28.01.2014
FLUG REVUE

Jahresbericht vorgelegtWehrbeauftragter: Personalmangel in wichtigen Bereichen

Der am Dienstag vorgelegte Jahresbericht des Wehrbeauftragten listet wieder eine Reihe von Problemfeldern auf, zu denen auch Personalmangel und die Folgen von Umstrukturierungen gehören.

Luftwaffen-Feuerwehr Laage 2011

Der Mangel an Feuerwehrleuten führte bei der Luftwaffe schon zu zeitweisen Betriebseinschränkungen (Foto: Luftwaffe).  

 

In Teilbereichen gibt es nach dem Bericht von Helmut Königshaus eine „strukturelle Überforderung“ des Personals. Einige Beispiele zeigen, dass die Bundeswehr zwar ein breites Spektrum an Fähigkeiten vorhält, dieses aber personell nicht in ausreichender Tiefe hinterlegt hat.

Zur militärischen Flugsicherung gehören der Flugverkehrskontrolldienst und die Flugberatung. Der Flugverkehrskontrolldienst wird von Offizieren geleistet. Die Besetzung der dafür ausgeworfenen Dienstposten leidet derzeit unter einer Unterdeckung von zirka 20 Prozent. Gleiches gilt für die Dienstposten der Flugberaterfeldwebel.

Besonders prekär ist die Situation in der Flugberatungszentrale in Frankfurt/Main, wo auf 19 Dienstposten für Flugberaterfeldwebel derzeit nur zehn Soldaten Dienst leisten. Die Unterbesetzung führt zu einer hohen, teilweise grenzwertigen Einsatzbelastung des verfügbaren Personals. Eine Aussicht auf Besserung in diesem Bereich besteht kurz- und mittelfristig nicht, denn neues Personal für den Flugverkehrskontrolldienst kann nicht zeitnah ausgebildet werden. Die Wartezeit für die Ausbildung der Anwärter für die Militärische Flugsicherung an der Technischen Schule der Luftwaffe in Kaufbeuren beträgt derzeit bis zu drei Jahre.

Kritisch ist auch die Situation der Luftumschlagkräfte. Die Besetzung der Dienstposten bei ISAF, KFOR, ATALANTA, AF TUR sowie am logistischen Umschlagpunkt Trabzon in der Türkei erfordert nach Einschätzung des Logistikkommandos der Bundeswehr einen Bedarf von fünf Luftumschlagfeldwebeln gleichzeitig. Um die genannten Einsätze durchhaltefähig besetzen zu können, besteht ein Bedarf von 30 auslandsverwendungsfähigen Luftumschlagfeldwebeln.

Dieser Bedarf ergibt sich aus der sogenannten Einsatzsystematik 4/20, wonach planerisch vier Monate Einsatz und 20 Monate Inlandsdienst zwischen den Einsätzen anzustreben sind. Der Bedarf für einsatzgleiche Verpflichtungen wie die NATO Response Force oder die EU Battlegroups ist dabei noch nicht eingerechnet. Von den derzeit elf Dienstposteninhabern im Bereich des Logistikkommandos der Bundeswehr sind nur acht auslandsdienstverwendungsfähig. Eine Durchhaltefähigkeit unter Zugrundelegung der Einsatzsystematik 4/20 ist daher bereits jetzt nicht gegeben.

Ähnlich angespannt ist die Lage bei den Marinefliegern. So wurde im Jahr 2013 nach Mitteilung des Marinekommandos beispielsweise im Bereich P-3C Orion und für 2014 auch für die Bordhubschrauberstaffel des Marinefliegergeschwaders 5 eine operative Einsatzunterbrechung von sechs Monaten „erwirkt“. Diese Formulierung zeigt, dass eine kurze Regenerationsphase von nur sechs Monaten zwischen zwei Einsätzen aus Sicht der Betroffenen bereits als Verbesserung der Lage wahrgenommen wird.

Drastische personelle Engpässe zeichneten sich im Berichtsjahr auch bei den Feuerwehrkräften ab. Allein durch die Umsetzung der EU-Arbeitszeitrichtlinie mussten beim zivilen Personal der Flughafenfeuerwehren so viele Arbeitsstunden durch Freizeit ausgeglichen werden, dass es, wie in Wunstorf beim Lufttransportgeschwader 62 und in Cochem/Büchel beim Taktischen Luftwaffengeschwader 33 geschehen, kurzzeitig zur Aussetzung des Flugbetriebs kam. Nach Auskunft des Bundesministeriums der Verteidigung wird sich diese Situation aufgrund der Dauer der Ausbildung von Feuerwehrleuten kurzfristig auch nicht entspannen.


WEITER ZU SEITE 2: Nicht ausreichende Lufttransportkapazitäten

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