließen". Foto und Copyright: Luftwaffe  

 

Wo steht die Luftwaffe in der Umsetzung der Reformprozesse? Sind Anpassungen nötig?

Seit 2012 haben wir unsere Organisationsstruktur erheblich optimiert. Stäbe wurden reduziert, taktische Verbände und Einheiten gestärkt. Mit der Aufstellung des Luftfahrtamtes der Bundeswehr konnten zahlreiche bisher durch die Luftwaffe in Pilotfunktion wahrgenommene Aufgaben zentralisiert werden. Dies hat uns weitere Spielräume eröffnet, unsere Führungsorganisation weiter zu verschlanken und zu verbessern. Das wird zum 1. Juli dieses Jahres umgesetzt.

Welche Einsatzanforderungen kann die Luftwaffe angesichts der Materialprobleme derzeit überhaupt erfüllen?

Die Debatte um die materielle Einsatzbereitschaft der fliegenden Waffen­­sys­teme der Bundeswehr hat in der Öffentlichkeit leider ein zu negatives Bild davon gezeichnet, was die Luftwaffe leisten kann und was nicht. Zunächst einmal können wir alle unsere laufenden Einsatzanforderungen erfüllen. Dazu trägt die vorbildliche Motivation und hohe Leistungsbereitschaft aller Angehörigen der Luftwaffe wesentlich bei. Das verdient Anerkennung. Angesichts der sich ändernden sicherheitspolitischen Lage in und um Europa muss jedoch die Frage gestellt werden, ob das reicht, um auf künftige mögliche Herausforderungen angemessen und glaubhaft reagieren zu können. Aus meiner Sicht müssen wir hier besser werden. Die durch die Bundesministerin für Verteidigung eingerichteten Task Forces zur Verbesserung der materiellen Einsatzbereitschaft werden dazu ebenso beitragen wie die mittlerweile durch das Bundeskabinett geplante Erhöhung des Verteidigungsetats. Ich bin daher optimistisch, dass wir als Luftwaffe auch künftig unseren geforderten Beitrag zur Sicherheit unseres Landes werden leisten können.

Wo liegen die Prioritäten bei neuen Beschaffungen?

Die Luftwaffe hat mehrere Prioritäten. Dabei geht es zum einen darum, vorhandene benötigte Fähigkeiten auch künftig zu erhalten, zum anderen aber auch darum, vorhandene und absehbare Fähigkeitslücken zu schließen. Zum Fähigkeitserhalt gehören der Ersatz der betagten Transall durch die A400M sowie spätestens im nächsten Jahrzehnt die Ablösung der alternden CH-53-Transporthubschrauber. In der Luftvertei­digung brauchen wir ebenfalls in der Mitte des nächsten Jahrzehnts die Ab­lösung der bisherigen Patriot-Luftabwehrsysteme durch ein neues taktisches Luftverteidigungssystem, das auch zur Raketenabwehr befähigt ist.

Wie steht es aus Ihrer Sicht um den Kauf von unbemannten Fluggeräten? Müssen MALEs bewaffnet werden?

Im Bereich der Aufklärung gilt es, die nach der Außerdienststellung der Breguet Atlantic im Jahr 2010 und nach dem Stopp des Euro-Hawk-Projektes bestehende Fähigkeitslücke bei der Signalaufklärung zu schließen. Die Erfahrungen aus den Einsätzen haben uns zudem gezeigt, dass wir über unzureichende Fähigkeiten bei der lang andauernden Überwachung in Einsatzgebieten ver­fügen. Diese Fähigkeitslücke kann nur mit einem ausreichend leistungsfähigen MALE UAV geschlossen werden. Und ja, dieses sollte bewaffnungsfähig sein. Denn ich halte es für eine moralische Pflicht, unseren Soldaten am Boden unmittelbar helfen zu können, wenn sie durch einen Hinterhalt in Not geraten.

Wie weit ist die Luftwaffe mit der Übernahme der CH-53 von den Heeresfliegern vorangekommen?

Die Übernahme der CH-53 ist weitestgehend abgeschlossen. Die aktuellen Einsatzverpflichtungen, beispielsweise in Afghanistan, können wir in vollem Umfang erfüllen. Nachholbedarf haben wir jedoch bei der aufgabengerechten Ausbildung des Personals, wo sich bereits vor der Übernahme der CH-53 vom Heer ein Stau gebildet hatte. Noch nicht abgeschlossen ist auch die Konzentration der technisch-logistischen Unterstützung in Holzdorf.

FLUG REVUE Ausgabe 06/2015



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