04.06.2015
Erschienen in: 05/ 2015 FLUG REVUE

RisikogeschäftRüstungsprogramme der Bundeswehr

Lange Verzögerungen, Mehrkosten und mehr als 500 Risiken für den weiteren Programmablauf – die Bestandsaufnahme des Verteidigungsministeriums zu den wichtigsten Rüstungsprogrammen der Bundeswehr ist wie erwartet sehr unerfreulich.

Tiger Heer Afghanistan

Kostenüberschreitung und Zeitverzögerung: Das Rüstungsprogramm läuft nicht nach Plan. Foto und Copyright: Bundeswehr  

 

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Der vom Verteidigungsministerium am 19. März nach der Sitzung des Rüstungsboards vorgelegte Bericht „zu Rüstungsangelegenheiten“ listet bei den luftfahrtbezogenen Projekten „erheblich überdurchschnittliche Verzögerungen“ von bis zu 158 Monaten und Kostenüberschreitungen von bis zu 62 Prozent auf.

Der öffentlich zugängliche Teil der Ausführungen zeichnet sich allerdings durch einen Mangel an Details aus. Nur für die Bundestagsabgeordneten gibt es ausführlichere Angaben zum Beispiel zu den Risikodetails (Einstufung VS – nur für den Dienstgebrauch). Dabei wäre gerade Letzteres interessant. Bei den acht Luftfahrtprojekten sind nämlich von 80 Kategorien (je zehn pro Projekt) 45 mit Risiken behaftet, und nur in sieben Fällen prognostiziert der Bericht, dass sie „abgemildert“ werden.

Bei der A400M zum Beispiel rechnet man sogar damit, dass die Risiken in sechs von zehn Kategorien noch zunehmen. Wegen „gravierender Verzögerungen“ ist eine „Anpassung der Programmplanung“ erforderlich. Vor diesem Hintergrund „werden Möglichkeiten einer Verlängerung der Nutzung der Transall“  über 2018 hinaus geprüft. Die volle Einsatzbereitschaft der A400M wird erst für 2019 erwartet (statt April 2010).

Beim Eurofighter wird sich „das Ende der Lieferungen von Ende 2006 auf voraussichtlich Anfang 2018 verschieben“. Aufgrund von Fertigungsmängeln und der „ausstehenden Erklärung der Type Acceptance für die Tranche 3a“ kam es Ende 2014 zu Verzögerungen bei der Auslieferung. Man hofft allerdings, dass „die vertraglich vereinbarte Auslieferung kurzfristig wieder erreicht werden kann“. Ab 2021 sollen die Eurofighter ein AESA-Radar erhalten. Schon vier Monate nach Vertragsabschluss kann aber nicht ausgeschlossen werden, „dass sich der Termin für das Ende der Entwicklung verschieben könnte“.

Noch ohne Kostenstatus werden im Bericht die Projekte „taktisches Luftverteidigungssystem“ (Auswahlentscheidung zwischen MEADS und Patriot könnte im zweiten Quartal fallen) und „signalerfassende luftgestützte weiträumige Überwachung und Aufklärung“ aufgeführt. Beim Letzteren geht es darum, den Versuchsträger Euro Hawk „schnellstmöglich“ wieder in Betrieb zu nehmen, um das von Airbus Defence & Space stammende SIGINT-Missionssystem bis etwa Oktober 2016 fertig zu entwickeln. Derweil wird die per Erlass „favo­risierte Lösung“ mit der  Northrop Grumman MQ-4C Triton (Modell der Global Hawk für die US Navy) als neuer Trägerplattform „prioritär verfolgt, um die voraussichtlich beste Leistung und Sicherung der Schlüsseltechnologie ISIS zu erreichen“. Eine endgültige Auswahlentscheidung erfolge spätestens 2016, heißt es. 


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