06.10.2014
FLUG REVUE

BundeswehrKPMG-Bericht sieht 140 Probleme und Risiken

Heute hat das Beratungsunternehmen KPMG offiziell seinen Bericht zu den Problemen zentraler Rüstungsprojekte der Bundeswehr übergeben. Auf den 51 Seiten des verfügbaren „Exzerpts“ steht wenig neues.

NH90 Flares

Bundeswehr-Programme wie der Hubschrauber NH90 weisen laut KPMG zahlreiche Probleme und Risiken auf (Foto: Bundeswehr).  

 

Laut KPMG bezieht sich die Untersuchung „ausschließlich auf die Bescahffungsorganisation des öffentlichen Auftraggebers im Verteidigungsbereich“. Mit der Industrie wurde nicht gesprochen. Außerdem können „identifizierte Probleme und Risiken mit Rücksicht auf den Geheimschutz nicht vollumfänglich in diesem Exzerpt wiedergegeben werden“.

Unter diesen Prämissen finden sich vorerst wenige konkrete neue Informationen zu den neun genauer untersuchten Programmen. Hier einige der Anmerkungen aus dem Bereich der fliegenden Waffensysteme:

A400M
+ die 53 Transporter werden voraussichtlich 9,2 Milliarden Euro kosten
+ es gibt „aktuelle Verzögerungen in Produktion und Abnahmeprozess“ des ersten Flugzeugs für die Luftwaffe
+ es besteht das Risiko „der nicht rechtzeitigen Vergabe des Auftrags zur Triebwerksinstandsetzung“

Eurofighter
+ für die 143 geplanten Eurofighter sind Kosen von rund 26 Milliarden Euro veranschlagt
+ die Lebensdauer der 33 Eurofighter der Tranche 1 könnte durch bereits erkannte Schwachstellen verkürzt werden
+ das neue AESA-Radar soll bis 2021 entwickelt und integriert werden

NH90
+ für 82 NH90 und 18 NTH „Sea Lion“ ist mit Kosten von 4,4 Milliarden Euro zu rechnen
+ die ersten NH90 „mit dem vertraglich geschuldeten Bauzustand sollen Ende 2016 ausgeliefert werden
+ die Lieferung der ersten Marine-Versionen NTH ist für 2018 vorgesehen
+ aufgrund „bereits voll ausgeschöpfter Vertragsstrafen und Alleinstellungsmerkmalen auf der Anbieterseite“ mangelt es an Sanktionsmöglichkeiten

Tiger
+ für den „German Deal“ (Stückzahlreduzierung auf 68 Hubschrauber) steht immer noch die Preisermittlung aus
+ empfohlen wird eine „gegenseitige Verzichtserklärungen (Verzicht des Auftraggebers auf den Erwerb zusätzlicher Ersatzteile bei gleichzeitigem Verzicht des Auftragnehmers auf den Rückerwerb von elf UH TIGER) sowie Prüfung weiterer vertraglicher Mechanismen zur Erreichung fristgemäßer Lieferzeiten

SLWÜA (Euro Hawk)
+ für die Signalverarbeitende Luftgestützte Weitreichende überwachung und Aufklärung (SLWÜA) wurden nach dem Stopp des Euro Hawk acht Lösungsvorschläge erstellt. Diese weisen „einen unterschiedlichen Grad von Entscheidungsreife auf, sodass derzeit keine Grundlage für eine Auswahlentscheidung besteht“.
+ Alle Lösungsvorschläge weisen „Entwicklungsrisiken der Missionssysteme aufgrund von Anpassungs- und Einrüstungsbedarf auf“
+ Die Nutzungskosten für Systemlösungen mit bemannten Trägern sind „signifikant höher als diejenigen für Systemlösungen mit unbemannten Trägern“.
+ Erwogen wird, einen neuen Zulassungsweg für unbemannte Luftfahrzeuge herbeizuführen, der die Kooperation inländischer und ausländischer Zulassungsbehörden voraussetzt. Ob ein solcher Zulassungsweg etabliert werden kann, ist jedoch noch nicht abschließend geprüft worden. Hierzu sind weitere zeitintensive Voruntersuchungen anzustellen.



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