24.09.2014
FLUG REVUE

Unfallbericht der BFULearjet traf Eurofighter von rechts

Laut dem Zwischenbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung flog der Learjet 35A der GFD bei einer Identifizierungsübung am 23. Juni von hinten rechts in den Eurofighter des Taktischen Luftwaffengeschwaders 31 hinein und stürzte ab.

Eurofighter und Learjet 35A GFD

Abfangübungen mit dem Learjet werden von den Eurofightern der Luftwaffe oft durchgeführt (Foto: Luftwaffe/Gygas).  

 

Für die Abfang- und Identifizierungsübung stellte der Learjet ein unbekanntes Flugzeug dar, zu dem kein Funkkontakt besteht. Er flog in 8000 ft (2440 m) Höhe auf Nord-Nordwestlichem Kurs als er um 14:26:31 Uhr in Sichtweite der zwei um 14:20 Uhr in Nörvenich gestarteten Eurofighter kam.

Während der erste Eurofighter den Learjet 35A auf der linken Seite ansteuerte folgte der andere entsprechend den Vorschriften des AIP im Abstand von etwa 2 NM (3,7 km). Nach einer ersten Aufforderung zum Folgen mittels Flügelwackeln um 14:35 Uhr wies der Lotse um 14:38:10 Uhr die Learjet-Besatzung an, nun den Anordnungen zu folgen und Funkkontakt zum Eurofighter aufzunehmen.

Der Eurofighter begann gleichzeitig wechselseitig um die Längsachse zu rollen und ging dann um 14:38:16 Uhr in eine Linkskurve über. Im Learjet wurde der Autopilot abgeschaltet und er ging ebenfalls eine Linkskurve mit zunächst vier Grad Querneigung. Der rechts sitzende, offenbar steuernde Copilot sagte: „Kannst du mal nehmen, ich kann den nicht mehr sehen.” Eine Sekunde später, um 14:38:19 Uhr, wurde die Leistung der beiden Triebwerke von etwa 73% auf ca. 88% erhöht. Die linke Querneigung des Flugzeuges hatte zu diesem Zeitpunkt 13° erreicht und nahm weiter zu.

Um 14:38:22 Uhr sagte der Pilot des Eurofighter: “Now the aircraft is responding and following in a left hand turn.” Im Verlauf der nächsten sechs Sekunden bis zur Kollision blieben Flughöhe angezeigte Fluggeschwindigkeit und Querneigung des Eurofighter annähernd konstant.

Learjet 35A Absturzstelle Olsberg-Elpe

Der Learjet 35A der GFD schlug nach der Kollision am Ortsrand von Olsberg-Elpe in einen Hang (Foto: Polizei).  

 

Der PIC des Learjet hatte den Funkspruch des Lotsen um 14:38:23 Uhr mit: „Roger“ beantwortet. Um 14:38:26 Uhr sagte er: „Nimm mal den Computer.“ (gemeint ist ein Tablet) Zu diesem Zeitpunkt betrug die linke Querneigung 52°. Um 14:38:28 Uhr zeichnete der CVR dumpfe Geräusche auf, bevor die Aufzeichnung nach einer Sekunde stoppte. Die Videoaufzeichnung des Head-Up-Displays des zweiten Eurofighter zeigte eine entwa zwei Sekunden anhaltenden Feuerschein und dann eine schwarze Rauchwolke.

Der Learjet schlug in Rückenlage mit großer Längsneigung an einem Hang etwa 100 Meter von dem Ort Olsber-Elpe auf, wobei beide Besatzungsmitglieder ums Leben kamen. Der verantwortliche Pilot war 50 Jahre alt und hatte 3555 Stunden Erfahrung auf dem Learjet 35A. Sein Co war 43 Jahre alt, mit 745 Stunden auf dem Learjet.

Der 33-jährige Pilot des Eurofighter hatte 406 Stunden auf dem Muster und 2014 elf sowie im Vorjahr 26 Missionen zur Identifizierung beziehungsweise dem Abfangen von Luftfahrzeugen geflogen. Er hatte eine Erschütterung wahrgenommen und sah im Spiegel schwarzen Rauch. Um 14:38:48 setzte er einen Mayday-Notruf ab. Begleitet vom zweiten Eurofighter flog er nach Nörvenich zurück, wo er um 14:58 Uhr landete.

Eurofighter-Beschädigung Nörvenich 2014

Der Eurofighter aus Nörvenich wurde auch an der Schubdüse beschädigt (Foto: BFU).  

 

Bei der Untersuchung wurde festgestellt, dass an der rechten Tragfläche an der Outboard Wing Station die Startschiene im vorderen Drittel gebrochen und in Richtung des Flugzeugrumpfes verformt war. In der Schiene steckte ein weiß lackiertes Teil des Rumpfes des Learjet. Am hinteren Ende der Startschiene hingen Teile des Dämmmaterials aus dem Rumpf des Learjet.

Die Unterseite des inneren Höhen- und Querruders (Elevon) sowie Teile der Schubdüse des rechten Triebwerks wiesen blaue Farbantragungen auf. Das gesamte rechte Triebwerk des Flugzeuges war in Richtung der Flugzeuglängsachse verformt. Der Außentank des Kampfflugzeuges war abgerissen und wurde in zwei Teilen einschließlich der Abstoßkartusche 2,1 km bzw. 2,3 km südlich des Hauptwracks des Learjet gefunden.



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